Originelle Performance zu Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ leitet Haupt- und Realschulweihnachtsfeier ein

Mauerbau in der Kirche nachempfunden

Erst bauten Schüler die Mauer auf (großes Bild); dann rissen sie sie wieder ein. ·
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Erst bauten Schüler die Mauer auf (großes Bild); dann rissen sie sie wieder ein. ·

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Diese berühmte Lüge aus dem Munde des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht war gerade über die Leinwand geflimmert, da hüllten blaue Scheinwerfer die Harpstedter Christuskirche in fahles, kaltes Licht. Trocken-eisnebel schoss durchs Längsschiff. Schüler schleppten Kartons heran und bauten in einer Art Performance zu Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ symbolisch eine Mauer – mitten durch den Gang. Mit dieser Breitseite auf die Sinne begann gestern früh die Weihnachtsfeier der Haupt- und Realschule Harpstedt.

„Unsere Welt ohne Mauern“ – das gewählte Motto spielte natürlich auf die deutsch-deutsche Teilung und ihre Überwindung an. Doch darauf reduzierte die Schule das Thema nicht. Zur Sprache kamen ebenso die unsichtbaren Mauern, auch die in den Köpfen der Menschen, verursacht durch Mobbing, Rassismus oder religiösen Fanatismus. Pastorin Elke Thölke gelang es in ihrer Ansprache, einen Bezug zu Jesus herzustellen. Christus habe selbst Mauern überwunden, zuletzt sogar die zwischen Leben und Tod. Die zwischen Gott und den Menschen habe er hingegen aufgehoben. „Weihnachten, das heißt: Keine Mauern mehr!“, unterstrich die Geistliche.

Diese Devise machten sich die Schüler im weiteren Verlauf zu Eigen. Sie rissen in Anspielung auf die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze von 1989 den zuvor errichteten Wall, begleitet von dem Scorpions-Song „Winds of Change“, ein. Unter den „Steinen“ kamen symbolisch die Menschenrechte wieder zum Vorschein, die in der früheren DDR – in Zeiten der Unfreiheit – buchstäblich unter der Last der Mauer begraben lagen.

Rektor Wolfgang Bleyer begann seine Rede mit Dankesworten und hob dabei das Schülerradio besonders hervor, das seit nunmehr 25 Jahren besteht und auch diesmal wieder maßgeblich die Weihnachtsfeier mitgestaltete. „Ihr seid eine feste und verlässliche Größe im Schulleben.“

Sodann widmete sich Bleyer Bethlehem, der „Hauptstadt von Weihnachten“: Maria und Josef würden dort heute am Kontrollpunkt nicht durchgelassen, erfuhren die Zuhörer. Der Rektor erwähnte die nördlich der Stadt verlaufende israelische Sperranlage, die mit einer bis zu acht Meter hohen Mauer Bethlehem von Jerusalem und kleineren palästinensischen Dörfern trennt. Wo die „Wiege der Christenheit“ stand, haben die Christen längst einen schweren Stand – weil einerseits die Muslime dort heute die Bevölkerungsmehrheit stellen und weil andererseits die Israelis die christlichen Einwohner als Palästinenser betrachten.

„Wir müssen Mauern einreißen, überwinden. Wir dürfen keine neuen errichten“, mahnte Bleyer. Das setze voraus, den Anderen zu respektieren, zu tolerieren und neugierig auf ihn zu sein. Synagogen, Moscheen und christliche Kirchen müssten ganz selbstverständlich von Anhängern aller Religionen betreten werden können.

Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes räumte ein, Mauern ließen sich nicht so leicht einreißen, zumal sie oft mit Neid, Missgunst oder Eifersucht zu tun hätten, und schließlich sei doch jeder Mensch zumindest ein bisschen missgünstig, neidisch oder eifersüchtig. „Daran, sie abzubauen, müssen wir arbeiten“, betonte er. Die Weihnachtsfeier sagte Cordes voll zu, zumal die Schüler seinen Musikgeschmack trafen: „Ich bin jedes Mal begeistert, aber diesmal bin ich fast überwältigt.“

Entertainment kam nicht zu kurz. Videoclip- und Breakdance-AG lockerten das Programm mit rasanten Tanznummern auf. Carina Hülsemeyer, Rieke Lakewand und Pia Siegel verliehen der Original-Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium dadurch einen ganz besonderen Charme, dass sie die plattdeutsche Fassung vortrugen. Den Schüler und Hobby-Filmer Maik Logemann hatten die Geschehnisse von vor rund 2000 Jahren in Bethlehem indes zu einem witzigen Kurzfilm mit animierten Lego-Figuren inspiriert, der bei der Vorführung für Erheiterung sorgte.

Schülerinnen sangen Pop- und Weihnachtssongs. Gedichte wurden vortragen, darunter Loriots von morbidem Humor triefender Klassiker „Advent“. Musikalische Akzente setzten auch die Schülerband und die Holz- und Blechbläser der Schule.

In Interviews stellten sich Maren Lührsen und Joachim Hüneberg vor. Lührsen leistet als Nachfolgerin von Kerstin Bartling an der Schule im Rahmen des Hauptschulprofilierungsprogrammes des Landes Unterstützung in Berufsfindung und -orientierung. Die Wildeshauserin hat früher in der stationären Jugendhilfe in Zetel gearbeitet.

Hüneberg verstärkt als Lehrer das Kollegium, war Schulleiter in Ganderkesee, stammt aus Bremen und „mütterlicherseits aus Berlin“, wohnt aktuell in Großenkneten und pflegt eine besondere Leidenschaft: Er tanzt gern argentinischen Tango. Hüneberg zählt zu den Zeitzeugen, die persönliche Erinnerungen an den Bau der Berliner Mauer von 1961 haben: „Die Stadt war damals total irritiert über das, was passiert war und noch passieren konnte“, berichtete er. Heute, lange nach dem Mauerfall, versprühe Berlin hingegen ein ganz tolles Flair.

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