Kollektives Aufatmen

Zelte abbrechen: Die Not-Behausungen vor dem Werk in Ganderkesee werden ab morgen nicht mehr gebraucht.

Oldenburg (dn) · Am Ende ging alles ganz schnell. Schon eine knappe Stunde, nachdem die Urabstimmung bei der Atlas Maschinen GmbH abgeschlossen war, hatten die Streikposten vor den Werken in Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee damit begonnen, buchstäblich die Zelte abzubrechen.

„Wir sind von der schnellen Sorte“, sagt einer der Streikposten und bekennt: „Ich weiß noch nicht einmal, wie das Ergebnis lautet.“

Der Mann konnte beruhigt sein, ebenso wie Alleineigentümer Filip Filipov und die Gewerkschaft: 96,9 Prozent der IG-Metall-Mitglieder stimmten für ein Ende des Arbeitskampfs und beendeten eines der emotionalsten Kapitel in der 91-jährigen Geschichte des Unternehmens. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oldenburg, Hartmut Tammen-Henke, dankte den am Streik beteiligten Beschäftigten für ihren Einsatz in den vergangenen Wochen: „Sie haben Tag und Nacht ausgeharrt und damit für alle Mitarbeiter die Regelungen der Tarifverträge gesichert.“ Filipov und der Betriebsrat hatten sich Donnerstagnacht auf einen Vertrag nach Tarifbedingungen geeinigt und den Grundstein für das Abstimmungsergebnis gelegt.

Dass die Zustimmung für ein Ende des Streiks gestern knapp 17 Prozent über dem Abstimmungsergebnis für einen Streik vor über fünf Wochen lag, ist das finale Zeugnis dafür, wie sehr der hart geführte Arbeitskampf allen Beteiligten an den Nerven gezerrt hatte. „Wir sind alle froh, dass es endlich vorbei ist“, meinte einer der Angestellten, „wir hatten schon gezweifelt, ob wir bis Weihnachten wieder im Werk stehen können.“

Die Gewerkschaft hatte diese Zweifel, zumindest nach eigenem Bekunden, nie geteilt. Die IG-Metall-Vertreter legten gestern auch jede Zurückhaltung ab, die sie noch am Freitag gezeigt hatten, und erklärten sich indirekt zum Gewinner des Disputs: „Der Streik in Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta war auch ein wichtiges Signal an die Branche insgesamt: Wer sich Vorteile auf Kosten der Beschäftigten sichern will, muss mit unserem Widerstand rechnen“, meinte Jutta Blankau die Bezirksleiterin der IG Metall Küste. Tammen-Henke fügte an: „Das Ergebnis der Urabstimmung bestätigt eindrucksvoll unseren Kurs. Morgen gehen die Angestellten wieder hoch erhobenen Hauptes an die Arbeit.“ Filipov berührten dessen Aussagen jedoch kaum: „Sollen sie sich doch als Sieger fühlen – damit habe ich kein Problem.“

Die Konsequenzen des Streiks waren gestern allerdings noch längst nicht abzusehen. Filipov hatte mehrfach betont, dass Atlas in den 39 Streiktagen Millionen Euro verloren hat – was das für Folgen auf das seit Jahrzehnten chronisch klamme Unternehmen hat, konnte nicht einmal er selbst genau sagen. „Ich glaube daran, dass wir alle zusammen Atlas retten können, auch wenn ich jetzt praktisch von vorne anfangen muss.“

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