Freispruch im Löninger Missbrauchsprozess

Schuld ist nicht eindeutig erwiesen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Oldenburg/Löningen - Mit einem Freispruch für den Angeklagten ist am Donnerstag vor dem Oldenburger Landgericht der Löninger Missbrauchsprozess zu Ende gegangen. Direkt nach der Urteilsverkündung erklärte der Vorsitzende Richter Horst Kießler, was im vorliegenden Fall der Freispruch bedeute. Er bedeute nicht, dass man Belastungszeugen nicht geglaubt habe oder man davon ausgehe, dass diese gar gelogen hätten. „So ist das nicht“, sagte der Vorsitzende. Man habe nur nicht mit der notwendigen Sicherheit feststellen können, was geschehen sei. „Wir wissen es einfach nicht“, so der Richter. Es blieben Zweifel, und die müssten sich prozessual zugunsten des Angeklagten auswirken.

Wie berichtet, hatten der 48-jährige Angeklagte und sein Lebensgefährte am 14. Februar vergangenen Jahres drei Jugendliche in einer Löninger Kneipe kennengelernt, darunter ein 16-Jähriger. Nachts war man dann zu fünft in die Wohnung des Angeklagten gegangen, um Spiegeleier zu braten. Später hielten sich dann der Angeklagte und der 16-Jährige im verschlossenen Badezimmer auf, wo es zu sexuellen Handlungen gekommen sein soll. Laut ursprünglicher Anklage soll der 48-Jährige dazu die Widerstandsunfähigkeit des 16-Jährigen, die sich aufgrund einer starken Alkoholisierung oder der Verabreichung von K.O.-Tropfen ergeben habe, ausgenutzt haben.

Das Gericht aber hatte Schwierigkeiten, eine Widerstandsunfähigkeit sicher festzustellen. Ein Gutachter hatte K.O.-Tropfen für eher unwahrscheinlich gehalten. Der Angeklagte selbst sprach in dem nicht öffentlichen Verfahren von einvernehmlichem Sex. „Was ist lebensnah?“, fragte der Vorsitzende und wog zwei Versionen des möglichen Geschehens gegeneinander ab. Suche ein 16-Jähriger einen sexuellen Kontakt zu einem erwachsenen Mann? – „Wohl eher nicht“, so der Richter. Und vergehe sich der Angeklagte an dem Jungen, obwohl die anderen nebenan sitzen? Die Entdeckungsgefahr sei doch wohl zu groß.

Der nicht aufgeklärte Sachverhalt führte dann zu dem Freispruch, wie auch von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung beantragt. Die Nebenklage dagegen hatte auf „schuldig“ plädiert. Am Schluss der Urteilsbegründung wandte sich der Vorsitzende mit deutlichen Worten noch einmal an den Angeklagten. „Es ist unanständig, was passiert ist“, sagte er mit strenger Stimme zu ihm. Der Cloppenburger Rechtsanwalt Otto Höffmann, der den 16-Jährigen anwaltlich vertrat, begrüßte diese klaren Worte ausdrücklich.

wz

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