BBS-Schüler lernen jetzt Plattdeutsch mit Übersetzungshilfe

Vokabeln pauken erleichtert den Umgang mit Senioren

+
Schnacken alle „Platt“: Hella Einemann-Gräbert (BBS), Maike Sönksen (Schulbehörde), Sorin Lemke und Tanja Zolc-Edzards (beide Pfleger, vordere Reihe von links) sowie Heinrich Siefer und Ernst-August Bode (beide Oldenburgische Landschaft, v. l.).

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wer denkt, mit der Aussage „Mi geiht dat klöterig“ könne ein älterer Krankenhauspatient oder Heimbewohner die Pflegekräfte überfordern, der irrt wahrscheinlich. Denn der Pfleger kann jetzt einfach in seinem Vokabelheft nachschauen, was denn damit gemeint ist. Es heißt übrigens soviel wie: „Ich fühle mich heute nicht gut.“

Mit dem Heft können die Schüler der Berufsfachschule Altenpflege der Berufsbildenden Schulen (BBS) des Landkreises Oldenburg in Wildeshausen seit diesem Schuljahr ihr Plattdeutsch verbessern. Das DIN-A-5 große Heft beinhaltet auf rund 30 Seiten einzelne Wörter und kurze Sätze auf Plattdeutsch.

Diese können sowohl für Alltagsgespräche als auch für die Arbeit mit den Patienten genutzt werden. Darunter fallen zum Beispiel plattdeutsche Begriffe für Krankheiten wie „Dörfall“ für Durchfall oder „Kusenkehl“ für Zahnschmerzen.

Während einer Fortbildung unter dem Titel „Wi snackt Platt in de Pleeg – du ok?“ haben sich gestern knapp 50 Vertreter von Pflegeeinrichtungen, Lehrer und Schüler in der BBS über das Buch und die Verwendung des Plattdeutschen in der Pflege generell informiert – natürlich hielten die Referenten ihre Vorträge stilecht auf Platt.

Zwar könne er kein fließendes Gespräch führen, aber oft reiche ein Satz auf Plattdeutsch aus, sagte Sorin Lemke, der seine Ausbildung bei der BBS bereits abgeschlossen hat. „Das ist dann der berühmte Türöffner, der dem Patienten vermittelt: Ich werde wertgeschätzt“, so der 40-Jährige, der gebürtig aus Rumänien stammt. Ähnliche Erfahrungen hat Tanja Zolc-Edzards gemacht. Die 36-jährige Großenkneterin ist auch fertig ausgebildet und arbeitet in einer kleinen Pflegeeinrichtung. „80 bis 85 Prozent unserer Bewohner sprechen Plattdeutsch“, sagte sie. Besonders im Umgang mit Demenz-Kranken würde es helfen, diese auf Platt anzusprechen. Ihre Großeltern und Eltern haben die Mundart gesprochen. „Das hilft natürlich, da rein zu kommen“, sagte sie.

Lemke und andere Migranten seien mit Plattdeutsch keineswegs überfordert, hat BBS-Lehrerin Hella Einemann-Gräbert beobachtet, die ihre Pflegeschüler in dieser Sprache unterrichtet. Sie berichtet von Schülern, die zu Hause Türkisch, aber bei der Arbeit Plattdeutsch sprechen. „Die Schüler lernen sehr schnell und auch die Patienten freuen sich, wenn sie sich in ihrer Muttersprache ausdrücken können“, sagte sie.

„Menschen auf der muttersprachlichen Ebene anzusprechen, schafft Vertrauen“, betonte Heinrich Siefer, Plattdeutsch-Beauftragter der Oldenburgischen Landschaft. Diese hatte das Buch gemeinsam mit dem Landkreis Oldenburg gefördert. „Wir haben in der Region viele Leute, die Plattdeutsch sprechen“, begründet er dieses Engagement.

Und für ihn ist das Thema angesichts der geburtenstarken Jahrgänge, also der Babyboomer, die sich immer mehr dem Rentenalter nähern, auch in den kommenden Jahrzehnten wichtig. Laut Siefer sprechen und verstehen auch in dieser Generation noch viele Menschen Plattdeutsch.

Das Vokabelheft gibt es nicht nur für die BBS-Schüler. Interessierte können es per E-Mail an plattdeutsch-pflege@bbswildeshausen.de oder mit einen Brief an die BBS und das Postfach 1164 in Wildeshausen bestellen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Utrecht: Mutmaßlicher Täter gesteht Anschlag

Utrecht: Mutmaßlicher Täter gesteht Anschlag

Schwager der vermissten Rebecca frei, aber weiter verdächtig

Schwager der vermissten Rebecca frei, aber weiter verdächtig

EU verschiebt Brexit: "Die Hoffnung stirbt zuletzt"

EU verschiebt Brexit: "Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Gymnasiasten feiern “Cirkus Abbigalli” im Rahmen ihrer Mottowoche

Gymnasiasten feiern “Cirkus Abbigalli” im Rahmen ihrer Mottowoche

Meistgelesene Artikel

Ernst Frost und Siegbert Schmidt wollen Häuser zunächst erhalten

Ernst Frost und Siegbert Schmidt wollen Häuser zunächst erhalten

Gilde-Unterhaus soll Brexit abwenden

Gilde-Unterhaus soll Brexit abwenden

Buchreihe bei Hockensberg: Zwei Voten, aber noch kein Beschluss

Buchreihe bei Hockensberg: Zwei Voten, aber noch kein Beschluss

Abriss erst nach dem Gildefest

Abriss erst nach dem Gildefest

Kommentare