Feierstunde für die Entlassschüler der Haupt- und Realschule Harpstedt: 27 haben eine Lehrstelle bekommen

Letztmalig: „Kinder, jetzt gibt‘s Zeugnisse!“

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Besonders geehrt wurden die Entlassschüler und -schülerinnen mit den besten Zeugnisnotendurchschnitten in ihren Klassen – von links: Nils Daum (H 10), Nadine Schulenberg (H 9), Milena Leiner und Jasmin Corßen (beide R 10a) sowie Ben Kentrup (R 10b).

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenDas Abgangszeugnis steif in Verbindung mit einem Händedruck überreicht zu bekommen, ist nicht jedermanns Sache. Dafür zeigte Denise Wagner, Klassenlehrerin der R 10b, gestern während der Entlassfeier der Haupt- und Realschule Harpstedt in der Pausenhalle volles Verständnis. „Wer will, kommt kuscheln“, sagte sie zu ihren Schützlingen, die das Umarmungsangebot nur allzu gern annahmen. „Ich hab‘ euch alle ganz lieb gewonnen, und es war wirklich schön, euch kennengelernt zu haben. Ich bin mächtig stolz auf euch“, sagte die junge Lehrerin.

Nicht minder gut aufgelegt zeigte sich ihre Kollegin Daniela Stockhoff. „Zum letzten Mal heißt es heute in der bekannten Art: ,Kinder, jetzt gibt‘s Zeugnisse!‘“, flachste sie in Richtung ihrer R 10a. „Wir haben zusammen gelacht, gefeiert und gezickt“, blickte sie zurück. „Zwei Jahre haben wir Sie in den Wahnsinn getrieben“, merkte Caja Kristina Ludwiger an und ergänzte schmunzelnd: „Manchmal war‘s aber auch umgekehrt.“ Ruth Stöppelkamp, Klassenlehrerin der H9, vermisste in der Feierstunde ein Abschlusszeugnis, das sich bei der Zeugnisausgabe aber dann doch noch rechtzeitig wieder einfand.

Letztmalig richtete Wolfgang Bleyer als Rektor eine Rede an Schulabgänger, da er in einem Monat – wie auch Konrektorin Eva Heinke – aus dem Schuldienst ausscheidet. Für die über weite Strecken launige Ansprache, sogar mit einem Zitat aus einem Liedtext der „Ärzte“ gespickt, heimste er donnernden Beifall ein. 2011 habe er statt der geplanten 15 letztlich 29 Minuten lang gesprochen. Da frage er sich, ob er sich zum Ausgleich diesmal auf eine Minute beschränken sollte. Die Antwort gab er sich selbst: „Nein, das habt ihr nicht verdient! Euch muss man etwas länger beschreiben, wenn man euch erlebt hat.“ Bleyer bescheinigte den Abgängern, „besser als manch anderer Jahrgang“ gewesen zu sein, und erwähnte in diesem Zusammenhang die 63 Realschulabschlüsse (darunter 24 erweiterte) sowie – aus der neunten Klasse – 16 Hauptschul- und – aus den zehnten Klassen – sechs Sekundar I-Hauptschulabschlüsse. Sehr zufrieden zeigte er sich mit den Ergebnissen der Abschlussprüfungen: Im mündlichen Teil habe der Zensurenschnitt bei 2,4 gelegen. In den schriftlichen Arbeiten seien zum Teil hervorragende, teils aber auch durchwachsene Leistungen erzielt worden. Als „Spitzenreiter“ im positiven Sinn hob der Rektor die H9 hervor – mit Klassennotenschnitten von 2,6 in Mathe und 2,8 in Deutsch. Die Abgänger mit den jeweils besten Zeugnissen in ihren Klassen ehrte er gesondert: Je einen Büchergutschein erhielten Nadine Schulenberg aus der H 9 (Schnitt 2,0), Nils Daum aus der H 10 (1,5), Jasmin Corßen und Milena Leiner aus der R 10a (beide 1,7) und Ben Kentrup aus der R 10b (1,9).

„Die nächsten Entscheidungen müsst ihr nun selbst treffen mit euren Eltern. Ich hoffe, dass ihr ein Ziel im Auge habt und dieses zielstrebig verfolgen könnt. Das wird nicht immer gelingen. Ihr werdet möglicherweise auch Um- und Irrwege erleben. Wichtig aber ist: Geht euren Weg, und lebt euer Leben selbst!“, gab Bleyer den Entlassschülern mit auf den Weg. Ein bisschen Kritik gab‘s allerdings auch: Einige Schüler hätten zu deutlich gezeigt, „dass sie Schule als lästig empfinden“ und dass sie sich aber trotzdem sicher fühlten, „später zu Höherem aufzusteigen“.

Uwe Cordes: „Seid

nicht zu cool!“

Das hänge mit einer falschen Lebenseinstellung zusammen, mit der Gleichgültigkeit gegenüber der möglichen eigenen Leistung. „Viele sind zu schnell zufrieden“, bedauerte Bleyer.

Mit Freude erfüllte ihn indes, dass 27 Abgänger eine Lehrstelle bekommen haben (wenngleich dies viel mehr Schüler verdient hätten) und eine betriebliche Ausbildung beginnen. „Das ist ordentlich im Vergleich zu früheren Jahren und ein wichtiges Signal in einer Welt, in der man den Eindruck haben kann, das Schicksal und die Rettung von Banken wären wichtiger als die Gegenwart und Zukunft der Kinder auf dieser Welt.“

Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes hielt sich – wie auch Tanja Koutianidis im Namen des Schulelternrates – kurz. In Anbetracht der guten Abschlüsse müsse man wirklich sagen, dass Niveau die Schule verlasse. „Es ist gut, cool zu sein. Aber seid nicht zu cool, denn dann seid ihr kalt“, mahnte Cordes. Leben heiße auch, sich durch- und mit anderen auseinanderzusetzen. Angesichts der von den Abgängern gezeigten Leistungen war Cordes um die Zukunft der Jugendlichen nicht bange.

Drei Mädchen überreichten Wolfgang Bleyer und Eva Heinke je ein Album mit den Fotos der Abgangsklassen und den Unterschriften der Entlassschüler sowie je einen Präsentkorb. Eva Heinke habe den Schülern mit ihren „kreativen Vertretungsplänen viel Freizeit beschert“ und Bleyer immer ein offenes Ohr für Schüleranliegen gehabt.

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