Verunreinigtes Milchpulver

Frühchen stirbt an verunreinigter Milch: Ermittlungen gegen Klinikpersonal

Nach dem plötzlichen Tod eines Frühchen im Klinikum Oldenburg, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen das Personal.

Oldenburg – Nach dem plötzlichen Tod eines frühgeborenen Babys am Klinikum Oldenburg ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Klinikpersonal. Das Frühchen war wegen verunreinigter Milchpulvernahrung verstorben. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa sagte, werde untersucht, ob Hygienevorschriften verletzt worden seien.

Stadt in Niedersachsen:Oldenburg
Fläche:102,99 Quadratkilometer
Einwohner:169.605 (Stand: 31. Dezember 2020)
Vorwahl:0441
Oberbürgermeister:Jürgen Krogmann (SPD)

Wie der Sprecher weiter sagte, müsse jetzt geklärt werden, ob Fehler gemacht wurden. Details zu dem oder den beschuldigten Personen nannte er zunächst nicht. Zunächst hatte die Anklagebehörde wegen fahrlässiger Tötung noch gegen Unbekannt ermittelt.

Nach Tod von Frühchen an Klinikum Oldenburg: Umweltkeim Cronobacter bei drei weiteren Babys gefunden

Der frühgeborene Säugling war nach Klinik-Angaben am Montag, 7. Juni 2021, auf der Intensivstation im Oldenburger Klinikum gestorben. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Nahrung, die das Baby am 3. Juni – einen Tag nach seiner Geburt – zu sich nahm, mit einem Keim belastet war. Ein weiteres Frühchen, das wegen der verunreinigten Milch schwer erkrankte, hat sich inzwischen wieder erholt. Kliniksprecherin Sigrid Jürgensmann zufolge ist noch nicht absehbar, ob Folgeschäden bleiben.

Der Umweltkeim Cronobacter wurde zudem bei drei weiteren Babys nachgewiesen. Wie das Krankenhaus allerdings mitteilte, würden sich bei diesen Kindern keine Krankheitszeichen zeigen. Der Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Oldenburg, Prof. Axel Heep, erklärte dies damit, dass diese Babys zwei bis zweieinhalb Wochen älter waren. Ihm zufolge dauert es ungefähr zwei bis drei Wochen, bis die Darmflora eines neugeborenen Kindes eine gewisse Stabilität aufgebaut hat.

Nach Tod von Frühchen an Klinikum Oldenburg: Keim für Babys bis zum 12. Monat gefährlich

Wie das Krankenhaus mitteilte, kommt der gefundene Keim im Staub, auf dem Boden, im Ab- und Trinkwasser und auf Oberflächen vor. Für Babys bis zum 12. Monat könne er eine Gefahr bedeuten, für ältere Kinder und Erwachsene hingegen nicht. „Das ist kein multiresistenter Keim“, betonte Heep. Normalerweise sei ihm gut mit Antibiotika beizukommen.

Bislang ist noch unklar, wie die Milchpulvernahrung mit dem Keim verunreinigt werden konnte. Außer in dieser einen Milch-Probe habe man nichts gefunden, erklärte Heep. Da bei der Zubereitung von Nahrung in der Milchküche des Krankenhauses sogenannte Rückstellproben genommen und vorübergehend aufbewahrt werden müssen, konnte geklärt werden, welche Kinder belastete Nahrung erhielten.

Nach Tod von Frühchen an Klinikum Oldenburg: Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen nimmt weitere Abstriche

Wie Kliniksprecherin Jürgensmann am Mittwoch mitteilte, habe das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen weitere Abstriche in der Milchküche genommen, um weitere Proben zu untersuchen. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft äußerte sich das Krankenhaus zunächst nicht näher, sondern bestätigte lediglich den Sachverhalt.

Im Oldenburger Klinikum ist ein Frühchen durch verunreinigtes Milchpulver verstorben.

Die Frühgeborenen-Station des Krankenhauses ist Direktor Heep zufolge die größte in Niedersachsen. Pro Jahr werden demnach rund 120 Babys betreut, die mehr als acht Wochen zu früh auf die Welt gekommen sind. „Das ist auf Niedersachsen bezogen die größte Frühgeborenen-Einheit, die es gibt“, sagte er mit Blick auf die Zahl der Frühgeborenen. Von der Keimbelastung und den fatalen Folgen zeigte er sich erschüttert. „Wir sind alle tief betroffen und es tut uns natürlich auch leid.“ Das Krankenhaus sei mit den Eltern des gestorbenen Babys im Gespräch und versuche, sie zu unterstützen.

Nach Tod von Frühchen an Klinikum Oldenburg: Gesundheitsministerin Behrens hält Ermittlungen für richtig

Landesweite Auswirkungen hat der Fall in Oldenburg nach Angeben des Sprechers des Gesundheitsministeriums in Hannover, Oliver Grimm, nicht. Die Regeln für die Milchküchen in den Frühchenstationen seien sehr streng und es gebe hohe Hygienestandards. Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) halte es für richtig, dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zur Aufklärung des Falls gebe. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Der Text wurde am 23. Juni 2021 um 15:23 Uhr aktualisiert.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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