Eierveredeler Waden hat sich die Unbedenklichkeit verwendeten Kraftfutters bestätigen lassen

Lieferanten auf den Zahn gefühlt

Bunte Eier werden in manchen Regionen der Bundesrepublik nicht nur zu Ostern, sondern ganzjährig verzehrt. Die Produzenten müssen allerdings Umsatzeinbrüche fürchten. Der Dioxin-Skandal hat das Vertrauen der Verbraucher erschüttert.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenSIMMERHAUSEN · Der mittlerweile hohe Wellen schlagende Skandal um dioxinhaltige Eier hat den Simmerhauser Eierveredeler Waden bislang nicht in Form von Produktions- oder Handelsbeschränkungen getroffen. Das bestätigte gestern der geschäftsführende Gesellschafter Holger Runden auf Nachfrage der Kreiszeitung.

Eine Schlüsselrolle in der Affäre spielt die Firma Harles & Jentzsch aus Uetersen. Sie orderte Mischfettsäure bei einem holländischen Händler – dioxinbelastete Reste aus der Biodieselproduktion, nur für technische Zwecke geeignet. Harles & Jentzsch stellte daraus aber eine Fettmischung her, die sie als Grundstoff an Tierfutterhersteller verkaufte. 527 Tonnen davon sollen laut „Spiegel online“ an bundesweit zwölf Futtermittelbetriebe gegangen sein, darunter sieben in Niedersachsen. Über die tierische gelangte das Seveso-Gift Dioxin auch in menschliche Nahrung. Verfüttert worden war verseuchtes Futter an Hühner, Puten und Schweine.

Die Waden GmbH hat sofort reagiert. Sie ließ sich von ihren mehr als 20 Eier-Lieferanten – Hauptlieferant ist das Landgut Hennenberg – bestätigen, dass diese ausschließlich unbedenkliches Kraftfutter bezogen haben. Will heißen: Futter aus Werken, die sich ihrerseits kein Fett aus der „Fettschmelze“ von Harles & Jentzsch liefern ließen. Die eingeforderten Bestätigungen lägen allesamt vor, versicherte Holger Runden. Die Waden GmbH entnimmt regelmäßig Eiproben, um sie auf etwaige Keime, Pestizide und andere Giftstoffe vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück untersuchen zu lassen. Für gewöhnlich liegt das Ergebnis nach sieben bis 14 Tagen vor. Bislang seien „keine Auffälligkeiten“ festgestellt worden, so Runden. „Unsere Produkte werden zudem durch unsere Abnehmer in der Feinkostindustrie untersucht.“

Durchschnittlich 214 Eier verzehrt jeder Bundesbürger im Jahr. Die Waden GmbH produziert seit Herbst 2001 in Simmerhausen an der Kreisstraße 9 – in der Nähe der A1. Das Unternehmen zählt zu den führenden Herstellern für gekochte, geschälte und gefärbte Eier. Rund 350 Millionen Stück werden jährlich veredelt. Ein Teil landet in Form bunter Eier im Lebensmittelhandel; einen Teil verarbeitet die Feinkostindustrie weiter – etwa zu Salaten. Gastronomiebetriebe und Großküchen zählen ebenfalls zu den Abnehmern.

Die Verbraucher sind ob des Lebensmittelskandals bereits erheblich verunsichert. Ob auch der Waden-Umsatz nun als Folge davon einbricht, vermochte Holger Runden nicht abzuschätzen. „Da habe ich noch überhaupt keinen Überblick.“

Vorsorglich waren – wie berichtet – am Montag landesweit rund 1 000 Bauernhöfe im Interesse des Verbraucherschutzes gesperrt worden. „Wir legen erst mal alles still“, äußerte sich Gerd Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Die Sperrung werde wahrscheinlich mehrere Wochen anhalten, weil in den Lege-, Mast- und Zuchtbetrieben nun Proben zwecks Untersuchung auf Dioxinrückstände genommen werden müssten. Schon fürchten Höfe um ihre Existenz.

„Wir sind dabei, die Betriebe im Landkreis Oldenburg zu ermitteln, die womöglich Futtermittel mit verseuchtem Fett bezogen haben. Diesen Prozess haben wir aber noch nicht zum Ende geführt“, sagte Kreisveterinäramtsleiter Dr. Carsten Görner gestern auf Nachfrage. Mehr dazu auf der Landkreis-Oldenburg-Seite.

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