Bürgerinitiative thematisiert industrielle Geflügelhaltung / Mäßiges Echo auf informativen Abend

Niemann: Markt bricht 2011 ein

Eckehard Niemann (l.) unterstützt die BI Köhren-Harpstedt im Kampf gegen die industrialisierte Geflügelhaltung.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Industrielle Geflügelproduktion in großem Stil wie im Kreis Vechta darf nach Ansicht der Bürgerinitiative (BI) Köhren-Harpstedt in der Samtgemeinde nicht Realität werden. Bislang stärken den Aktivisten rund 250 Bürger den Rücken, die dieses Ansinnen mit ihrer Unterschrift unterstützen. Wo der Hebel zur Verhinderung von Massentierställen für Geflügel angesetzt werden könnte, erläuterte Eckehard Niemann , Landesverbands-Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), am Mittwoch im Hotel „Zur Wasserburg“. Die BI hatte ihn und weitere Referenten zu einem Info-Abend eingeladen. Mit 45 Zuhörern, darunter ein Großteil der Beckelner Ratsmitglieder, fiel das Interesse der Bürger mäßig aus.

Eines von Niemanns Anliegen ist es, den Landwirten, die Geflügelställe bauen wollen, aufzuzeigen, dass sie sich damit in eine ruinöse Abhängigkeit großer Konzerne begeben und angesichts stagnierender Nachfrage aufs falsche Pferd setzen. Der Referent prophezeihte ein baldiges Zusammenbrechen des Marktes. Bei den Masthähnchen werde die „Blase“, die sich aufgebaut habe, schon 2011 platzen.

Ein Ansatz, große Tierställe zu verhindern, seien die Emissionen. Fehlerhafte Beurteilungen in von Bauherrenseite in Auftrag gegebenen Geruchsgutachten, die häufig 08/15- oder gar „Gefälligkeitsgutachten“ seien, ließen sich oft leicht aufdecken – mit Hilfe einer „Plausibilitätsanalyse“, die nur etwa 500 Euro koste. Eine solche Investition könnten auch Bürgerinitiativen für gewöhnlich noch schultern. Sehr vereinfacht gesagt, so Niemann, lasse der Gesetzgeber zu, dass es „an 15 Prozent der Jahresstunden in einem Dorf stinkt“. Oft werde aber in Gutachten zu Stallvorhaben gar nicht oder nicht richtig geprüft, wie hoch die geruchliche Vorbelastung sei – oder auch Keimen und Feinstäuben nicht Rechnung getragen.

Zum Stolperstein für die Investoren könne ferner der Brandschutz werden. Der Tierhalter müsse in der Lage sein, seine Tiere innerhalb etwa einer halben Stunde zu evakuieren. Das sei bei Massengeflügelhaltung aber schwerlich möglich. Niemann erwähnte den Kreis Emsland, wo mittlerweile – nicht zuletzt dank des „mutigen Landrats“ Hermann Bröring jedes Genehmigungsverfahren so lange auf Eis liege, bis der Antragsteller auch ein Keim- und ein Brandschutzgutachten beigebracht habe. Die Landesregierung habe dies zunächst kritisiert, dann aber gutgeheißen.

Den „Königsweg“ zur Verhinderung von Geflügelindustrie sah Niemann in Auflagen hinsichtlich der Verkehrsanbindung der Tierställe. Fließe der produktionsbedingte Verkehr etwa über eine Gemeindestraße und verursache Schäden daran, so könne die Kommune den Verursacher zur Instandsetzung verpflichten. Für die beiden Bruteierställe der Sander GmbH & Co. KG mit zusammen knapp 40  000 Plätzen für Legehennen und Hähne, die nahe der Reithalle in Groß Köhren entstehen sollen, ist dieser Punkt bereits geklärt. Die Gemeinde Beckeln hatte ihr Einvernehmen zu den Ställen unter dem Vorbehalt erteilt, dass der Investor Instandhaltungspflichten für ein (nur etwa 80 Meter langes) Stück Weg übernimmt. Den Vertrag, der das regelt, hat der Bauherr mittlerweile unterzeichnet. Das Einvernehmen ist somit besiegelt. Die BI Köhren-Harpstedt versteht das Bauvorhaben aber nach den Worten ihres Vorsitzenden ohnehin nur als Auslöser, das Thema generell aufzugreifen und das Interesse der Bevölkerung dafür zu wecken. Sie will im Harpstedter Raum Auswüchse der Massentierhaltung verhindern, wie sie in den Kreisen Vechta und Cloppenburg eingetreten sind. Während des ersten Info-Abends der BI fuhren die Referenten Eckehard Niemann, Edith Kaminski (Tierschutzgruppe Wildeshausen), Waltraut Bergmann (BUND) und Rainer Dambroth (von den Bassumer Grünen) so ziemlich alles an Argumenten gegen die Massentierhaltung auf, die das Thema hergibt: von nicht artgerechter Tierhaltung und gesundheitsschädlichen Emissionen über Resistenzen gegen Antibiotika bis hin zu klimaschädlichen Auswirkungen. „Wir wollen versuchen, sachlich zu informieren. Nichts anderes. Dies ist der erste einer Vielzahl von Info-Abenden“, kündigte Niels Boldt an.

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