Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe dankt Haupt- und Ehrenamtlichen in der Migrationsarbeit

Wenn Goldenstedt zum Paradies wird...

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Vom Leben gezeichnet: Der elfjährige Namanja (v.l.) mit seinem Vater Zoran (43), seiner Ehefrau Vanja (37), dem neugeborenen Stefan (sechs Wochen) und einem weiteren Kind aus dem Goldenstedter Caritas-Flüchtlingswohnheim.

Goldenstedt - Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe hat sich gemeinsam mit dem Goldenstedter Bürgermeister Willibald Meyer ein Bild von der Arbeit im Flüchtlingswohnheim Goldenstedt gemacht. Dabei stieß er auf eine Familie aus Montenegro, die von der Flucht und einem Schicksalsschlag gezeichnet ist, teilte die Caritas mit.

Seit fünf Monaten wohnen sie demnach im Goldenstedter Flüchtlingswohnheim. Sie, die 37-jährige Mutter Vanja mit ihrem sechs Wochen alten Sohn Stefan, ihr 43-jähriger Mann Zoran und der elfjährige große Sohn Namanja.

Sie ließen eine Tragödie auf dem Balkan zurück. Denn es gab noch ein drittes Kind. Eine Tochter. Anja. Sie sei vor zwei Jahren gestorben, übersetzt ein serbischer Mitbewohner im Heim der Gemeinde Goldenstedt, welches das Caritas-Sozialwerk seit 22 Jahren betreibt.

„Gestorben wegen einer falschen Medizin“, nennt der Vater die Ursache für den Tod seiner Tochter und deutet eine Spritze am Arm an. Jede Nachfrage wird erstickt von den immer tiefer rot werdenden Augen seiner Frau, von den Tränen, die jedes weitere Gespräch zu beenden drohen, so die Caritas.

Ausgemergelt, einfach älter wirkt das Paar, als ihr Pass es in Wirklichkeit angibt. Einen Wunsch an die Zukunft nennen die beiden nicht. „Wir sind froh, hier leben zu dürfen.“ Ein Dach über dem Kopf, die Aussicht auf regelmäßiges Essen, das Wissen um einen Arzt für den neugeborenen Sohn Stefan – es scheint, dass ihnen dies alleine schon wie ein Himmel auf Erden vorkommt.

Konkret besteht dieser Himmel aus sechs Quadratmetern pro Person in dem Heim mit seinen 45 Plätzen. 290 gibt es im Offizialatsbezirk in Trägerschaft der Caritas. Für viele wäre das kein Paradies. Und doch hat die Goldenstedter Einrichtung etwas davon. „Nemanja, komm her“, begrüßt Leiterin Annette Wilke den schlaksig hereinkommenden Elfjährigen. So, als wäre es ihr eigener Sohn.

Sie, die sich mit Sozialamtsleiterin Marianne Heyng duzt. Welche wiederum die Vornamen vieler Bewohner auswendig kennt. Die heute noch weiß, wer im vergangenen Jahr ausgezogen ist.

Bürgermeister Meyer ist voll des Lobs. „Das Heim gibt es nur, weil es von den Nachbarn und den Goldenstedtern insgesamt so gut angenommen wird“, schaut er dankbar auf die 22 Jahre zurück.

Deshalb ist Direktor Tepe in die Gemeinde am Moor gekommen. „Es hätte auch ein anderes Haus sein können“, sagt er. Aber stellvertretend möchte er allen im Oldenburger Land danken, den Haupt- und Ehrenamtlichen, die im Moment denen zur Seite stehen, die alles aufgegeben haben. „Integration ist nur zu schaffen, wenn alle daran mitwirken“, so Tepe.

19 Paten gebe es in Goldenstedt, die 28 Flüchtlings-Kinder betreuen. Alle Jungen und Mädchen würden im Gegensatz zu Notunterkünften sofort zur Schule und zum Kindergarten gehen, sagt Wilke.

Nur Arbeitsgelegenheiten, davon wünscht Bürgermeister Meyer sich mehr für die männlichen Bewohner des Heims. Praktika oder die Gelegenheit zu hospitieren.

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