Huder Chemiegroßhändler muss wegen wettbewerbswidriger Absprachen zwei Millionen Euro zahlen

Mitläufer im Kartell

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrHUDE · Bei der Büsing und Fasch GmbH (BÜFA) machte man nach der folgenschweren Entscheidung gar nicht erst den Versuch, irgendetwas zu dementieren. „Es stimmt: Wir waren an wettbewerbsbeschränkenden Absprachen beteiligt“, gab der Geschäftsführer des Chemiegroßhandels mit Sitz in Hude-Altmoorhausen, Werner zu Jeddeloh, gestern reumütig zu: „Das haben wir nie bestritten.“ Dazu wäre es allerdings auch zu spät gewesen.

Das Bundeskartellamt hatte zu diesem Zeitpunkt sein Urteil bereits gefällt: BÜFA und elf andere Händler aus der Branche müssen wegen wettbewerbswidriger Zusammenarbeit insgesamt 15,11 Millionen Euro zahlen. Vertreter der Unternehmen hatten für verschiedene Regionen teilweise über mehrere Jahrzehnte Preise und Lieferquoten für standardisierte Industriechemikalien (Commodities) abgesprochen und Kundenschutzvereinbarungen getroffen. „Der Chemiegroßhandel in Deutschland war bis zu unserer Durchsuchung im Jahre 2007 über Jahrzehnte von einem weit verzweigten Netz regionaler Kartelle geprägt“, macht der Präsident des Kartellamts, Andreas Mundt, die Dimension des Bündnisses klar.

Allerdings, stellte zu Jeddeloh eilig fest, habe man sich aus diesem schon längst ausgeklinkt. „Wir haben von Anfang an mit dem Bundeskartellamt kooperiert“, betonte der BÜFA-Chef: „Deshalb wurde im April 2007 auf eine Durchsuchung bei uns verzichtet.“ Das habe sich auch strafmildernd ausgewirkt, hieß es aus dem Kartellamt – aber auch so muss BÜFA noch tief in die Tasche greifen: Die Strafe beträgt etwa zwei Millionen Euro. Das Unternehmen hat bereits reagiert und eigene Verhaltensrichtlinien festgelegt, die jeder Mitarbeiter beachten muss, damit die Firma künftig rechtssicher handelt. „So ist das nun einmal“, meinte zu Jeddeloh lakonisch, „auch wenn es für bitter ist: Wer etwas falsch macht, muss dafür bestraft werden.“ Auf die Frage, ob ihm bewusst gewesen sei, dass das Geschäftsgebaren seines Unternehmens nicht in Ordnung gewesen war, antwortete er: „Ja, das wussten wir. Aber das waren Dinge, die mit der Zeit gewachsen sind und nicht von uns ausgingen, sondern von größeren Unternehmen.“ Dennoch: Zu Jeddeloh und das Unternehmen zeigten gestern durchaus glaubhaft ihr schlechtes Gewissen: „Wir wissen, dass das nicht in Ordnung war. Leider können wir es nicht mehr rückgängig machen.“ Was auch für die Strafe gilt: Gegen die Bußgelder kann zwar noch Einspruch eingelegt werden, doch alle bestraften Firmen haben bereits ihre Bereitschaft zur Verfahrensbeendigung erklärt.

Aufgeflogen war das „Joint Venture“ durch die Brenntag AG Ende 2006. Der Mülheimer Konzern war als Kronzeuge an das Bundeskartellamt herangetreten und ging dafür nun straffrei aus. Dass das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet auch ein Drahtzieher des Kartells gewesen sein soll, wollte das Bundeskartellamt gestern nicht bestätigen: „Da noch Ermittlungen gegen 16 weitere Betriebe laufen, können wir dazu nichts sagen“, meinte Pressesprecher Kay Weidner.

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