Wie sich der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln auf den Klimawandel auswirkt / Vortrag im Rathaus Ganderkesee

Wie sich der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln auf den Klimawandel auswirkt

Dr. Markus Keller (2.v.l.) referierte vor rund 130 Zuhörern im Ganderkeseer Rathaus . Prof. Dr. Jürgen Warrelmann (Zentrum für Umweltforschung), Karin Becker und Hartmut Lammert (beide Aktionsbündnis „ Prima Klima“, von links) hatten den Abend organisiert. ·

Landkreis - Von Jan Schmidt. Würden die Bürger der Gemeinde Ganderkesee nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten, so entspräche die Treibhausgas-Einsparung den jährlichen Emissionen von 14 000 Kühlschränken. Oder den Emissionen von 350 Flügen in die Karibik. Oder den Emissionen von 200 Mittelklassewagen pro Jahr.

Welch immense Auswirkungen der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln auf unser Klima hat, zeigte am Montagabend ein Vortrag des Ernährungswissenschaftlers Dr. Markus Keller im Ganderkeseer Rathaus.

Ein durchschnittlicher Deutscher verursache pro Jahr etwa zwölf Tonnen Kohlendioxid (CO2), erläuterte der Experte. Diese Treibhausgase schadeten dem Klima und förderten die Erderwärmung. Extremwetterlagen wie Stürme, Dürren und Überschwemmungen seien die Folge. „Dem entgegenzuwirken, ist eine große Herausforderung“, stellte Keller schon zu Beginn seiner Ausführungen klar.

Maximal vertrage die Erde einen CO2-Ausstoß von 1,5 Tonnen pro Kopf. „Wenn wir aber nur noch essen würden – ganz ohne Verkehr, Industrie oder ähnliches – betrüge der CO2-Ausstoß momentan noch immer rund zwei Tonnen pro Einwohner.“ Durch eine Umstellung der Essgewohnheiten ließen sich die zwei Prozent enorm reduzieren. Die Art und Weise der Ernährung spiele beim Thema Klimaschutz eine wichtige Rolle, betonte der Experte. Doch was hat unser Essen mit dem Klima zu tun?

„Drittgrößter Verursacher der Klimagase ist die Landwirtschaft. Allen voran die Tierhaltung“, so Keller. Sie verursache etwa 18 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen – mehr als der Verkehrssektor. „Viele Leute halten den Transport der Lebensmittel für besonders klimaschädlich. Ins Gewicht schlägt aber vor allem die Erzeugung.“ Aus mehreren Gründen. So entstünden bei der Viehhaltung Veredelungsverluste. „Die Tiere brauchen Futter. Kraftfutter. Und dessen Anbau setzt Emissionen frei. Man muss etwa zehn Kilogramm Eiweiß in ein Tier hineinpumpen, um schließlich ein Kilogramm wieder herauszubekommen.“ Schuld daran sei der Stoffwechsel. Weiterhin würde durch die Herstellung von Düngemitteln sowie durch die Produktion und den Transport von Futterpflanzen jede Menge CO2 ausgestoßen. Gelagerter Dung setze Methan (Lachgas) frei. Auch die Regenwälder der Welt seien ein wichtiger Klimafaktor. Seit Jahrzehnten würden sie systematisch abgeholzt für Rinderherden und Futtermittel. „Jeder sollte außerdem wissen, dass für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch rund 15 000 Liter Wasser benötigt werden“, unterstrich Keller. Man könne mit dieser Wassermenge ein ganzes Jahr lang jeden Tag einmal duschen. Sein Tipp für alle Verbraucher laute deshalb: Mehr pflanzliche, weniger tierische Lebensmittel. Dabei müsse man übrigens auch Nebenprodukte wie Käse oder Milch mit einbeziehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehle für die Ernährung einen pflanzlichen Lebensmittelanteil von 75 Prozent. „Ein Mensch sollte höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche essen. In Deutschland kommt ein Durchschnittsbürger aber auf rund ein Kilogramm pro Woche“, sagte Keller.

Der Vortrag im Rathaus stieß auf erstaunlich großes Interesse. Etwa 130 Menschen lauschten den Ausführungen des Ernährungswissenschaftlers. Am Ende blieb noch genügend Zeit für Fragen. So wollte ein Zuhörer zum Beispiel wissen, warum Rinder so übermäßig viele Futtermittel benötigen: „Kühe fressen doch hauptsächlich Gras. Und das ist doch sowieso schon da“, meinte er. Keller erläuterte, dass die Nachfrage nach Fleisch die Möglichkeiten der natürlichen Produktion bei weitem überschreite. „Wenn man alle Rinder artgerecht auf einer Weide halten würde, könnte man gar nicht so viel Fleisch produzieren und dementsprechend auch nicht so viel essen.“ Fakt sei jedoch, dass viele Tiere ausschließlich in Ställen gehalten und dementsprechend mit Kraftfutter wie Mais und Soja gemästet würden.

In diesem Zusammenhang lobte Keller die Öko-Landwirtschaft. Mittlerweile seien auch viele ökologisch angebaute Lebensmittel entsprechend gekennzeichnet. „Die Kontrollen in der Öko-Landwirtschaft sind streng. Sie können davon ausgehen: wo Bio draufsteht, ist in der Regel auch Bio drin“, versicherte Keller den Zuhörern. In der ökologischen Landwirtschaft würde auf mineralischen Stickstoffdung verzichtet. Außerdem sei eine artgerechte Haltung von Tieren garantiert.

Unter den zahlreichen Zuhörern befand sich auch eine 10. Schulklasse des Gymnasiums Ganderkesee. Lehrerin Michelle Maas hatte den Erdkundeunterricht spontan auf den Abend verlegt. „Den Hinweis auf den Vortrag hab ich von einem meiner Schüler bekommen“, sagte sie. „Ich freue mich, wenn die Jungen und Mädchen für dieses Thema Interesse zeigen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Meistgelesene Artikel

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Kommentare