Bürger und Schüler gedachten des Holocausts  auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen

„Müssen stets wachsam sein“

Die Schüler trugen Texte vor.

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (dr) · „Es gibt viele Kommunen, die gedenken nicht am 27. Januar den Opfern des Holocausts. Deshalb geht mein Dank an die Stadt Wildeshausen, in der das anders ist“, sagte Bodo Riethmüller, Beauftragter des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, gestern auf dem jüdischen Friedhof an der Delmenhorster Straße.

Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sei ein wichtiger Meilenstein in der deutschen Geschichte, der für die Juden „ein besonderer Tag“ sei, so Riethmüller. „Es ist immer wieder die Erinnerung daran, dass Rassenhass und Völkermord nie wieder eine Chance haben sollen. Leider erleben wir genau das aber überall auf der Welt.“ Die Nationalsozialisten hätten in zwölf Jahren Konzentrationslager wie Stadien und Mega-Hotels gebaut. „Architekten haben Tore entworfen, die man nur einmal durchschritt. Auschwitz ist der größte Friedhof der Welt – aber ohne Grabsteine.“

Auf dem alten Friedhof von 1787 in Wildeshausen, auf dem zahlreiche Grabsteine stehen, hatten sich Schüler und einige Bürger versammelt, um gemeinsam an die Wildeshauser Juden zu erinnern. Die Schüler trugen einen Text vor, der fragte: „Warum soll ich mich erinnern?“ Sie stellten für jeden der Wildeshauser Juden, die im Nationalsozialismus umkamen, sowie für die auf dem Friedhof begrabenen Kriegsgefangenen eine Kerze auf.

Bevor Riethmüller und Bürgermeister Kian Shahidi einen Kranz vor dem Gedenkstein ablegten, mahnte der Vertreter der jüdischen Gemeinden, dass der 27. Januar immer ein Tag sein müsse, daran zu erinnern, „dass auch heute noch Menschen in Deutschland ausgegrenzt und verspottet werden, weil sie jüdischen Glaubens sind“. Die Zeitzeugen hätten ein Recht darauf, dass man sie anhöre. „Sie haben dafür gesorgt, dass der Holocaust nicht vergessen wird.“

Für die Zukunft hat Riethmüller deshalb die Sorge, dass mit dem Sterben der letzten Zeitzeugen auch das Gedächtnis an die Gräuel der Nationalsozialisten erlischt. „Wir müssen stets wachsam sein. Der Gedenktag ist die stete Aufforderung, das Tun unserer Politiker im Umgang mit Rechtsextremismus zu kontrollieren“, erklärte er. Was die Gedenkveranstaltung in Wildeshausen betrifft, hat Riethmüller wenige Befürchtungen. Gemeinsam mit den Schulen sollen Konzepte entwickelt werden, die neue Wege für die Durchführung aufzeigen. „Vielleicht werden wir die Gedenkveranstaltung in einem Saal beginnen und dann zum Friedhof gehen“, so Rietmüller.

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