Ministerin Özkan sprach in Harpstedt über Schuldnerberatung und Schuldenprävention

Land hat bei freiwilliger Leistung nicht gekürzt

Harpstedt - HARPSTEDT (boh) · 570 000 Euro lässt sich das Land Niedersachsen jährlich die Förderung der landesweit über 200 Schuldnerberatungsstellen kosten. Nicht eben viel.

Aber „gut investiertes Geld“, urteilte Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) gestern während eines mäßig gut besuchten Vortrags in der Christuskirche, musikalisch umrahmt vom Harpstedter Gospelchor. Und, so betonte sie, die Landesregierung habe bei dieser freiwilligen Leistung trotz angespannter Haushaltslage nicht gekürzt. Allerdings auch nicht aufgestockt.

Mit der Schilderung eines persönlichen Erlebnisses läutete die türkischstämmige Spitzenpolitikerin ihr Referat zu Schuldnerberatung und Schuldenprävention als Elemente der Landessozialpolitik ein: Vor Weihnachten habe sie eine E-Mail erreicht – von einer Mutter mit einem neunjährigen Sohn. Beide hätten buchstäblich bei Kerzenschein gesessen, weil der Energieversorger ihnen den Strom abgestellt habe. Die Ministerin wollte deutlich machen, dass, obwohl 59 Prozent der Bundesbürger sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken, es eben auch viele Haushalte gebe, die etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheit in die Schuldenfalle geraten sind, was nicht selten soziale Ausgrenzung nach sich zieht. Könnten sich die Betroffenen nicht selbst aus der Misere befreien, müsse der Staat helfen, um ihnen ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen.

Özkan lobte Einrichtungen wie den Förderkreis „Soziale Schuldnerberatung“ der Kirchenkreise Syke-Hoya und Grafschaft Diepholz, dem die Kollekte der Vortragsveranstaltung zugute kam. „Seit fast sechs Jahren sind Sie in der Netzwerkarbeit aktiv. Sie setzen sich mit großem Engagement dafür ein, dass die Schuldenproblematik gar nicht erst entsteht.“ Die Ministerin streifte Bemühungen der kirchlichen Schuldnerberater, Schüler fit für den Umgang mit Geld zu machen.

Auch die Landesregierung sehe in Kindern und Jugendlichen die „erste Zielgruppe“ für vorbeugende Arbeit. Für Präventionsprojekte stelle sie rund 266 000 Euro jährlich zur Verfügung. Özkan brachte ihr Erschrecken darüber zum Ausdruck, dass Jugendliche zum Teil nicht einmal wissen, was ein Girokonto oder ein Kredit ist. Anderseits erfolge Teilhabe bei ihnen über „materielle Möglichkeiten“, über Markenklamotten, Statussymbole und neue Medien. Nahezu alle Zwölf- bis 19-Jährigen hätten heute mindestens ein Mobiltelefon, einen PC mit Internetzugang und einen Fernseher. Die neuen Medien „aber bergen auch die Gefahr falschen Konsumverhaltens ins sich“; Kosten für Handy, Klingeltöne und Internet führten häufig noch „vor der eigenen Erwerbstätigkeit“ in die Verschuldung. „Die Eltern sind dann hilflos, weil der Zug abgefahren ist und sie selbst nur noch die Rechnung begleichen können.“

Die Ministerin erwähnte die von der Landesregierung unterstützte Aufklärungs- und Öffentlichkeitskampagne „Handy: Lieb und teuer“, die nicht nur Jugendliche umfassend informieren will, sondern sie zusätzlich als Multiplikatoren in die Präventionsarbeit einbindet und obendrein Medienkompetenzen der Eltern stärkt. Özkan unterstrich die Notwendigkeit, Kindern ein Gegenbild zur Werbung zu vermitteln und ihnen aufzuzeigen, dass nicht die Art ihrer Kleidung wichtig sei, sondern ihre Persönlichkeit und ihr Charakter.

„Eltern sind leider bequem und werden immer schwächer durch Fernseh- und Internet-Konsum“, bedauerte Anne Wilke aus Harpstedt in einer Fragestunde mit zum Teil sehr kritischen Anmerkungen (bis hin zu den Hartz IV-Regelsätzen). „Wir müssen trotzdem an ihre Verantwortung appellieren“, erwiderte die Ministerin. Und an anderer Stelle bemerkte sie: „Tun wir nichts, brauchen wir uns später nicht zu wundern, wenn wir reparieren müssen.“ Die eingangs erwähnte Geschichte vom abgeschalteten Strom fand übrigens laut Ministerin ein Happy End: „Wir konnten der Mutter helfen, so dass sie mit ihrem Sohn doch noch ein schönes Weihnachtsfest genoss.“

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