Mühlenverein ermöglicht Drittklässlern Besuch im Galerie-Holländer von Helmut Nienaber / Getreide selbst gedroschen

Weg vom Korn zum Mehl nachvollzogen

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Müller Helmut Nienaber erklärt der 3b mit Lehrerin Ina Behnken den Mahlvorgang. Interesse weckt ein großer Ersatz-Mahlstein.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Jeder Mahlstein wiegt fast soviel wie zwei Kleinwagen. Der untere bewegt sich nicht; der obere ist der Läuferstein“, klärt Müller Helmut Nienaber die Klasse 3b von Lehrerin Ina Behnken auf.

Unter Anleitung von Hans Jacobs (r.) mahlen die Kinder Weizen mit einer Handmühle.

Eine „Schnecke“ befördere das zu Schrot gemahlene Getreide in die Säcke, verrät er. Ein Kind stutzt: „Eine lebendige?“ Nienaber schmunzelt. Er merkt: Die Worte wollen gut gewählt sein, um Technik kindgerecht zu erklären. Zwei dritte Harpstedter Grundschulklassen haben seinen restaurierten Galerie-Holländer gestern besucht; zwei weitere folgen heute. Den Kindern den Weg vom Korn zum Mehl mit Erlebniswert zu vermittelt, ist das Anliegen des Harpstedter Mühlenvereins, der die beiden – federführend von Mitglied und Lehrer Hinnerk Halling organisierten – Mühlentage möglich macht.

Neben Helmut Nienaber steht ein weiterer Fachmann den Schülern Rede und Antwort: Hans Jacobs aus Stuhr hat einst in Tengshausen in der Gemeinde Wangerland eine dreieinhalbjährige Lehre zum Windmüller durchlaufen und später in verschiedenen Mühlen gearbeitet. Sein Ausbildungsberuf fiel irgendwann dem technischen Fortschritt zum Opfer. Sein Sachverstand als Mühlenexperte aber wird heute noch gebraucht – im Museumsdorf Cloppenburg.

Elias und Caroline beim Dreschen. ·

Allein schon wegen der beengten Verhältnisse in der Harpstedter Windmühle und aus Sicherheitsgründen macht es Sinn, die Klassen zu teilen. So geht jeweils zunächst eine Hälfte mit dem Müller die schmalen Treppen hinauf bis zu den Mahlsteinen, während die übrigen Schüler unter Anleitung von Hans Jacobs Roggen wie anno dazumal mit dem Dreschflegel aus den Ähren dreschen, mit Hilfe des Windes die Spreu von den Körnern trennen und zusätzlich mit einer Handmühle Weizen mahlen. Im Anschluss wird getauscht: Nienaber übernimmt Jacobs‘ Gruppe – und umgekehrt.

Die Flügel standen gestern still – nicht mangels Wind, sondern aus technischen Gründen.

„Das riecht gut hier“, urteilte gestern, am ersten Mühlentag, ein Mädchen aus der 3b beim Betreten des Galerie-Holländers. „Ein bisschen nach Käse“, wunderte sich eine Mitschülerin. „Ich kann unsere Nachbarhäuser erkennen“, freute sich Johann (9), während er die Aussicht von der Galerie genoss. „Die Mühle ist insgesamt rund 20 Meter hoch“, erläuterte Helmut Nienaber. Die Mahlsteine schärfe er selbst. „Früher war das jede Woche einmal nötig. Heute reicht einmal im Jahr aus.“ Für die Mahlbalken auf der Oberfläche der runden Kolosse würden in der Herstellung weiterhin Natursteine verwendet; die Luftfurchen dazwischen erfüllten den Zweck, das gemahlene Getreide mit Hilfe der Fliehkraft nach außen zu transportieren, dienten aber auch zur Kühlung. Die Kinder lernten, Roggen, Hafer, Weizen und Gerste zu unterscheiden, Sie bekamen erzählt, wie der Elevator das Getreide nach oben befördert. Nienaber zeigte ihnen, wo der Rüttelschuh sitzt. Der ist auch verantwortlich für das „Klappern der Mühle am rauschenden Bach“. Dieses Volkslied sowie „Das Wandern ist des Müllers Lust“ sangen die Kinder wiederum zur Gitarrenbegleitung von Alexandra Wangerin.

Die riesigen Flügel mit den Flügelklappen imponierten den Drittklässlern. Sie standen allerdings still, obwohl der Wind kräftig genug blies. Die Mühle sei leider mal wieder defekt, bedauerte der Müller und deutete auf den Wellenkopf. Dort seien aus den Flügeln Holzkeile herausgefallen.

Zum Abschluss erhielt jedes Kind ein Tütchen mit Weizenschrot zum Mitnehmen. Außerdem gab‘s je ein Brötchen, um den weiteren Weg des Mehls zum Backwerk anzudeuten. „Uwe‘s Café“ und die Bäckerei Stratmeyer hatten sich nicht lange bitten lassen: Sie spendeten die Brötchen für die beide Mühlentage.

Heute wird zusätzlich Elke Wachendorf, die – wie im Übrigen auch Alexandra Wangerin – dem Mühlenverein als Mitglied angehört, eine Klasse begleiten.

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