„Missbrauch ist an den Pranger zu stellen“

Unter den Augen der Wachkompanie der Wildeshauser Schützengilde wurde das Gogericht auf dem Desum in Emstek gehalten. ·
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Unter den Augen der Wachkompanie der Wildeshauser Schützengilde wurde das Gogericht auf dem Desum in Emstek gehalten. ·

Wildeshausen - Von Thomas Vorwerk. Der Gogerichtstag auf dem Desum in Emstek, zuständig auch für die Stadt Wildeshausen, ist dafür bekannt, dass es nicht immer allzu ernst zur Sache geht. Der aktuelle Fall, der dort am Wochenende verhandelt wurde, bietet seit geraumer Zeit Zündstoff für Politik, Kirche und Gesellschaft und beschäftigt auch die Medien.

Es ging um Werkverträge und darüber hinaus um die Unterbringung der Arbeiter, die vornehmlich aus Südosteuropa kommen, um hier Geld für ihre Familien in der Heimat zu verdienen. Clemens Olberding, Landesvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), klagte an und fand vor dem Gografen Heinrich Siefer und den Schöffen Gehör. Werkverträge seien nicht grundsätzlich zu verteufeln. In der Form, wie sie im Speziellen in der Fleischbranche zum Einsatz kommen, dienen sie aber immer mehr der Ausbeutung, so der Löninger. 30 000 Arbeiter in Niedersachsen arbeiten in der Fleischbranche, 90 Prozent von ihnen würden ausgebeutet, zitierte Olberding den niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) aus einem Medienbericht.

Ein weiteres und mittlerweile auch bekanntes Problem sei die Unterbringung der Arbeiter. Zwar werde kontrolliert, ob die maximal pro Zimmer vorgesehene Anzahl an Betten eingehalten werde, Olberding berichtete aber von Schilderungen der Arbeiter, dass diese Betten teilweise im „Schichtbetrieb“ von zwei oder gar drei Bewohnern genutzt würden. Seine Forderung an das Gogericht: Die Politik müsse sich für einen gesetzlichen Mindestlohn einsetzen, und der Einsatz von Leiharbeitern müsse minimiert werden. Das Anheuern von Werksvertragsarbeitern müsse begrenzt werden, und die Unterbringung sei stärker zu kontrollieren. Von den Unternehmen sei eine freiwillige Selbstverpflichtung einzufordern, in der sich die Firmen bekennen, die Würde der Beschäftigten zu achten. Eine Nichteinhaltung sei zu veröffentlichen und anzuprangern, schloss Olberding sein Statement.

Eine leichte Angelegenheit für den Umstand, der sich zur kurzen Beratung zurückzog. Urteilsweiser Franz Wessendorf sprach dann auch von einer schnellen und einstimmigen Entscheidung mit den Forderungen nach Mindestlohn, Minimierung des Einsatzes von Leiharbeitern, Begrenzung der Nutzung von Werkvertragsarbeitern und Kontrolle der Wohnungs-Standards. Die „Erarbeitung einer freiwilligen Selbstverpflichtung für Menschenwürde in der Arbeitswelt“ wurde ebenso eingefordert wie das Veröffentlichen im Fall der Nichteinhaltung der Mindeststandards. Gograf Heinrich Siefer hatte dem nichts hinzuzufügen und bestätigte mit seinem Urteil die Entscheidung.

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