Aktivisten blockieren stundenlang die Zufahrt zum PHW-Standort in Visbek

Demonstranten legen „Wiesenhof“-Zentrale lahm

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Die Demonstranten blockierten die Zufahrt zu „Wiesenhof“ in Rechterfeld (Gemeinde Visbek).

Visbek - Rund 40 Tierschutzaktivisten haben am Donnerstag vor der Zentrale von Deutschlands größtem Geflügelfleisch-Produzenten „Wiesenhof“ demonstriert: Für mehrere Stunden blockierten sie die Zufahrt zum Firmengelände der PHW-Gruppe bei Visbek. Die Polizei löste die Versammlung auf. Die Organisatoren haben für die kommenden Tage weitere Protestaktionen in der Region angekündigt.

Die Aktion begann gegen 11.30 Uhr. Um den Lieferverkehr aufzuhalten, errichteten die Demonstranten ein sechs Meter hohes Dreibein, auf das einer von ihnen kletterte. Weitere Aktivisten ketteten sich auf der Zufahrtsstraße mit Rohren aneinander. Zudem wurde ein Lastwagen besetzt. Von der Blockade betroffen waren auch das auf dem Gelände befindliche MEGA-Mischfutterwerk und eine Pilzzuchtfarm.

Mit der Aktion wollten die Aktivisten gegen die Tötung der Tiere, die globalen Folgen von Billigfleischexporten und die schlechten Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen demonstrieren, sagte deren Sprecher, Christoph Hackner. Er sprach von einem „gewalttätigen Mensch-Tier-Verhältnis in der kapitalistischen Produktion“. Die Blockierer kündigten an, die Straße zur Wiesenhof-Zentrale nicht freiwillig zu verlassen.

„Ich bin hier, weil ich den Betrieb direkt stören will“, erklärte eine der Aktivistinnen. „Wöchentlich werden Millionen Küken in Mastanlagen gebracht, mit dem MEGA-Kraftfutter gemästet und nach einem Monat in einer der konzerneigenen Schlachtfabriken getötet.“

Hackner ergänzte, dass Wiesenhof allein in Niedersachsen den Ausbau von zwei Schlachtfabriken plane. So solle zum Beispiel in Holte bei Nienburg eine bestehende Schlachtfabrik erweitert und die Zahl der täglich dort geschlachteten 120000 Hühner mehr als verdoppelt werden. Weiterhin kritisierten die Aktivisten die Umweltzerstörung und die illegitime Aneignung von Land, die mit der Fleischproduktion einhergingen.

Protestaktion vor Wiesenhof

Nach Angaben eines Polizeisprechers seien die Demonstranten gegen 15 Uhr ein letztes Mal aufgefordert worden, den Bereich zu verlassen – zehn Minuten später hätten Beamte mit der Auflösung der Versammlung begonnen. Die Räumung der Straße habe bis etwa 18 Uhr gedauert. Zuletzt seien zwei Personen, die sich auf einem Sattelzug mit einem Fahrradschloss um ihre Hälse aneinandergekettet hatten, über einen Hubsteiger von dem Fahrzeug geholt worden. Die Demonstranten hätten zum allergrößten Teil keinen aktiven Widerstand geleistet. Die Polizei habe sie in Gewahrsam genommen, ihre Personalien festgestellt und sie anschließend an Orte gebracht, „von dem aus sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterkommen“.

Hackner bewertete die Protestaktion am Ende als „sehr erfolgreich“. Er sagte: „Wir haben den Betrieb für etwa sechs Stunden zum Erliegen gebracht – dass das gelingt, habe ich im Vorfeld gar nicht erwartet.“

Die Demonstration steht im Zusammenhang mit dem „Aktionscamp gegen Tierfabriken“, dass derzeit seine Zelte bei Nienburg nahe der Wiesenhof-Schlachterei in Holte aufgeschlagen hat. Für das kommende Wochenende kündigten die Aktivisten Demonstrationen in der Nienburger Innenstadt und vor dem Schlachthof an.

dr/ten

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