Bücherei besteht seit 90 Jahren (Teil 1) / Alles begann im Lehrmittelraum 

„Nonni und Manni“ in der Borromäus-Bücherstube

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In der Bücherei konnten Monika Gerdes, Michaele Endemann-Kubika (Leiterin), Renate Klär und Helga Hogeback (stellvertretende Leiterin, von links) gestern Ursula Fregin (sitzend) begrüßen. Sie gehört zu den treuesten Kunden. ·

Wildeshausen - Von Joachim DeckerSie gehört zur Kreisstadt wie das Salz zur Suppe – die Öffentliche Bücherei. Dass sie jedoch fast auf den Tag genau 90 Jahre alt ist, das wissen wohl die wenigsten Wildeshauser. Begonnen wurde sie als Borromäus-Bücherei. Nach Öffentliche Volks- und Jugendbücherei bekam sie ihren heutigen Namen. Der Standort hat jedoch mehrmals in diesen neun Jahrzehnten gewechselt – seit 1972 ist die Bücherei an der Burgstraße beheimatet.

„Durch Erzählungen und unsere Chronik bin ich über den Werdegang der Bücherei informiert“, sagt Michaele Endemann-Kubiak, die die Leitung der Bücherei am 1. Januar 1996 übernommen hat. Gestern konnte sie wieder eine der treuesten Kundinnen, Ursula Fregin (86), begrüßen. „Ich bin jeden Mittwoch hier, um mir Lesestoff zu holen“, sagt die Seniorin. Mittlerweile habe sie schon fast alle Autoren gelesen: „Momentan beschäftige ich mich mit Biografien, die immer wieder sehr interessant zu lesen sind.“

Wie nebenbei lässt sie verlauten, dass die Bindung zur Bücherei nicht von ungefähr komme: „Ich habe früher, als sie noch in der St.-Peter-Kirche untergebracht war, unter der Leitung von Maria Unkraut in der Bücherei gearbeitet. Sie war damals auch meine Lehrerin.“

Den Grundstein für die Bücherei legte seinerzeit jedoch Lehrerin Lina Gudenkauf, die im Jahr 1920 aus Grünemoor bei Vechta in die Wittekindstadt kam, um in der katholischen Volksschule die Mädchenoberklasse zu unterrichten. Untergebracht war die Schule, die 1920 von zweiklassig auf vierklassig umgebaut wurde, in der späteren Villa des Fabrikanten Dr. Hermann Iken. Anfang 1922 entschied sich Lina Gudenkauf, im Lehrmittelzimmer ein paar Bücherregale aufzustellen und eine Bücherstube, die Borromäus-Bücherei ins Leben zu rufen. Der Borromäusverein ist eine 1845 gegründete katholische Medieneinrichtung mit Sitz in Bonn und benannt nach dem italienischen Theologen Karl Borromäus.

Zu finden waren dort Kinder- und Jugendbücher sowie Romane. Besonders gern gelesen wurden die Bücher „Nonni und Manni“ und die Veröffentlichungen von Helene Pagés, zum Beispiel „Mutter Nanni und ihre Kinder“. Beliebt waren zudem die Bücher „Aus fernen Landen“. Jährlich wurde hier vor Weihnachten eine Buchausstellung auf die Bein gestellt, um Bücher für eine gute Hausbücherei zu empfehlen.

Im Jahr 1934 wurde Linda Gudenkauf von Wildeshausen nach Augustfehn versetzt. Ihre Nachfolgerin wurde Maria Unkraut, die auch die Bücherei übernahm. Während der Nazizeit und des Krieges wurde sie jedoch geschlossen. Die Lehrerin entschloss sich kurzerhand, die Bücher in einem Raum des katholischen Kindergartens an der Visbeker Straße unterzubringen.

Nach dem Krieg bezog die katholische Volksschule eine Baracke hinter dem Burgberg. Umgehend wurde dort in einem kleinen Raum auch wieder die Bücherei eröffnet. Als treue Helferin bei der Büchereiarbeit fungierte damals Lehrerin Elisabeth Schindler, die aus dem Osten vertrieben worden war. Auf Initiative von Vikar Paul Deters bekam die Bücherei im Jahr 1952 einen neuen Raum zugesprochen. Dieser befand sich unter dem Altarraum der umgebauten St.-Peter-Kirche.

Nachdem Elisabeth Schindler verstorben war, begann Maria Becker, Lehrerin an der Gehörlosenschule in Wildeshausen, als Mitarbeiterin in der Bücherei. Tatkräftige Helfer waren Ella Dierßen, Josefa Weitz, Ilse Schulz, Hugo Dierken und die Brüder Andrezjewski. Der Büchereiraum wurde damals auch als Gruppenraum von der Jugend und den Messdienern genutzt.

Als jedoch aus der Borromäus-Bücherei im Jahr 1955 eine Öffentliche Volks- und Jugendbücherei wurde, wurde die Unterbringung in einem kirchlichen Raum seitens der Behörde bemängelt. Somit stand ein erneuter Umzug an – zunächst in das Reutersche Haus an der Kaiserstraße 6 b und einige Jahre später in die kleine Fabrik von Dr. Iken. Als aber dieses Haus verkauft wurde, zog die Bücherei wieder zurück in den Raum unter der Kirche.

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