. . . als ein Schrecken ohne Ende: Filipov und Betriebsrat kommen nach zwölf Stunden auf einen Nenner

Lieber ein Ende mit Schrecken . . .

Die Atlas-Angestellten können dem Feuerkorb vor dem Werk in Ganderkesee wohl bald den Rücken zukehren.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrGANDERKESEE · Was genau in dem Hinterzimmer des Atlas-Maschinen-Werks in Ganderkesee in der Nacht zu gestern passiert ist – darüber herrscht nach wie vor Stillschweigen. Es sollen aber „die Fetzen geflogen sein“, wie einer der Arbeiter berichtete, der vor dem Werk Streikwache hielt: „Man hört, dass der Ton sehr rau gewesen ist.“

Das Ergebnis konnte sich dafür allerdings sehen lassen. Nach einem zwölfstündigen, erbitterten Verhandlungsmarathon haben sich Management und Gesamtbetriebsrat auf eine Vereinbarung geeinigt, die sowohl Firmenchef Filip Filipov als auch die IG Metall zufrieden und ein Ende des inzwischen 36 Tage währenden Streiks in Aussicht stellte. Resultat war eine kollektive Vereinbarung, die die bisherigen Arbeitsbedingungen nicht nur absichert, sondern auch ab dem 1. Mai eine Lohnerhöhung von 2,7 Prozent vorsieht. Vorhandene Tarifverträge gelten weiter, und auch neu Eingestellte erhalten in ihren Verträgen die selben Konditionen – eine Lösung, bei der alle Beteiligten ihr Gesicht wahrten. „Ein Tarifvertrag für alle ist es nicht“, bekennt Hartmut Tammen-Henke, Vorsitzender der IG Metall Oldenburg, „aber wir sind mit diesem Angebot sehr zufrieden.“ Holger Rigbers, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, erklärte: „Wir haben durch den Arbeitskampf viel erreicht.“ Unter anderem musste Filipov auch die Kündigungen zurücknehmen, die er während des Arbeitskampfes ausgesprochen hatte. Auch deshalb glaubt Tammen-Henke, dass bei der Urabstimmung der Belegschaft am Montag beschlossen wird, wieder an die Arbeit zu gehen: „Das ist in jedermanns Sinne.“

Den Eindruck vermittelten gestern nicht nur Filipov („Wir sind froh, dass bei uns wieder gearbeitet wird“) und seine Kollegen aus dem Atlas-Management, sondern auch die Streikenden. „Wir und unsere Familien waren in großer Sorge“, erzählt ein Angestellter, „ich konnte zum Schluss kaum noch schlafen.“ Dass die Nerven auf Seiten der Streikenden nach fünf Wochen blank lagen, mussten die Streikbrecher gestern einmal mehr erfahren, die wenige Stunden nach der Einigung mit einem höhnischen „Ihr könnt nach Hause fahren“ begrüßt wurden. „Die sitzen nächste Woche wieder auf der Straße“, meinte ein Angestellter und zuckt mit den Schultern.

Filipovs Nervenkostüm war in den vergangenen Tagen ebenfalls merklich strapaziert gewesen. Am Mittwoch hatte er sich darüber beschwert, „kriminalisiert“ worden zu sein, und die Gewerkschaft erneut hart angegriffen. Gestern verkündete er in Anspielung auf seine Äußerung, seine Frau solle ihn erschießen, falls er jemals einen Tarifvertrag unterschriebe, zynisch: „Nun muss sich meine Frau doch keine Waffe kaufen.“ Auch er war jedoch erleichtert über „eine Regelung, die Geschäftserfolg und Beschäftigung für Atlas sicherstellen. Aber es werden auf allen Seiten besondere Bemühungen notwendig sein, um den Rückstand aufzuholen.“

Bei aller Einigkeit: Einen kleinen Seitenhieb aus den Reihen der Gewerkschaft holte sich der Eigentümer gestern schließlich doch noch ab. Tammen-Henke stellte etwas schadenfroh fest: „Herr Filipov hat durch den Streik ganz sicher viel über Demokratie gelernt.“

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