Gut 100 Besucher erlebten Musical-Revue mit Liedern zu Glaube, Liebe und Hoffnung

Mehr Gefühl ging nicht

Gemeinsam servierten die Studenten der European Musical Academy Bremen zum Ende des ersten Konzertteils das Lied „Leben“ aus „Träume“. Thomas Blaeschke (nicht im Bild) begleitete sie am Flügel.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Die glockenklaren und kraftvollen Stimmen trafen zielsicher jeden Ton: Mit imponierender Leidenschaft und Hingabe sangen Studenten der European Musical Academy Bremen am Sonntag in der Harpstedter Christuskirche Lieder aus Musicals, die thematisch, mitunter auch „zwischen den Zeilen“, um Glaube, Liebe und Hoffnung kreisten.

Nicht nur die hohe gesangliche Qualität verzückte das Publikum. Zusätzlich entpuppte sich Akademiedirektor Thomas Blaeschke als glänzender Unterhalter. Er begleitete die sechs Protagonisten einfühlsam am Flügel, schöpfte in ausgedehnten Anmoderationen aus seinem schier unerschöpflichen Hintergrundwissen und ließ immer wieder staubtrockenen Humor durchblitzen. „Oh, Angelika Milster kommt im April in die Christuskirche“, hatte Sara Dähn, eine der Sängerinnen, einem Plakat entnommen. Da seien die Erwartungen an ihren eigenen Vortrag von „Erinnerung“ aus „Cats“ ja besonders hoch, orakelte  sie,   und Blaeschke kommentierte dies knapp mit einem lakonischen „Ja“. Sara Dähns Ängste, sie sehe im Vergleich mit Musical-Star Milster womöglich nicht so gut aus, erwiesen sich als unbegründet. Mehr Gefühl als in ihrem Vortrag ging schlicht nicht.

Ein Teil der Mitwirkenden darf sich bereits zu den BMC‘lern, also den Mitgliedern der Bremer Musical Company, zählen. So auch Sara Dähn, die in Thomas Blaeschkes Eigenkreation „Träume“ die Yvonne spielt. Inhaltlich ähnelt das Stück dem Broadway-Klassiker „A Chorus Line“. Es geht um den Entstehungsprozess eines Musicals, unerbittliche Ellenbogenkämpfe, Liebe und Intrigen, Freundschaft und Neid, Pläne und jähe Abstürze. Aus „Träume“ bekam das Publikum gleich zwei Gänsehaut-Kostproben zu hören, zunächst das schwermütige „Schwarze Treppen“ und direkt im Anschluss das Trost spendende, von der gesamten Truppe dargebotene „Leben“.

Michael Jargstorf glänzte als einziger männlicher Gesangssolist unter anderem in „Dies ist die Stunde“ aus „Jekyll and Hyde“. „Ach, Sie waren das!“, flachste Thomas Blaeschke, als auf seine Frage an die Zuhörer, wer das Musical in Bremen gesehen habe, einige Hände in die Höhe schnellten. Zumeist bewiesen sich die stimmgewaltigen Akademiestudenten in Einzeldarbietungen. Das „Kyrie Eleison“ aus „Maria Stuart“, das Konzert-Intro, begann mit einem Solo, ehe sich nacheinander eine zweite und dritte Stimme hinzu gesellten.

Mit dem Schlager „Ich will keine Schokolade“, bekannt geworden durch Trude Herr, sorgte Sarah Kluge in keckem Outfit für einen heiteren Farbtupfer, ehe Mareike Hayen in „Blind vom Licht“ aus „Marie Antoinette“ wieder sehr emotionale Töne anschlug. „Wenn du dich um des Glückes und des Ruhmes willen selbst verkaufst, kannst du daran zugrunde gehen“, fasste Thomas Blaeschke die Aussage des schrillen Musicals „Der kleine Horrorladen“ um eine Fleisch fressende Pflanze, eine Romanze und einen Zahnarzt mit sadistischer Ader zusammen. Die darin von Audrey, der weiblichen Hauptfigur, zum Ausdruck gebrachte Sehnsucht nach einem Häuschen im Grünen, besang Nadine Bieber in einer Ballade. An anderer Stelle, bei „Gott deine Kinder“ aus „Der Glöckner von Notre Dame“, schlüpfte sie in die Rolle der Esmeralda. An „West Side Story“, „Tanz der Vampire“, „Mamma Mia“ oder „Mary Poppins“ kam das Ensemble nicht vorbei. Kleinode aus weniger bekannten Musicals wie „Nuncrackers“ oder „Swinging St. Pauli“ kamen aber nicht minder gut an.

Dass die Protagonisten – neben den genannten zählte Vanessa Weiß dazu – die Texte durchweg in den deutschen Übersetzungen sangen, erleichterte es den Zuhörern, theologische Anspielungen zu erkennen.

Alles in allem darf die evangelische Gemeinde das durchaus gewagte Experiment, eine Musical-Revue in einer Kirche zu präsentieren, als geglückt werten.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Existenzbedrohend für Hausbauer

Existenzbedrohend für Hausbauer

Existenzbedrohend für Hausbauer
Backshop soll und muss noch umziehen

Backshop soll und muss noch umziehen

Backshop soll und muss noch umziehen
Leitungen und Fachkräfte wegen Corona am Limit

Leitungen und Fachkräfte wegen Corona am Limit

Leitungen und Fachkräfte wegen Corona am Limit
Mittelfristiger Jobmotor? „Bloomify“ expandiert in Harpstedt

Mittelfristiger Jobmotor? „Bloomify“ expandiert in Harpstedt

Mittelfristiger Jobmotor? „Bloomify“ expandiert in Harpstedt

Kommentare