Bisheriger Anbieter Siemens zieht sich überraschend zurück

Großleitstelle Oldenburger Land braucht neue Software

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Leitstellenleiter Frank Leenderts vor den drei Monitoren an seinem Arbeitsplatz.

Oldenburg - Von Ove Bornholt. Weil der Weltkonzern Siemens sich aus dem Markt für Rettungsleitstellentechnik zurückzieht, braucht die Großleitstelle Oldenburger Land (GOL) neue Software. Deren Leiter Frank Leenderts zeigte sich überrascht von der Entscheidung, aber auch optimistisch.

Siemens will sich künftig auf Industrieleitstellen fokussieren, begründete die Firma den Rückzug, den sie ihren Kunden im September mitgeteilt hatte.

45 Mitarbeiter der Großleitstelle müssen umgeschult und 30 Lizenzen für die Software eines anderen Anbieters angeschafft werden. Es gibt deutlich mehr Mitarbeiter als Lizenzen – sieben sind als Reserve nicht im täglichen Betrieb –, da die Leitstelle im Schichtsystem arbeitet. Doch erst einmal bleibt alles beim Alten. Denn Siemens hat zugesichert, für zehn Jahre den technischen Service inklusive der Updates zu übernehmen.

„Natürlich gibt es immer einen Ruck im Haus, wenn die Software umgestellt wird“, sagte Leenderts auf Nachfrage unserer Zeitung, „aber deswegen habe ich keinen erhöhten Puls.“ Das liegt auch daran, dass von dem Rückzug in erster Linie die Datenbanken betroffen sind. Dort finden die Mitarbeiter Informationen über Straßen, Fahrzeuge und Personen. „Es handelt sich um das reine Einsatzleitsystem“, so der Leiter, der seit diesem Herbst auch Geschäftsführer der Einrichtung ist. Alarmierungs- und Kommunikationstechnik sowie die Notrufanlage blieben unberührt.

Der Vertrag mit Siemens war unbefristet. Derzeit wird juristisch geprüft, ob es durch den Rückzug des Unternehmens ein Sonderkündigungsrecht gibt, bevor der Support in zehn Jahren ausläuft. Doch ob dieses dann genutzt werden soll, ist noch nicht klar. In Abstimmung mit anderen Leitstellen und der Polizeidirektion Oldenburg stünde im kommenden Jahr eine strategische Entscheidung darüber an, so Leenderts. Hintergrund der Konsultationen der anderen Einrichtungen ist, dass die GOL gemeinsam mit der Polizeidirektion betrieben wird und andere Leitstellen (Wittmund, Osnabrück, Hameln und Lüneburg) nach dem Oldenburger Muster entworfen wurden, also auch auf die gleiche Technik gesetzt haben. In diese strategische Entscheidung sind auch die Betreiber, die Landkreise Oldenburg, Ammerland, Cloppenburg und Wesermarsch sowie die Städte Delmenhorst und Oldenburg, eingebunden.

Wie hoch die Kosten für die Umrüstung und die Schulungen werden, könne er noch nicht beziffern, meinte Leenderts. „Wir haben ja derzeit eine stabil laufende Software, werden uns nun aber natürlich umsehen“, sagte er. Wichtig ist zum Beispiel, dass es ein „vernünftiges Migrationssystem“ gibt. Sprich, dass die Daten vollständig auf eine neue Plattform übertragen werden können.

Sollte im Laufe des kommenden Jahres die Entscheidung über einen zügigen Ausstieg getroffen werden, müssten noch die Anforderungen an eine Software formuliert werden. Anschließend müsste der Auftrag dafür wie vor fünf Jahren bei der aktuellen Version europaweit ausgeschrieben werden, was auch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Das bedeutet, dass es wahrscheinlich frühestens Ende 2017 oder Anfang 2018 eine neue Software geben könnte.

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