Rechte wollten Veranstaltung unter falschem Vorwand in Horstedt steigen lassen

Nazi-Propagandafete der „Brigade 8“ vereitelt

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenHORSTEDT · Unter falschem Vorwand hat die neofaschistische „Brigade 8 Crew Bremen“ versucht, die Horstedter Schützenhalle für eine Open House Party zu mieten – für eine für jedermann offene Fete, bei der die rechtsextreme Gruppierung offensichtlich ihr propagandistisches braunes Gift versprühen wollte. Die Polizei durchkreuzte das Vorhaben am Sonnabend. Sie zog Kräfte aus verschiedenen Dienststellen zusammen und kontrollierte mit einem Großaufgebot verschärft Fahrzeuge an den Zufahrtstraßen. Die Nazi-Fete kam nicht zustande.

Die Mitglieder der „Brigade 8“, die unlängst ein „Chapter“ in Bremen gründete, treten – wie Motorradgangs – in typischen Kutten und mit Abzeichen gemäß ihrem Rang in der internen Hierarchie auf. Sie lassen ähnliche Online-Vertriebsstrukturen erkennen wie die verbotene „Blood & Honour“-Bewegung. Der Verfassungsschutz hat diese geistigen Brandstifter und Antisemiten im Visier.

Die heimlich geplante Open House Party, die unter anderem offenbar ein Mitglied der rechtextremen Band „Strafmass“ mit organisierte, sollte in Bremen oder im Umland steigen. Das Vorhaben blieb aber nicht unbemerkt. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer schob der Fete gerade noch rechtzeitig einen Riegel vor und untersagte für das vergangene Wochenende die Durchführung im Stadtgebiet. Der Verfassungsschutz fürchtete massive Gesetzesverstöße, vor allem die Verbreitung von NS-Propaganda.

Daraufhin suchten die „Brigade 8“-Neonazis nach einer räumlichen Ausweichlösung. Fündig wurden sie in Horstedt (Gemeinde Prinzhöfte). Dem Vermieter der Schützenhalle (Schützenverein) gaukelten sie vor, dort eine private Geburtstagsparty steigen lassen zu wollen. Doch die Ermittler klebten ihnen bereits an den Fersen.

Aufklärungskräfte der Polizei stießen dann am Sonnabend um kurz nach 16 Uhr auf etwa ein Dutzend Rechtsextreme, die sich in der Schützenhalle schon eingerichtet und Vorkehrungen für die Open House Party getroffen hatten. Die Ermittler klärten den Vermieter über den wahren Hintergrund der Veranstaltung auf, woraufhin der das Mietverhältnis kurzerhand auflöste. Die Polizei sprach schließlich in Abstimmung mit der Samtgemeinde Harpstedt eine Verbotsverfügung gegen die Party und Ersatzveranstaltungen jeglicher Art für den gesamten Oldenburger Raum aus.

Warum sich die „Brigade 8“ Horstedt als etwaigen Ausweichschauplatz für die geplante neofaschistische Propaganda-Fete ausgesucht hatte, lässt sich nur vermuten. Augenfällig ist aber ihre enge Verwobenheit mit rechtsradikalen Rockbands wie „Strafmass“ oder „Endlöser“. Letztere hatte vor rund zehn Jahren rechtsradikale Konzerte in Kirchseelte gegeben, die von einer Gruppe um Herrn W. mitorganisiert worden waren, einem einschlägig vorbestraften Neonazi, der unter anderem als „Kameradschaftsführer“ der „Freien Nationalisten Weser-Ems“ immer wieder negativ in Erscheinung getreten war. Ob Gesinnungsgenossen aus W.s Dunstkreis auch diesmal ihre Finger im Spiel hatten, ließ ein Polizeisprecher auf Nachfrage der Wildeshauser Zeitung offen. Zu Namen werde er sich generell nicht äußern, sagte er.

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