Nina George ließ viele Facetten ihres Bestsellers „Das Lavendelzimmer“ hören

Vom Liebesdrama zur Abenteuergeschichte

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Die Wildeshauser Buchhandlung „bökers am Markt“ präsentierte Nina Georges Lesung in der Musikschule.

Wildeshausen - Von Anja NosthoffFast am Weinen war die Bestsellerautorin Nina George während ihrer Lesung am Freitagabend in der Wildeshauser Musikschule, als sie ihren Protagonisten Jean Perdu einen 21 Jahre lang verschlossen aufgehobenen Brief öffnen ließ.

Dann wieder bebte sie wie der kuriose Buchhändler vor Zorn über Kunden, die Bücher mit „Kulturtapeten“ verwechselten. Nebenbei meisterte sie den texanischen Akzent eines gealterten Schriftstellers sowie die nervtötende Fröhlichkeit eines 22-jährigen Bestsellerautors aus ihrem Roman „Das Lavendelzimmer“ ebenso authentisch.

Eine Meisterin des Schreibens, aber auch des Lesens – das bewies die Journalistin und Schriftstellerin ihren Zuhörern während des kurzweiligen Abends. Gleichzeitig scheute sie sich nicht davor, auch einiges Persönliches preiszugeben: Dass zum Beispiel „Das Lavendelzimmer“ und insbesondere die Hauptperson Jean Perdu eine Hommage an ihren verstorbenen Vater ist. „Seine Tochter – das Kind – hat er damals mitgenommen“, sagte George. Ihr Buch jedoch handle auch davon, wie jemand nach dem Tod eines geliebten Menschen überleben und ins Leben zurückkehren könne.

Ein Buch also fast wie Medizin – genauso wie Jean Perdu es möglicherweise einem Kunden in seiner „literarischen Apotheke“ verschreiben würde. Die betreibt der Buchhändler nämlich im Pariser Seine-Hafen auf einem 25 Meter langen ausrangierten Lastkahn. Nicht nur tiefen Seelenschmerz vermag er mit dem richtigen Buch zu heilen, auch gegen „Zehenschüchternheit“ oder „Melancholie am Geburtstagsmorgen“ hat er etwas anzubieten. Nur seinen eigenen Kummer verdrängt er lieber, statt ihm ins Gesicht zu sehen.

Erst eine schöne, hilfsbedürftige Frau, die selbst Liebeskummer hat, bringt ihn dazu, den Brief seiner ehemals Geliebten zu öffnen. Noch immer hindert die alte Liebe den Buchhändler am Leben. 21 Jahre lang hob er ihren Brief in einer Tischschublade auf. Nicht nur die versuchte er mit weißer Farbe zu übermalen und dadurch verschwinden zu lassen. Nein, er vermauerte gleich das ganze „Lavendelzimmer“ mit einem Bücherregal, um ja nicht über Erinnerungen zu stolpern. Was er dann jedoch nach 21 Jahren durch den Brief seiner großen Liebe erfährt, könnte schlimmer nicht sein – es wird die „schlimmste Nacht seines Lebens“. Im Affekt, nach einem Zornesausbruch über arrogante Kunden, die Bücher nicht als „Menschwerdung und als Freiheit“ akzeptieren, kappt er schließlich die Taue seines Lastkahns und schippert auf der Seine gen Süden. Dass er dabei den jungen Bestsellerautor Max mit an Bord nimmt, ist ärgerlicher, ungewollter Zufall – und der Beginn einer turbulenten Abenteuerreise der zwei so unterschiedlichen Männer.

Ist es der heiße, kämpferische Tango, den Jean Perdu in einem Hafen mit einer jungen feurigen Dame tanzt, der ihn trotz seiner Trauer zurück ins Leben holt? Oder die nervtötende, aber nichtsdestotrotz ansteckende Fröhlichkeit seines jungen Mitreisenden? Oder die Naturerlebnisse auf dem Fluss, abseits vom lauten „Moloch“ Paris? Oder die Wiederentdeckung von Gefühlen wie Zorn oder Eifersucht? Es lässt sich nicht leugnen, das Leben geht weiter – der Fluss des Lebens fließt und Jean Perdu mit ihm. Wohin, das verriet Nina George während ihrer Lesung nicht. Vielleicht erfahren es diejenigen, die „Das Lavendelzimmer“ öffnen.

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