Schülercampus erstmals in Oldenburg

Migranten sollen Lehrer sein

Oldenburg (cs) · Der Blick in deutsche Klassenzimmer gleicht dem in die Fußball-National-Elf. Müller spielt mit Khedira, Lahm und Özil unterstützen sich gegenseitig. Multikulturell wird Deutschland nicht nur im Sport, sondern auch beim Lernen. Fast jeder dritte Schüler ist nichtdeutscher Herkunft.

In manchen Großstadt-Schulen liegt der Anteil bei mehr als 60 Prozent. Ein ganz anderes Bild bei den Lehrenden: Nur ein Prozent der Pädagogen an den Schulen stammt aus Zuwanderfamilien, bei Lehramtsstudenten liegt der Anteil zwar bei rund zwei Prozent, spiegelt aber längst noch nicht die Durchschnittsbevölkerung wider. Abhilfe geschaffen werden soll mit dem Schülercampus „Mehr Migranten werden Lehrer“.

Der kommt vom 6. bis 9. November zum ersten Mal nach Niedersachsen – an der Universität Oldenburg soll 30 Schülern mit Migrationshintergrund die Möglichkeit gegeben werden, den Beruf kennen zu lernen. Erfolgreich laufe der Workshop seit 2008 bereits einmal pro Jahr in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern bieten den Schülercampus ebenfalls an, heißt es vom niedersächsischen Kultusministerium. Nun hat sich auch Niedersachsen an die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in Hamburg gewandt, die den Workshop initiiert hat.

„Weil es in Oldenburg eine breite Lehramtsausbildung gibt und wir Erfahrungen mit Migrations-Studiengängen und verschiedenen Projekten haben, gab es eine Anfrage an den Vizepräsidenten Mathias Wickleder“, erklärt dessen Mitarbeiterin Ursula Schnurpel von der Stabstelle für Studium und Lehre. „Wir finden das Projekt sehr gut – es geht weit über die allgemeinen Hochschul-Informationstage hinaus“, so Schnurpel. Zum viertägigen Programm gehöre nicht nur eine halbtägige Hospitation an einer Schule, sondern auch der Besuch von Vorlesungen sowie Infos zu Eignung, Motivation, Ansprüchen oder auch Gehalt. Denn teilweise müssten auch Vorbehalte aus dem Weg geräumt werden. „In manchen Herkunftsländern ist der Beruf des Lehrers nicht anerkannt, oder das Gehalt ist schlecht“, weiß die Uni-Mitarbeiterin. Gerade den Vorurteilen von Eltern solle entgegengewirkt werden – auch dadurch, dass diese zur großen Eröffnungsveranstaltung eingeladen werden.

„Ich denke, dass vom Schülercampus alle Seiten profitieren“, hofft Schnurpel – und meint damit nicht nur die Schüler, sondern auch die Kollegin der Lehrer mit Migrationshintergrund sowie das ganze Schulwesen. Begeistert seien auch die Institutionen gewesen, mit denen die Universität im Rahmen der Vorbereitungen Kontakt aufgenommen hat – wie Integrationsbeauftragten, Lehramts-Fachschaft oder Verantwortlichen an den Schulen. „Wir stoßen auf eine sehr gute Resonanz“, freut sie sich.

Wohl auch, weil der Schülercampus einen ernsthaften Charakter hat. Wer mitmachen möchte, der muss sich nicht nur mit einem Motivationsschreiben, sondern auch mit einer Empfehlung eines Lehrers bewerben. Der Mitgliedsbeitrag ist zwar relativ gering und kann auch erlassen werden, soll aber dazu beitragen, dass sich keine Schüler – die übrigens die elfte oder zwölfte Klasse besuchen müssen – einfach nur vier schulfreie Tage machen möchten. Und noch ein Ziel verfolgt die Uni: „Natürlich wäre es schön, würden Teilnehmer anschließend bei uns in Oldenburg studieren“, so Schnurpel. Die Chancen stehen nicht schlecht: Bereits jetzt haben 21 der 30 Teilnehmer des Düsseldorfer Schülercampus‘ vom vergangenen Jahr ein Lehramtsstudium aufgenommen.

Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse http://www.schuelercampus.uni-oldenburg.de.

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