Die SPD-Abgeordneten Renate Geuter und Axel Brammer besuchten Familien- und Kinderservicebüro

Mehr Bedarf, weniger Zuschuss ?

Claudia Zuchgan, Gerti Essing (v.l.), Robert Wittkowski (3.v.r.) und Martin Ahlrichs (r.) informierten gestern Nachmittag Renate Geuter und Axel Brammer über das Familien- und Kinderservicebüro im Kreishaus.

Landkreis - (ck) · Um das Dreifache stieg seit 2005 die Zahl der kreisweit von Tagesmüttern und -vätern betreuten Kinder. Das liegt zweifellos auch am Start nach Maß, den das Familien- und Kinderservicebüro des Landkreises seit 2007 in der Qualifizierung jener „Tagespflegepersonen“, ihrer Fortbildung, der Kontaktvermittlung zu Eltern und vielen weiteren Leistungen hinlegte und erfolgreich fortsetzte. Doch trotz dieser Steigerungsraten kappt das Land laut aktuellem Etat-Entwurf die Zuschüsse fürs Programm „Familien mit Zukunft“ um 80 Prozent für die mehr als 40 Service-Büros in Niedersachsen. Grund genug zur Sorge der Kreisverwaltung – und zum Besuch der beiden SPD-Landtagsabgeordneten Renate Geuter und Axel Brammer.

Die beiden Oppositionellen wollen jetzt im Endspurt vor den Haushaltsberatungen bis Mitte Dezember „Druck auf das Sozialministerium ausüben“, wie es Renate Geuter nach dem Ortstermin am Nachmittag im Kreishaus formulierte. Das Schrumpfen der Summe von landesweit 20 Millionen Euro für vier Jahre bis Mitte 2011 auf vier Millionen Euro für den nächsten Förderzeitraum bezeichnete ihr Kollege Brammer als „klaren Verstoß gegen das Konnexitätsprinzip“: „Niedersachsen hat dieses Programm aufgelegt, lässt die Landkreise und kreisfreien Städte jetzt aber mit der Finanzierung von nur einem Bruchteil allein.“

Sozialdezernent Robert Wittkowski konnte zwar aus dem Eckpunktepapier noch immer nichts Genaues zum Verteilungsschlüssel berichten. Er verdeutlichte aber, dass der Aufwand aus der Kreiskasse schon jetzt allein für das Servicebüro 80 000 Euro umfasse. Die selbe Summe komme bisher aus Hannover. Was künftig fließe, stehe noch nicht fest – keine beruhigenden Aussichten für zwei der vier Kolleginnen im Büro, die lediglich über befristete Verträge verfügen. Gleichwohl stellte Zweiter Kreisrat Wittkowski bereits im jüngsten Sozialausschuss klar, „dass der Erhalt dieses Büros für uns alternativlos ist“. Denn der rechtliche Anspruch auf einen Betreuungsplatz für 35 Prozent aller unter dreijährigen Kinder ab 2013 zwinge den Landkreis förmlich, die Tagespflege weiter auszubauen.

Gravierendere Folgen hätte aber wohl der Zuschuss, den das Land für jedes von einer Tagesmutter betreute Kind zahlt. Dieser Satz variiere je nach Aufwand und Einkommen. „Für 2009 lag diese Erstattung bei insgesamt 100 000 Euro – und auch da wissen wir noch nicht, wie es weiter geht.“

Das Streichen hätte zweifellos ein Aufgeben vieler Tagesmütter zur Folge, vermutet Gerti Essing vom Servicebüro. „Und wir könnten einige Qualifizierungen und Beratungen von Neubürgern, die einen Pflegeplatz suchen, vielleicht nicht mehr anbieten“, fürchtet ihre Kollegin Claudia Zuchgan. Bisher sei die Fluktuation unter den 112 Tagespflegepersonen jedoch kaum spürbar.

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