Schlägerei mit mehreren Beteiligten in Ahlhorn / Verfahren ausgesetzt

Gericht versucht, blutigen Familienstreit aufzuklären

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Wildeshausen/Ahlhorn - Ein Metalldetektor auf dem Flur und zwei Justizbeamte zur Sicherheit im Gerichtssaal: Das Amtsgericht Wildeshausen versuchte am Dienstag, eine blutige Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien zu verhandeln, in deren Verlauf ein Mann durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt wurde. Wegen der unklaren Sachlage und der vielen noch zu hörenden Zeugen setzte die Richterin das Verfahren jedoch aus. Es soll im Herbst neu aufgerollt werden.

Es geht um vier Männer der Familie Y. und vier der Familie S., die am Abend des 4. April 2015 auf der Auffahrt der Firma Heidemark in Ahlhorn aufeinander einschlugen. Radoslav Y. (30) soll dabei mit einem Messer auf Metodi und Boris S. eingestochen haben, sodass letzterer so schwer verletzt wurde, dass die Ärzte sein Leben in einer Not-OP retten mussten.

Der Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen. Metodi S., der mit einem Stich in den Leistenbereich davonkam und genau wie Boris S. als Nebenkläger bei dem Prozess vertreten ist, erzählte dafür rund drei Stunden lang umso mehr, was aber nicht immer zur Erhellung der Umstände beitrug.

Erst auf gezielte Nachfrage der Verteidigerin berichtete er zum Beispiel, dass es früher Streit mit dem Angeklagten gegeben hatte. Bei der Befragung durch die Richterin hatte Metodi S. noch gesagt, er habe keine Ahnung, warum sich die Schlägerei ereignet habe.

Es war bei dem früheren Konflikt um die Verlobte des Angeklagten gegangen, die angeblich ein Verhältnis mit Metodi S. gehabt habe. „Radoslav Y. hat mich damals geschlagen. Sein Bruder auch“, sagte der 26-jährige Metodi S. aus.

Ob diese alte Auseinandersetzung nun wieder hochgekocht war? Laut Metodi S. war er mit seinen zwei Brüdern und seinem Vater aus Werlte (Landkreis Emsland) nach Ahlhorn gefahren, um mit dem Onkel zu reden. Dieser lebte damals auf dem Campingplatz Aumühle und sollte mit ins rund 50 Kilometer entfernte Werlte kommen, „damit er keine Schwierigkeiten hat“. Zuvor habe es Streit zwischen der Mutter des Angeklagten und der Ehefrau des Onkels gegeben.

Zehn bis 15 Minuten habe man auf der Auffahrt in Ahlhorn mit dem Onkel geredet, dann seien vier Männer der Familie Y. in einem Auto vorgefahren und gleich auf die Mitglieder der Familie S. losgegangen. „Sie haben angefangen, sich mit uns zu prügeln“, sagte Metodi S. aus. Einer der Angreifer habe eine Kette gehabt, die anderen „Holzstücke“. Der Angeklagte habe sich ihm seitlich genähert und mit einem Messer zugestochen. Die Attacke auf seinen Bruder habe er nicht gesehen, so Metodi S. Kurz nach den Messerstichen sei die Famile Y. aufgebrochen, woraufhin er die „Holzstücke“ der Angreifer in seinen Wagen gelegt habe und mit seinem verletzten Bruder ins Krankenhaus gefahren sei.

Warum sie denn mit so vielen Leute nach Ahlhorn gefahren seien, wo es doch nur darum ging, mit dem Onkel zu reden, wollte die Richterin wissen. Metodi S. blieb die Antwort schuldig. Sie hätten in zwei Autos fahren müssen, weil er nach dem Gespräch weiter zur Arbeit wollte. Alle Beteiligten sind in der Fleischindustrie. Überhaupt wies die Aussage des Zeugen einige Unterschiede zu dem auf, was er bei der polizeilichen Vernehmung einen Tag nach der Tat gesagt hatte. Die Richterin hielt ihm vor, er habe von einer Morddrohung der Familie Y. gegen seinen Vater erzählt. „Das habe ich nicht gesagt“, meinte Metodi S., um sich Sekunden später wieder daran zu erinnern. „Wir hatten sehr viel Angst.“

Da außer ihm noch 16 Zeugen gehört werden sollen und nicht absehbar ist, wie lange das Verfahren dauert, hat die Richterin den Prozess erst einmal ausgesetzt. Er soll im Oktober neu starten. Fünf Verhandlungstage sind angesetzt. - bor

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