Die Unfälle an Bahnübergängen im Kreis Vechta häufen sich – doch die Bürokratie arbeitet langsam

Kostenfrage Sicherheit?

Potienzielles Risiko? Die Debatte um Gefahr an Bahnübergängen ist neu entfacht.

Oldenburg - VISBEK (dn) · Dass Berürungspunkte zwischen Autos und Zügen bisweilen böse Folgen haben können, ist für den regelmäßigen Verkehrsteilnehmer keine besonders originelle Erkenntnis. Die Diskussion über Schranken an Bahnübergängen ist ebenfalls nicht neu, doch die Häufung von fatalen Unfällen im Landkreis Vechta in den vergangenen Wochen haben die Debatte um die Sicherheit gerade an unbeschrankten Übergängen auf eine neue Ebene gehoben. Die Grundsatzfrage: Wie gefährlich ist ein Bahnübergang tatsächlich?

Der Standpunkt des Landkreises ist eindeutig. „Die Gefahr ist doch offensichtlich“, ärgert sich ein Sprecher der Pressestelle, „oft genug war es Glück, dass nichts passiert ist“. Die Deutsche Bahn sieht das naturgemäß etwas anders. „Jeder Bahnübergang“, sagt DB-Pressesprecherin Sabine Brunkhorst, „ist besser gesichert als zum Beispiel eine Kreuzung. Bahnübergänge sind an sich nicht gefährlich.“

Brunkhorsts Worte dürften den Angehörigen der Unfallopfer nicht gefallen. Ende vergangener Woche erst starb eine 76-Jährige in Bonrechtern, eine Woche vorher kam eine Frau in Vechta gerade noch mit dem Leben davon. Wiederum nur drei Wochen zuvor wurde ein 24-Jähriger in Rechterfeld schwer verletzt. Dort, wie in den meisten Fällen, war die Ursache menschliches Versagen. „An einem Andreaskreuz muss man halten“, sagt Brunkhorst, die Regeln sind klar“. Doch auch wenn fast alle Bahnunfälle auf Unachtsamkeit des Autofahrers zurückgeführt werden können: Der Landkreis Vechta würde das potenzielle Risiko liebend gern eliminieren. „Wir brauchen einfach an mehr Bahnübergängen Schranken“, fordert der Kreis-Sprecher, „aber das ist der Bahn zu teuer“. Die Rechnung sei einfach: Eine Schrankenanlage kostet in Anschaffung 500 000 Euro, ein Andreaskreuz oder eine Lichtanlage nicht einmal ein Zehntel davon. Ist der Bahn die Beseitigung der Gefahrenquelle zu teuer? „Natürlich muss man immer die Kosten sehen“, bekennt Brunkhorst, „es wird von Fall zu Fall entschieden. Aber ganz ehrlich: Wenn auf einer Straße ein Unfall passiert, wird die auch nicht gleich geschlossen.“ Außerdem könne die Bahn allein nichts entscheiden. „Da sitzen noch zwei andere mit im Boot“, erzählt Brunkhorst, und spielt den Ball der Gemeinde Visbek zu. „In der Regel geht von dort die Initiative aus.“

Und genau das, sagt Visbeks Sprecher Alfred Kuhlmann, sei doch bereits geschehen. „Wir verlangen nicht viel. Wir wollen nur eine neue Lichtanlage mit Halbschranke für den Übergang in Rechterfeld und haben das schon vor Jahren beantragt, aber bis jetzt ist nichts passiert. Die Bahn schiebt das vor sich her.“

In der Tat klingt die Stellungnahme von Sabine Brunkhorst nicht unbedingt eilig. „Dieser Übergang zum Beispiel ist nicht besonders auffällig“, sagt die DB-Sprecherin, „uns ist der Antrag bekannt, aber die Bearbeitung dauert eben etwas“. Das liege daran, dass außer Bahn und Gemeinde auch der Bund seine Zustimmung geben muss. „Es ist schade“, so Brunkhorst, „aber die Bürokratie ist nun einmal so. Ich kann definitiv sagen, dass es bis zum Bau noch Jahre dauern wird.“

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