Seeger kritisiert Genmais-Umbruch

Landwirte bleiben auf Kosten sitzen

Kreislandwirt Jürgen Seeger.

Landkreis - (ck) · Drei Landwirte im Landkreis Oldenburg mussten den gerade sprießenden Mais auf ihren Feldern „totspritzen“ und die vergilbten Pflanzen unterpflügen – denn auch sie hatten verunreinigtes Saatgut mit Körnern von genetisch veränderten Pflanzen geliefert bekommen. Obwohl sie für diesen Vorfall überhaupt keine Schuld trifft, bleiben sie auf den Kosten sitzen: Das Unternehmen „Pioneer“ verweigerte jeglichen Schadenersatz. Damit scheint der monatelange Rechtsstreit zwischen Landvolk-Verbänden und dem Lieferanten mit Ertragsausfällen und nicht erstattetem Aufwand für das Umpflügen und neue Ansäen zu unbefriedigend zu enden.

Jürgen Seeger als Vorsitzender des Kreislandvolkverbands im Landkreis Oldenburg kritisierte gestern auf Nachfrage jedoch weniger das Unternehmen als die harschen Verordnungen nach einer Vereinbarung der Bundesländer: „Es handelt sich um eine Verunreinigung von minimalstem Ausmaß und hätte pro Hektar drei genetisch veränderte Pflanzen bei 80 000 Körnern zur Folge haben können. Wenn man sich vor Augen hält, dass weltweit etwa 20 Prozent der Maisanbauflächen aus genetisch veränderten Beständen bestehen, kann ich die Null-Toleranz-Grenze bei uns nicht verstehen.“ Im Landkreis Oldenburg mussten die Betriebsleiter insgesamt etwa 45 Hektar vernichten. Das ist bitter, denn der Erlass dazu kam sehr spät. Der Mais, der jetzt Mitte Juni neu gelegt wurde, „wird nicht mehr rechtzeitig fertig“. Das bedeutet 800 bis 1 000 Euro Ertragseinbußen pro Hektar. Hinzu kommen noch 300 Euro je Hektar für die vergebliche Einsaat, Pflanzenschutzmittel, Arbeitslohn und Kraftstoff der Traktoren. Immerhin habe die Firma die Kosten für das Saatgut in Höhe von etwa 110 Euro pro Hektar den betroffenen Bauern ersetzt.

Dem Unternehmen selbst macht der Kreislandwirt keine Vorwürfe: „Den dortigen Angaben zufolge waren die Untersuchungen im Hause einwandfrei, aber die amtlichen Analysen wiesen Verunreinigungen auf. Das war aber schon Ende April. Dann haben die Verantwortlichen im staatlichen Gewerbeaufsichtsamt geschlampt und die Konsequenzen zu spät gezogen. Bei einer erneuten Einsaat im Mai hätten wir im Herbst auf diesen Feldern noch Mais bekommen, der sich in der Masse und Qualität kaum von dem ursprünglich ausgebrachten unterscheidet.“

Auch mit dem ersten Vorschlag von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen wäre Jürgen Seeger noch einverstanden gewesen. Sie hatte angeregt, die jungen Maispflanzen vorab zu ernten und sie in Biogasanlagen zu vernichten. „Die meisten Erntemengen der betroffenen Betriebe wären dort wahrscheinlich sowieso gelandet.“

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