Harpstedter Wassermühle wird 300 Jahre alt / Auf die Familien-Ära Meyer/Freese folgte 1962 Andreas Grohe

Mehrere Jahrhunderte drehte sich das Rad

+
Mitten durch Harpstedt, vorbei an der Wassermühle an der Amtsfreiheit führt die Landesstraße L 338. Das Foto stammt aus dem Jahr 1950.

Harpstedt - Von Martin SiemerMitten durch Harpstedt führt die Landesstraße L 338 – eine wichtige Straße, weil sie Wildeshausen und den Flecken mit der Hansestadt Bremen verbindet. Schon im 13. Jahrhundert hatte diese Straße große Bedeutung. In Harpstedt führte eine Brücke oder Furt über die Delme. Ob seinerzeit dort auch schon eine Mühle stand, ist nicht eindeutig belegt. Erstmals wird die Mühle im Jahr 1626 erwähnt. Damals, im Dreißigjährigen Krieg, blieb sie von Zerstörungen verschont.

In einem Lagerbuch aus dem Jahr 1716 ist zu lesen, dass Amtsmühle und Purrmühle in einer Pachtung kombiniert waren. Die Purrmühle lag südlich von Harpstedt an der Purre, einem Nebenfluss der Delme. Ihr Mühlenbetrieb wurde vermutlich 1712 eingestellt, als die Mühle in Harpstedt neu aufgebaut wurde.

1 375 Taler, zehn Mariengroschen und vier Pfennige kostete der Bau damals, den der Hannoveraner Hof-Maurermeister Joseph Crotogion errichtete. Nach dem Erbzinsbrief von 1781 war die Mühle „30 Fuß lang und 38 Fuß breit“. Vorhanden waren Mauerwerk, Mahlbett, Wasserkiste, Schüttbrücke, Landflügel und alles, was sonst noch zu einer Mühle dazugehört. „Sie hat zwei Mahlgänge“, steht es in dem Erbzinsbrief geschrieben.

1713 wurde dann auch die Mühlenbrücke auf Kosten der Churfürstlichen Kammer erbaut – das ist fast genau 300 Jahre her.

Als Pächter werden im Jahr 1780 Dietrich Heinrich Kastendiek und Christian Heinrich Sparkuhl genannt. Bei der Neuverpachtung erhielt der Müller Christian Meyer aus Reetzen, Amt Syke, den Zuschlag für die Pacht. Als Erbpachtzins musste er im April und Oktober eines jeden Jahres 476 Reichsthaler zahlen.

Nach dem Erbzinsbrief blieb damals eine Belastung von 2 509 Talern und 20 Mariengroschen als unablöslich auf dem Erbgut stehen.

Meyer hatte als Erbzinsmüller auch den Burggraben sauber zu halten. Die Fischerei auf diesem wurde ihm gesondert verpachtet. Dafür hatte er einen Teil des Fanges an den Fiskus abzuliefern.

Mit Christian Meyer begann die Mühlengeschichte der Familien Meyer und Freese in Harpstedt, die hier bis zum Jahr 1962 die Mühle betrieben und danach die Wassermühle mit Grundstück an Andreas Grohe aus Twistringen verkauften. Die Familie Grohe führt heute einen Hotel- und Restaurantbetrieb. Die alte Wassermühle bildete die Keimzelle des Ensembles. Das alte Wasserrad dient jedoch nur als Schmuckstück an der Außenmauer.

Dank einer umfangreichen Familienchronik lässt sich die Geschichte der Wassermühle seit Christian Meyer zurückverfolgen. Elisabeth Behnsen, geborene Freese, und Frida Tröltzsch, geborene Freese, haben diese aus vorhandenen Urkunden, Briefen und Aufzeichnungen zusammengetragen.

Nach dem Tode Christian Meyers trat dessen Sohn Heinrich Anton nicht die Nachfolge an. Er war gesundheitlich angeschlagen. Um die Mühle dennoch in der Familie zu halten, wurde 1807 beschlossen, sie dem Schwager Johann Friedrich Conrad Meyer aus Lilienthal zu übertragen. Er wurde der nächste Erbzinsmüller, bis er die Mühle 1829 an seinen Schwiegersohn Johann Dietrich Freese aus Hake übertrug. Freese heiratete Meyers Tochter Friederike und wurde der dritte Erbzinsmüller. Johann Dietrich und Friederike Freeses Sohn Heinrich August Friedrich Freese übernahm 1860 die Mühle und löste 1874 den Erbzins ab. Er wurde Eigentümer der Mühle. 1902 übernahm Adolf Freese, Heinrich August Friedrichs Sohn, die Mühle, die er 1943 an seine Tochter Frieda Helene Dorothea Freese übergab. Mit Frieda Freese endet die Familiengeschichte Meyer/Freese auf der Harpstedter Wassermühle.

1962 erwarb die Familie Grohe das alte Gebäude. Andreas Grohe hatte zuvor in Twistringen die Stadtschänke mit einem dazugehörigen Eiscafé betrieben. Nach der Übernahme der Wassermühle plante er den Bau eines gastronomischen Betriebes. 1972 war es endlich soweit: Auf dem Gelände am Ufer der Delme entstand der erste Bau des heutigen Gastronomiekomplexes. 80 Pfahlbohrungen für die Gründung des Fundamentes mussten in dem morastigen Boden niedergebracht werden. 1979 erweiterte Grohe seinen Betrieb. Der Bau wurde aufgestockt, 28 Hotelzimmer entstanden. Der alte Mühlentrakt wurde zur gemütlichen Gaststätte, dem Mühlenrestaurant, umgebaut.

Andreas Grohe starb 1989. Sein Sohn Karl-Heinz Grohe führte damals schon den Betrieb.

Bei der Sanierung der Landesstraße L 338 im Jahr 2010 wurde auch das alte Wasserrad versetzt. Wegen der Brückenbauarbeiten musste der alte Turbinenschacht verschwinden. Das Rad sitzt jetzt ohne Funktion direkt an der Außenmauer des alten Mühlengebäudes. Im vergangenen Jahr nahm Michael Grohe, der das Hotel in dritter Genration leitet, aufwendige Umbau- und Renovierungsarbeiten vor. Dabei wurden im Obergeschoss des Hauses Teile des ursprünglichen Mauerwerks freigelegt. So können Gäste auch heute noch ein Stück der ursprünglichen Wassermühle sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

"Bibersee" sogar auf Google Maps

"Bibersee" sogar auf Google Maps

Warum Blau dem Zeitgeist entspricht

Warum Blau dem Zeitgeist entspricht

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Wie werde ich Motorradtechniker/in?

Wie werde ich Motorradtechniker/in?

Meistgelesene Artikel

Neue Heimat für Hunde aus Skandal-Versuchslabor: Feedback überwältigt Tierschützer

Neue Heimat für Hunde aus Skandal-Versuchslabor: Feedback überwältigt Tierschützer

Sanierung und Ausbau der A 1 kommen voran: 250 Lkw-Plätze und neue Baustelle

Sanierung und Ausbau der A 1 kommen voran: 250 Lkw-Plätze und neue Baustelle

Nötigung im Straßenverkehr: Bauer zu saftiger Geldstrafe verurteilt

Nötigung im Straßenverkehr: Bauer zu saftiger Geldstrafe verurteilt

Eine neue Gruppe, die genau hinschauen will

Eine neue Gruppe, die genau hinschauen will

Kommentare