Ausstellung im Landesmuseum macht die 70er-Jahre lebendig

Von der Schlaghose bis hin zur kunterbunten Tapete

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Erinnerungen sollen wach werden: Ein Blick in ein Zimmer der 70er-Jahre.

Oldenburg - Schlaghosen, wild gemusterte Hemden und eng geschnittene Rollkragenpullis – „Die wilden 70er“ machten Ashton Kutscher zum Star. Obwohl viele Fans der Serie zu der Zeit noch nicht auf der Welt waren, die 70er- Jahre sind einfach Kult. Regelmäßig feiern Hippie-Kleider, Plateauschuhe und Riesen-Sonnenbrillen ein Revival, Retrotapete in Braun-Orange und Prilblumen schmücken wieder so manche Wohnung. In Oldenburg lässt jetzt eine Ausstellung die Seventies lebendig werden.

Sie zeigt eine Dekade, die geprägt ist von Demos, Derrick und Discofieber. Ein raumgreifender Setzkasten stimmt am Anfang auf die Ausstellung ein: Eine Biene- Maja-Schallplatte, Rollschuhe und ein Häkelkleid sind dort ebenso zu finden wie ein Golf-1-Modell und ein orangefarbenes Bonanzafahrrad.

Fast 400 Alltagsgegenstände haben die Kuratoren vom Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zusammengetragen. Der Gang durch die zehn Ausstellungsräume soll zur Zeitreise durch die 70er werden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Besucher sollen Einblicke in Politik, Musik, Mode, Sport, Film und Design bekommen und – entsprechendes Alter vorausgesetzt – in Erinnerungen schwelgen können. Sie können auf einem alten Fernseher das Videospiel „Pong“ zocken, sich in ihr altes Jugendzimmer mit geblümtem Sofa und Flokatiteppich zurückträumen oder durch alte Platten stöbern. Viele der Designobjekte zeigen deutlich: Die 70er waren bunt, extravagant und zum Teil stilprägend bis heute. „Sie waren aber auch ein zerrissenes Jahrzehnt“, sagt Kurator Siegfried Müller.

Neue politische Bewegungen kamen auf: gegen Umweltzerstörung, Atomkraft oder für mehr Frauenrechte. Die ersten Talkshows gingen auf Sendung. „Prominente haben plötzlich ihr Leben offengelegt“, erinnert sich Müller, der in den 70ern Student war. Männer trugen die Haare lang, auf dem Land entstanden Kommunen und freier Sex wurde zelebriert. Der RAF-Terrorismus und die Öl-Krise schränkten auf der anderen Seite die Freiheit der Bürger ein. Der Anschlag auf Olympia 1972 in München wurde zu einem traumatischen Erlebnis einer ganzen Generation.

Alltagsfluchten bot die Freizeit mit neuen Sportarten wie Windsurfen, Aerobic oder Squash. Auf Trimm-Dich-Pfaden sollten die Bundesbürger ihren Wohlstandsspeck abtrainieren. In der Ausstellung lädt in Anlehnung daran ein Reck zum Turnen ein. Wer es sich leisten konnte, reiste nach Indien oder in die Südsee, anschließend folgte der obligatorische Diavortrag. „Bei süßem Moselwein wurden abends die Gäste traktiert“, sagt Müller. Die Discowelle schwappte aus den USA herüber. Gleichzeitig waren Roy Black, Kraftwerk und Santana angesagt.

Dass Retro ankommt, hat das Landesmuseum bereits bei einer 50er- und 60er-Jahre-Schau festgestellt.

dpa

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