20-jähriger Kampf für Schutz der Eulenart endet – fast

Seit 1998 fördert Biologe Klaus Taux Steinkäuze im Landkreis Oldenburg

Klaus Taux beim Arbeitseinsatz. Insgesamt 300 Niströhren und -kästen brachte der Biologe im Landkreis Oldenburg an.

Oldenburg - Von Klaus Eilers. „Für den Steinkauz war es fünf vor zwölf“, sagt der Oldenburger Diplombiologe Dr. Klaus Taux. Die Vogelart galt vor 20 Jahren in Niedersachsen und Bremen als „vom Aussterben bedroht“: Im Landkreis Oldenburg gab es 1998 noch ganze fünf Paare.

Heute gibt es dort wieder deutlich mehr Steinkäuze – und Taux trägt daran einen wesentlichen Anteil. Nun zieht sich der 77-Jährige zu großen Teilen aus dem Projekt zur Rettung der kleinen Eule zurück, warnt aber: Der Kampf für den Arterhalt sei längst nicht gewonnen.

„Der Steinkauz ist ein wunderbarer und liebenswerter Vogel“, schwärmt Taux. „Den muss man mal gesehen haben, mit seinen gelben Augen.“ Die Naturschutzstiftung des Landkreises hatte den Biologen 1998 damit beauftragt, die Steinkäuze zu zählen und Maßnahmen zur Rettung des damals vom Aussterben bedrohten Vogels zu entwickeln.

Umwelt-Ehrennadel des Landes Niedersachsen für Taux

Zu den Eckpunkten des Projekts gehörte das Aufhängen von Niströhren und -kästen. 300 von insgesamt 435 Exemplaren zimmerte der Biologe selbst und brachte sie in Bäumen sowie in Feld- und Weideschuppen an, um anschließend zu kontrollieren, ob sich „kauzige“ Bewohner gefunden haben. „Nicht immer sind Steinkäuze in die Nistgeräte eingezogen. Manchmal haben sich dort auch Meisen, Eichhörnchen oder Hornissen niedergelassen“, bemerkt Taux.

Sein großer Einsatz für die Umwelt blieb nicht unbemerkt. Niedersachsens damaliger Umweltminister Hans-Heinrich Sander hatte Taux 2009 die Umwelt-Ehrennadel des Landes Niedersachsen verliehen. Damit hatte er Taux‘ Wirken um den Naturschutz und seinen Einsatz um die aus dem Landkreis fast verschwundenen Steinkäuze gewürdigt.

Das Projekt zur Rettung der Eulenart verfügt auch über einen zweiten Eckpfeiler: der Renovierung von maroden Feld- und Weideschuppen. „Dort versteckt sich die kleine Eule tagsüber gerne und zieht ihre Jungen auf“, weiß der 77-Jährige. 21 Feld- und Weideschuppen hat die Naturschutzstiftung des Landkreises mittlerweile instandsetzen lassen. „Zeitgleich sind aber auch etwa 40 Schuppen zusammengebrochen oder abgerissen worden“, bedauert Taux.

Im Boden lebt die Beute

Durch die Maßnahmen stieg die Zahl der Steinkauz-Paare im Landkreis seit 1998 von fünf auf 93 im Jahr 2015 an. Aber seit zwei Jahren sinkt der Bestand wieder. 2016 um fast 20 und im vergangenen Jahr um zwölf Prozent. Die Gründe: „Die Maislandschaft ist einfach kein Lebensraum für den Steinkauz. Die Pflanzen stehen manchmal bis zu dreieinhalb Meter hoch und sind so dicht, dass kein Vogel den Boden erreichen kann“, sagt der Biologe. Dort lebe aber die Beute der Eulenart: Wühl- und Spitzmäuse sowie Insekten. 

„Und es müssen wieder mehr Kühe auf die Weide“, fordert der 77-Jährige. Der Steinkauz bevorzuge kurzgrasige Vegetation. Besonders wertvolle Nahrungsräume seien Viehweiden mit Koppelpfählen, auf denen er gerne sitzt. Außerdem ziehe der Dung der Kühe Insekten an, was wiederum das Nahrungsangebot erhöht.

„Es bleibt spannend, ob der Bestand weiter zurückgeht oder sich auf einem niedrigen Niveau einpendelt“, schaut der Biologe mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Derzeit gilt die Vogelart in Niedersachsen und Bremen als „gefährdet“.

Auch wenn sich der 77-Jährige aus Altersgründen aus dem Projekt zurückzieht. So ganz kann er es dann doch nicht lassen, weiter für seinen geliebten Steinkauz zu kämpfen. „In der Gemeinde Wardenburg mache ich weiter. Dort betreue ich noch 110 Niströhren und -kästen.“ Um die übrigen 190 von ihm gebauten Exemplare wolle sich künftig der Waldökologe Jörn Schöttelndreier kümmern und das Steinkauz-Projekt an Taux‘ Stelle fortführen.

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