Gert Panning aus Harpstedt wagt sich in die entlegensten Winkel der Welt / Im Sommer die Seidenstraße bereist

Was Normaltouristen verborgen bleibt

Während „Otto Normalverbraucher“ im Urlaub im Vier-Sterne-Hotel residiert, nächtigt Gert Panning auf seinen Auslandsreisen auch schon mal in einer Jurte.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Ja, es gibt sie zuhauf: Urlauber, die in ein fremdes Land reisen, um stundenlang in der Sonne zu braten. Touristen, deren Aktionsradius nicht über Pool und Hotelstrand hinaus reicht. Gert Panning gehört nicht dazu.

Wenn er „eine Reise tut“, dann will er wirklich „was erleben“. Der Harpstedter traut sich in zum Teil wenig erschlossene Gegenden, sucht Kontakt zu Einheimischen und erfährt dabei viel, was „Normaltouristen“ verborgen bleibt. Er durchstreifte mit Yanomami-Indianern in Südamerika vier Wochen lang den Urwald, wurde Zeuge des Alltags in den Slums von Kalkutta, sah große Armut in Mali. Und selbst vor den letzten Kannibalen dieser Erde, den Stone Kuruwai in Papua-Neuginea, schreckte seine Neugierde nicht zurück.

Dass er wirklich dort gewesen ist, beweist ein eigens gedrehter Film. Wenn der Weltenbummler vor Publikum seine Reiseerlebnisse schildert, dann kommt er nicht umhin, den Kuruwai-„Streifen“ zu zeigen, so auch kürzlich in einer DRK-Veranstaltung.

Verreist Gert Panning, reist seine Videokamera stets mit. Zu Hause folgt dann in seinem Technikraum die aufwändige Nachbearbeitung der gedrehten Filme. Momentan schneidet der 72-Jährige Aufnahmen von einer Bereisung der Seidenstraße. „In die Fußstapfen von Dschingis Khan und Marco Polo zu treten, war schon immer mein Wunsch“, erzählt er. Seit ein paar Jahren sei es nun möglich, der legendären Karawanenstrecke zu folgen.

Moscheen und Medresen, atemberaubende Landschaften und Trubel auf dem riesigen Viehmarkt in Kashgar hat der Weltenbummler aus Harpstedt mit seiner Videokamera gefilmt.

Zusammen mit drei weiteren Deutschen befuhr Panning im Sommer mit Zug, Auto und Geländewagen von Istanbul aus die Nordroute des berühmten Handelsstraßennetzes, das sich vom Mittelmeer bis Ostasien erstreckt. An Märchen aus tausendundeiner Nacht musste er beim Betrachten blau-grün gekachelter Moscheen und Medresen in China, Buchara und Samarkand denken. Die Reisegruppe durchquerte Kasachstan, Usbekistan und Kirgisien, ehe sie nach rund 6 000 Kilometern Wegstrecke Urumqi erreichte, die Hauptstadt des uigurischen autonomen Gebietes    Xin-jiang in der Volksrepublik China.

Pannings Aufnahmen zeigen zerklüftete Landschaften, etwa entlang des Karakorum-Highways, aber auch Wüste und weite Steppen. Drei Tage verbrachte der Harpstedter in der ehemaligen      Karawanserei Taschrabat. „Die Einheimischen haben uns gut aufgenommen, und wir haben gesehen, wie sie leben“, erzählt er. Der 72-Jährige beschreibt eine typische Hochgebirgsweide in 2000 Metern Höhe, wo kirgisische Bauern im Sommer ihr Vieh, hauptsächlich Schafe, Ziegen und Yaks, weiden lassen. Er nächtigte selbst in einer Jurte aus Filz. „Der Ofen darin wurde mit luftgetrocknetem und gepresstem Kuhdung in Brikett-Form beheizt. Gestunken hat‘s nicht“, versichert der Hobbyfilmer. Mit seiner Kamera festgehalten hat er sogar Edelweiß. „Davon wächst unheimlich viel auf den Sommerweiden.“ In den Genuss von Stutenmilch kam Panning bei einem Kirgisen, der ihm seine große Familie – mit etlichen Kindern – vorstellte. „Er wollte mir Schnaps verkaufen“, berichtet er schmunzelnd. Andere Filmszenen zeigen einen Einheimischen, der einen abgerichteten Adler für die Kaninchen-Jagd einsetzt.

Findet in Kirgisien Verwendung als Brennstoff: getrockneter und gepresster Kuhdung in Brikett-Form.

Im heute zu China gehörenden Kashgar, der ursprünglichen Hauptstadt der Uiguren und Wiege islamischer Zivilisation in Zentral-asien, erlebte der Harpstedter einen Viehmarkt, der die einstige Bedeutung dieses legendären Handelszentrums an der Seidenstraße erahnen ließ. Tausende Händler versuchten dort, Abnehmer für Ziegen, Kühe, Schafe, Esel und Yaks zu finden. „Da tummelt sich ein buntes Gemisch aus Kirgisen, Kasachen, Uiguren und Angehörigen anderer Völker. Die Händler reisen von weither an. Die Verkäufe besiegeln sie per Handschlag“, schildert Panning. Mit Turfan bekam er eine Oasen-Stadt zu sehen, die 150 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. „Das ist der heißeste Ort in ganz China. Hier gehen die Temperaturen bis auf 45 Grad Celsius rauf.“ An der chinesisch-pakistanischen Grenze angekommen, reiste die kleine Gruppe zurück nach Kashgar. „Man hatte uns das empfohlen“, so Panning. „Wegen der Unruhen, die am Hindukusch in Pakistan herrschten.“

Wann der Filmbericht über die Seidenstraße fertig sein wird, weiß der Harpstedter noch nicht. Als besondere Herausforderung empfindet er stets die Unterlegung der Aufnahmen mit Kommentaren. Sollen die Szenen den Zuschauer berühren, dann müsse er die richtigen Worte finden, aber das, so gesteht Gert Panning ein, „fällt mir nicht gerade leicht“.

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