LWK-Präsident zeigt sich über Jahresergebnis besorgt: „Kein Landwirt kann beruhigt in die Zukunft schauen“

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Musste sich kritischen Fragen stellen: Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Arendt Meyer zu Wehdel.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Die Sorgenfalten auf dem Gesicht vonArendt Meyer zu Wehdel waren nicht zu übersehen. Noch bevor die Pressekonferenz der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen gestern im Seminarraum der Oldenburger Weser-Ems-Halle überhaupt begonnen hatte, konnten aufmerksame Besucher schon erahnen, dass der LWK-Präsident vermutlich eine schlechte Nachricht zu verkünden hatte. Und der Verdacht trog nicht.

„Es bahnen sich ernste Probleme an“, sagte Meyer zu Wehdel bei der Vorstellung der Wirtschaftsergebnisse 2009/2010: „Die Ergebnisse lassen kaum zufriedene Gesichter erkennen.“ In der Tat sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Die niedersächsischen Haupterwerbsbetriebe mussten sich im abgelaufenen Wirtschaftsjahr mit einem Unternehmensergebnis von durchschnittlich 43 314 Euro pro Betrieb begnügen – zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. „Man muss bedenken, dass die Unternehmen dann noch private Steuern, Lebenshaltungskosten und noch einiges mehr davon bezahlen müssen. Da kann kein Landwirt beruhigt in die Zukunft schauen.“

Die Entwicklung, daraus macht Meyer zu Wehdel keinen Hehl, ist alarmierend. Im Vergleich zum mageren Vorjahr ging das Durchschnittseinkommen noch einmal um 2 000 Euro (3,9 Prozent) zurück und liegt sogar 3 500 Euro unter dem Fünfjahresschnitt. Vor allem für die Veredelungsindustrie kam es knüppeldick: Im Vergleich zum Vorjahr brach der Gewinn um fast 18 Prozent ein. Schuld, so Meyer zu Wehdel, sei das Auf und Ab der Schweinepreise. Im Durchschnitt stand am Ende eine Summe von 41 500 Euro. „Wir müssen aber davon ausgehen, dass über die Hälfte von weniger als 30 000 Euro im Jahr lebt.“ Anlass zur Hoffnung geben die Futterbaubetriebe, die von dem anziehenden Milchpreis profitieren – obwohl Niedersachsen preislich nach wie vor Schlusslicht ist. Mit einem Unternehmerergebnis von 45 300 ist eine Erholung in diesem Sektor zumindest in Sicht, was zum Teil auch für die Marktfruchtbetriebe gilt: „Die Dürre in Osteuropa hat die Getreidepreise steigen lassen“, erzählt Herbert Funk vom Fachbereich Betriebswirtschaft, „das ist im Verkauf natürlich positiv.“

LWK-Direktor Jürgen Otzen wies aber auf ein großes Problem hin, von dem sämtliche Betriebe betroffen sind. „In allen Einkommen sind die Agrarförderungen schon enthalten. Der Anteil des Gewinns, den die Betriebe am Markt erzielen, beträgt durchschnittlich klar unter 50 Prozent. Der Rest, etwa eine Milliarde Euro, sind Fördermittel.“

Was die Wettbewerbsfähigkeit der Agrarindustrie freilich extrem in Frage stellt. Viele kleine Betriebe würden auf Dauer aussterben, fürchtet Meyer zu Wehdel, aber: „Die Zeichen aus der Politik sind eindeutig: Der Landwirt soll sein Einkommen auf dem Markt erzielen.“ Das sei auch der einzige Weg, „aber das geht nicht mal eben in zwei Jahren. Dafür brauchen wir Zeit.“ Zeit, die die Gesellschaft der Landwirtschaft seiner Meinung nach geben will. „Die Akzeptanz der Agrarwirtschaft sinkt permanent“, klagt der LWK-Präsident: „Die Landwirtschaft wird teilweise komplett in Frage gestellt.“

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