Prozess wegen versuchten Mordes

27 Mal auf die Ehefrau eingestochen

Delmenhorst/Oldenburg - Wegen versuchten Mordes muss sich seit Donnerstag ein 33-jähriger Delmenhorst in einem Sicherungsverfahren vor der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes verantworten. Den Ermittlungen zufolge hat er am 12. Mai in der gemeinsamen ehelichen Wohnung in Delmenhorst in Anwesenheit der drei kleinen Kinder mit einem Tomatenmesser 27 Mal auf seine schlafende Ehefrau eingestochen.

Aufgrund einer psychischen Erkrankung und eines enormen Drogenmissbrauchs soll der Beschuldigte zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft stellt er ohne Behandlung eine große Gefahr für die Allgemeinheit dar. Weitere, schwerwiegende Straftaten seien zu erwarten. Deswegen hat die Anklagebehörde die Einweisung des 33-Jährigen in die geschlossene Psychiatrie beantragt.

Keine Aussagen

Doch zunächst muss die Tat aufgeklärt werden. Und das ist gar nicht so einfach. Der Delmenhorster verweigerte die Aussage. Damit nicht genug: Auch seine Ehefrau machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Nicht einmal die belastenden Aussagen, die sie nach der Tat gegenüber der Polizei gemacht hatte, dürfen verwertet werden. In zwei Briefen, die dem Gericht gestern übergeben wurden, erklärt die Frau, dass sie ihren Mann nach wie vor sehr liebe. Er habe „das“ nicht bewusst gemacht. „Lasst ihn frei, meine Kinder und ich können nicht ohne ihn“, schreibt sie.

Auch die Schwester des 33-Jährigen wollte nichts sagen. Sie hatte den Notruf, der aufgezeichnet worden war, abgesetzt. Die CD wurde im Sitzungssaal abgespielt. „Mein Bruder hat seine Frau angegriffen“, ruft die Schwester ins Telefon. Im Hintergrund sind laute Schreie der Kinder und ein röchelndes Opfer zu hören. Das Verfahren wird am 8. Dezember fortgesetzt. Ein weiterer Verhandlungstag ist für den 23. Dezember angesetzt. Dann soll das Verfahren enden. 

wz

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