Bernhard Bramlage neuer Aufsichtsratvorsitzender

Ex-Landrat mit Liebe zur Natur steht an der EWE-Spitze

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Der 67-jährige Bernhard Bramlage war lange Jahre Stadtdirektor in Delmenhorst.

Oldenburg - Im Job trägt er Anzug und Krawatte, privat zeltet er gerne in Skandinavien. Der neue Aufsichtsratschef des Energieunternehmens EWE, Bernhard Bramlage, war 15 Jahre Landrat. Bei dem Oldenburger Energieversorger muss er wichtige Personalentscheidungen treffen und Korruptionsvorwürfe aufarbeiten.

Das Leben ist nur bedingt planbar – das hat Bramlage mehrfach erfahren. Als sein erster Sohn elf Monate alt war, zog seine damalige Frau überraschend von zu Hause aus. „Ich war einige Jahre alleinerziehender Vater“, erzählt der 67-jährige SPD-Politiker, der am Mittwoch zum EWE-Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wurde. Sein Jurastudium und Referendariat verliefen anders, nachdem er die alleinige Verantwortung für sein kleines Kind hatte. „Es war eine anstrengende Zeit.“ Und: „Ich bin sehr unterstützt worden.“

Nach Abschluss seiner juristischen Ausbildung zog es das SPD-Mitglied in die kommunale Verwaltung – Bramlage übernahm die Leitung des Rechtsamtes von Delmenhorst, wurde dort und später in Northeim Stadtdirektor. 2001 wählten ihn die Bürger im Landkreis Leer zum Landrat. „Ich bin oft zum richtigen Zeitpunkt, den richtigen Menschen begegnet“, sagt der 1,72 Meter große Mann über seine beruflichen Stationen. Er habe „in überschaubaren Zeiträumen gedacht und ein bisschen geplant“.

15 Jahre Chef der Kreisverwaltung

15 Jahre war Bramlage Chef der Kreisverwaltung in Leer. Der Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, Ulf Thiele, zieht eine positive Bilanz. „Er hat den Landkreis vorangebracht“, sagt er und verweist auf die Gründung eines neuen Gymnasiums. „Er ist keiner, der Parteipolitik macht. Ihm war es als Landrat wichtig, dass er für wichtige Projekte breite Mehrheiten hat.“ Diskussionen hätten Bramlage dabei nicht abgeschreckt. „Er geht keinem Konflikt aus dem Weg – auch nicht mit Parteifreunden.“

Dieter Backer, der während Bramlages Landratszeit bis 2016 dessen Pressesprecher war, berichtet über Bramlage: „Er ist ein sehr akribischer Arbeiter, der den Dingen auf den Grund geht und sehr gründlich recherchiert, bevor er zu einem Urteil kommt.“ Lange Tage im Büro habe sein Chef nie gescheut.

Dass der heutige EWE-Aufsichtsratsvorsitzende seine beruflichen Ziele so zeitintensiv verfolgen konnte, hat Bramlage seiner heutigen Ehefrau und Mutter seines zweiten Sohnes zu verdanken. „Sie hat sich entschieden, dass meine berufliche Entwicklung Vorrang haben sollte“, erinnert er sich an eine frühe Abmachung. 

„Später sollte ich sie dann unterstützen.“ Inzwischen sind die Kinder 36 und 45 Jahre alt, seine Frau arbeitet als Leiterin einer Grundschule in Leer. „Für mich ist Familie ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens“, sagt Bramlage. „Abschalten konnte ich immer gut – auch bei starker beruflicher Belastung.“

Ablenkung durch Amateurfunken

Ablenkung verschafft sich der weißhaarige Mann beim Amateurfunken. Rund 50 Funkgeräte hat er nach eigenen Angaben zu Hause, das Morsealphabet vor Jahrzehnten bei der Bundeswehr gelernt. Auch auf die Jagd geht er manchmal. „Ich genieße es, draußen in der Natur zu sein“, sagt der Senior.

Freizeit wird der fünffache Opa künftig wieder weniger haben. Sein Mandat als Vorsitzender des EWE-Kontrollgremiums wird ihn vor große Herausforderungen stellen. Dazu gehören die Besetzung von drei freien Vorstandsmandaten und die Aufarbeitung von Korruptionsvorwürfen gegen Mitarbeiter der Konzerntochter EWE Netz. Das Energieunternehmen kennt er gut, seit 2004 ist er im Beirat der EWE Netz, seit Oktober 2012 Mitglied im Aufsichtsrat der EWE AG. Den Plan, Vorsitzender des Kontrollgremiums zu werden, hatte Bramlage nicht. Aber: „Ich habe mich gefreut, als ich gefragt wurde.“

dpa

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