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„Liebe für Alle, Hass für Keinen“

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Von: Annum Malik

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Trotz vieler kurzfristiger Absagen fanden viele verschiedene Gäste aus Politik und Gesellschaft zum Neujahrsempfang der Ahmadiyya den Weg in die Bait-ul-Qaadir-Moschee.
Trotz vieler kurzfristiger Absagen fanden viele verschiedene Gäste aus Politik und Gesellschaft zum Neujahrsempfang der Ahmadiyya den Weg in die Bait-ul-Qaadir-Moschee. © Malik

Neujahrsempfang der Ahmadiyya Muslim Gemeinde mit Gedenkminute für die Ukraine

Vechta - Die muslimische Ahmadiyya Gemeinde in Vechta legte am Freitagabend während ihres Neujahrsempfangs viel Wert auf Transparenz. Sie informierte ihre Gäste umfassend über Aktivitäten, Zusammenkünfte und Projekte des vergangenen Jahres.

Die Ahmadiyya zähle den Dienst an der Menschheit „zu ihrer DNA“, hieß es im Video des Jahresrückblicks, da es im Koran dazu heiße, die Rechte der Mitmenschen zu erfüllen und Bedürftigen zu helfen. Stellenweise müsse die Gemeinde Vandalismus gegen ihre Moscheen erdulden. Das Motto der Ahmadiyya laute dennoch uneingeschränkt: „Liebe für Alle, Hass für Keinen.“ Mit mehr als 500 interreligiösen Dialogen versuche die muslimische Gemeinde bundesweit auf die Bürger zuzugehen. Olaf Scholz, als damaliger Bürgermeister der Stadt Hamburg, hatte die Ahmadiyya in dem Video als eine muslimische Gemeinde, „die sich mit besonderer Weise für das Zusammenleben in unserer Stadt und den interreligiösen Dialog einsetzt und seit Langem als aktiver Träger und zuverlässiger Partner in der Integrationsarbeit gilt“ charakterisiert.

Die Ahmadiyya blickt auf eine Gründung vor 130 Jahren in Indien durch den Verheißenen Messias in Form eines Reformers des Islam zurück. Amtierendes, weltweites Oberhaupt ist dessen fünfter Nachfolger, Khalif Hazrat Mirza Masroor Ahmad. Dieser sieht sich als Botschafter des globalen Friedens.

Mit einem Rückblick auf lokale Aktivitäten setzte sich das Programm in der Bait-ul-Qaadir-Moschee fort. Die Vechtaer Gemeinde ist eine der knapp 300 Ableger dieser Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Die 180 Mitglieder kommen überwiegend aus Vechta, Visbek, Lutten, Diepholz, Cloppenburg und Lohne. Coronabedingt verfolgten 20 Familien via Livestream die Übertragung des Neujahrsempfangs.

Der Ukraine-Krieg fand allseitige Erwähnung

Das Programm begann mit dem islamischen Gruß „Assalamoaleikum -– Friede sei mit Ihnen“ sowie einem südoldenburgischen „herzlichen Moin“. Die Gemeinde legt nach eigenen Angaben Wert auf Integration. Auf Flyern wirbt sie mit dem Spruch „Wir alle sind Deutschland“. Die Definition von Frieden sei für die Ahmadiyya nicht, sich gegenseitig ertragend nebeneinander zu leben, so der Moderator Talha Ahmad Butt. Vielmehr wünschten sich die Muslime einen Frieden, bei dem „wir als Teile der Gesellschaft miteinander harmonieren und uns gegenseitig respektieren“, verkündete der Student.

Die Ukraine-Krise war an diesem Abend stets präsent. Gemeinsam mit Bernhard Schwarting, in Vertretung des Bürgermeisters, gedachten alle Anwesenden in einer stillen Minute den Opfern des Ukraine-Krieges. Diese Moschee zeige, dass Vechta zu einer Heimat für die Ahmadiyya geworden ist, sagte der Ehrengast, dessen Besuch hier nicht der erste war. Schwarting wünschte sich von Nachbarn und Bürgern, dass sie in Zukunft die Moschee der Gemeinde besuchen werden. „Integration und gegenseitige Akzeptanz lebt ihre Gemeinde vor“, lobte er. Andreas Aehlen, Mitglied des örtlichen SPD-Vorstands, war ein weiterer Ehrengast des Abends. Er verurteilte den Ukraine-Krieg und wünschte sich, dass die Welt dem friedlichen Motto der Ahmadiyya folgen könnte und es keine Kriege mehr gebe.

Stilles Gebet in der Bait-ul-Qaadir Moschee in Vechta.
Stilles Gebet in der Bait-ul-Qaadir Moschee in Vechta. © Malik

Die Bundestagsabgeordneten, Silvia Breher (CDU), Christina-Johanne Schröder (Bündnis90/Die Grünen) und die Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali, waren verhindert: Sie nahmen aufgrund der Ukraine-Krise an einer Sondersitzung in Berlin teil. Letztgenannte meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort. Sie sprach von ihrer Sorge über eine wachsende Islamophobie, Antisemitismus und Rassismus. „Wir sind viel lauter“ sagte die Politikerin mit Zuversicht für mehr Vielfalt in der deutschen Gesellschaft.

Der 28-jährige, in Deutschland ausgebildete Vechtaer Imam und Theologe, Saud Ahmad, gab den Gästen der Veranstaltung einen Überblick über lokale Aktivitäten der Ahmadiyya Gemeinde. Auch der Imam Syed Salman Shah, zuständig für die Region Niedersachsen, kam zu Wort und verlas eine Botschaft des weltweiten Oberhaupts der Ahmadiyya zur Ukraine-Krise: Die Staatsoberhäupter sollten rational handeln, um den Kindern eine Zukunft in Frieden und Wohlstand zu hinterlassen.

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