Trockenheit: Kaum Kartoffelwachstum

Die langen Fritten sind in Gefahr

Manfred Wulf ist immer wieder unterwegs, um das Wachstum der Kartoffeln zu überprüfen.

Aldrup - Von Joachim Decker · Erzeuger und Verbände schlagen Alarm – die Kartoffelerträge sind in Gefahr, die lange Trockenheit hat das Wachstum der Erdäpfel praktisch zum Stillstand gebracht.

Angstmache oder Realität ? Wir haben mit dem Geschäftsführer des Aldruper Unternehmens Agrarfrost, Manfred Wulf, gesprochen, das bekanntlich auf qualitativ hochwertige Knollen aus der Erde angewiesen ist. Und Wulf bestätigt ganz klar diese Befürchtungen.

„Wir hatten 2006 das letzte schlechte Kartoffeljahr in Europa. Jetzt aber ist die Situation noch deutlich schlimmer“, sagt Wulf. Das liege daran, dass die Trockenheit wesentlich früher eingesetzt habe (2006 erst im August): „Es hat kaum Wachstum gegeben. Besonders betroffen sind die Kartoffeln, die spät gepflanzt wurden. Sie waren sofort der Trockenheit ausgesetzt.“

Der BOGK (Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie) spricht von deutlichen Preissteigerungen. „Die Frühkartoffelzeit in den kommenden Wochen wird von knapper Versorgung und hohen Preisen gekennzeichnet sein“, heißt es in einer Presseerklärung des Verbandes. Ins gleiche Horn stößt der Deutsche Bauernverband, der Ertragseinbußen von bis zu 30 Prozent prognostiziert. „Aussagen zur Qualität der Knollen und damit zum Anteil marktfähiger Ware sind schwierig. Dicke, etwa für die Herstellung von Pommes frites, dürften in diesem Jahr Mangelware werden“, sagt Verbandsvorsitzender Martin Umhau.

Die Aussagen beider Verbände kann Manfred Wulf nur bestätigen: „In der Tat wird es auf Grund dieser wetterbedingten Misere eine Preissteigerung geben.“ Schon jetzt könne davon ausgegangen werden, dass die Ernten in ganz Europa nicht ausreichen werden: „Dies betrifft insbesondere die guten Qualitäten und hohen Spezifikationen. Eben die großen Kartoffeln für die langen Pommes.“ Gerade in Zeiten knapper Ernten sei immer wieder festgestellt worden, dass weltweit die Nachfrage nach Kartoffel-Produkten deutlich höher gewesen sei als das Angebot: „Und das mit der Folge deutlich gestiegener Preise.“

Hinzu komme, dass nach neuesten Erkenntnissen der Kartoffelanbau in einigen Hauptanbaugebieten eingeschränkt worden sei. In Niedersachen gebe es zum Beispiel sechs Prozent weniger Fläche für Kartoffeln. „Wir ärgern uns daher nach wie vor, dass es weiterhin einen Boom im Biogas-Bereich gibt“, betont Wulf. Wertvollste Flächen, die sonst für die Nahrungsmittelproduktion verwendet wurden, stünden nun nicht mehr zur Verfügung: „Sie dienen dem subventionierten Maisanbau für die Energiegewinnung.“

Wie aber sieht es mit den Anbauflächen von Agrarfrost aus ? „Wir sind auf Grund unseres in Europa einzigartigen eigenen Anbausystems sowie des großen Anteils der Beregnung dieser Flächen noch in einer für uns befriedigenden Situation“, betont Wulf. Aber auch das könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein äußerst schlechtes Kartoffeljahr werde: „Selbst der Regen der vergangenen Tage war da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Das bestätigt auch Martin Umhau vom Bauernverband. Allerdings seien nach seiner Aussage die Frühkartoffeln, die jetzt gerodet würden und in hohem Maße unter Beregnung stünden, noch vergleichsweise glimpflich durchgekommen: „Einen finanziellen Ausgleich schafft hier der Preis, der über dem Niveau anderer Jahr liegt.“

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