Bernhard Schwarting ist das dienstälteste Mitglied im Kreistag

„Ich gehöre hier schon zum lebenden Inventar“

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Vor und im Wildeshauser Kreishaus ist Bernhard Schwarting oft anzutreffen.

Landkreis - Von Sophie Filipiak. Kirchturmpolitik ist Bernhard Schwarting ein Gräuel. Obwohl er mit Leib und Seele Ganderkeseer ist, ist sein Handeln im Kreistag immer von Überregionalität geprägt. „Ich könnte mich immer über die Kollegen aufregen, die nur für ihren Ort kämpfen“, ereifert sich der ansonsten ruhige 82-Jährige. Viele Politiker hat er kommen und gehen sehen – seit 1974 besitzt er das Kreistagsmandat. Und hat dabei auch einiges erlebt.

Politik ist Schwarting in die Wiege gelegt. Schon sein Großvater und Vater haben sich in der CDU engagiert, da war es nur eine Frage der Zeit bis auch er in die Partei eintrat. 1969 war dann so weit. Zwei Jahre später kandidierte er schon für den Kreistag. „Ich habe damals aber zu wenige Stimmen erhalten“, erinnert sich Schwarting. Die Gemeindereform 1974 kam ihm jedoch zugute – als Nachrücker konnte er dann die Geschicke des Landkreises Oldenburg mitlenken.

Schwarting kramt in seinem Aktenkoffer, zieht ein altes Foto des damaligen Kreistages heraus und zeigt auf die verschiedenen Abgeordneten: „Die meisten leben gar nicht mehr.“ Er tippt auf einen Mann in der hintersten Reihe: „Und das bin ich als Jungspund.“

Von der damaligen Zeit sind ihm noch lebhaft die Debatten um die Kreissitzverlegung von Oldenburg nach Wildeshausen in Erinnerung: „Einige waren der Meinung, dass der Kreistag in die geografische Mitte, also Kirchhatten, verlegt werden sollte.“ Schwarting aber – und die meisten anderen Politiker – stimmten für die Wittekindstadt.

An einen Abend im Jahr 1982 kann sich der 82-Jährige noch besonders gut erinnern: „Da tagte der Kreistag im Altmoorhausen, aber ich lag im Krankenhaus.“ Bei einer wichtigen Entscheidung fehlte der CDU-Fraktion jedoch seine Stimme. Seine Kollegen riefen in der Klinik an, und kurzerhand fuhr Schwarting – begleitet von Pflegern und seiner Frau – im Krankenwagen zur Abstimmung. „So konnten wir doch noch unsere Interessen durchsetzen“, erzählt er mit einem Lächeln.

Nach der Verlegung ist das Wildeshauser Kreishaus für ihn zu einem zweiten Zuhause geworden: „Ich gehöre hier schon zum lebenden Inventar.“ Aber nicht nur dort war der Unternehmer, der die Baufirma seines Vaters übernommen hatte, aktiv. Von 1986 bis 2006 war er Mitglied des Gemeinderates in Ganderkesee, fünf Jahre davon als Ratsvorsitzender. „Aber zwei Ämter gleichzeitig, das war zu viel“, erklärt er. Seine Tochter übernahm den Ratssitz.

Daneben engagierte er sich auch im Ganderkeseer Schützenbund von 1910, der ihn 2001 zum Ehrenpräsidenten ernannte, sowie im Schützenverein Hoyerswege. Er organisierte im Schützenbund viele Benefizveranstaltungen zugunsten der deutschen Krebshilfe. Für diese Verdienste erhielt er 2001 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

In Zukunft will der Politiker aber kürzer treten. „2016 werde ich nicht mehr antreten“, verkündet er. „Ich war lange genug dabei.“ Spricht‘s und verschwindet schon wieder im Kreishaus – seinem zweiten Zuhause.

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