Nachträgliche baurechtliche „Legalisierung“ scheitert in Planungsausschuss der Samtgemeinde an Stimmen-Patt

Kleinem Islandpferdehof droht das Aus

Sie machen sich nach der aus ihrer Sicht „schockierenden“ Beschlussempfehlung des Samtgemeinde-Planungsausschusses mit Recht Sorgen um die Zukunft des Islandpferdehofes am Gerdshüttenweg in Kirchseelte: Inge Schabbehard, Iris Katenkamp und Hanni Steiner (von links).

Kirchseelte - Niemand hat sich je daran gestört, dass Thea Kropp als Nichtlandwirtin auf einer landwirtschaftlichen Außenbereichsfläche am Gerdshüttenweg in Kirchseelte seit Mitte der 70-er Jahre einen Pferdehof mit Reitunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Pensionspferdehaltung betrieb, obgleich das aus baurechtlicher Sicht schlicht unzulässig war.

Mittlerweile ist die betagte Dame über 80 und hat sich zur Ruhe gesetzt. Es gelang ihr, mit Iris Katenkamp aus Bremen eine Nachfolgerin für den Islandpferdehof zu finden. Doch der neuen Betreiberin droht nun das Baurecht zum Verhängnis zu werden.

„Wir haben gedacht, der Pferdehof genießt Bestandsschutz“, seufzt Hanni Steiner. Sie gehört – wie auch Inge Schabbehard – zur „Stallgemeinschaft“, die sich um die Versorgung der Tiere, zumeist robuste Islandpferde, und die Pflege der Anlage kümmert. „Wenn das hier alles wegkommt, was wäre dann die Alternative?“, fragt sie und gibt sich selbst die Antwort: „Ödland! Dann bliebe nur noch Gras. Das mag sich keiner von uns vorstellen. Auf dieser Anlage lernt schon die zweite Generation reiten. Kein Hahn hat je danach gekräht, ob hier ein paar Pferde im Stall stehen oder nicht.“ Dabei hat Iris Katenkamp beim Erwerb des Anwesens nur die besten Absichten verfolgt. Sie wollte endlich dem Baurecht Genüge tun. Das Bauordnungsamt des Landkreises zeigte ihr einen möglichen Weg auf: Die Behörde schlug vor, die Samtgemeinde möge im Flächennutzungsplan eine Sonderbaufläche und die Gemeinde Kirchseelte in einem Bebauungsplan ein Sondergebiet mit der Zweckbestimmung „Reitsportzentrum“ ausweisen. Zumindest die erste Hürde konnte Iris Katenkamp auch nehmen: Der Kirchseelter Rat hat das Bauleitverfahren angeschoben.

Jetzt aber schießt die Samtgemeinde quer: „Ich halte es nicht für klug, dass wir Schwarzbauten im Nachhinein legalisieren“, fand Elke Wachendorf (SPD) am Montag im Planungsausschuss deutliche Worte. Ihr Fraktionskollege Heinrich Meyer pflichtete bei: „Ich war auch schon im Kirchseelter Rat dagegen.“ Der Ausgang der Abstimmung schockte Iris Katenkamp: Die Änderung des Flächennutzungsplanes scheiterte an einem 3:3-Stimmenpatt bei fünf Enthaltungen – und das, obgleich die Samtgemeinde für gewöhnlich den F-Plan-Änderungswünschen ihrer Mitgliedskommunen folgt.

Nun kann die Bremerin nur darauf hoffen, dass der Samtgemeinderat in letzter Instanz anders beschließt. Sonst zerplatzen Träume, und die Zukunft des Pferdehofes mit Dressurviereck, Reiter-Pavillon, Offenstall und Oval-Tölt-Bahn steht auf tönernen Füßen. Momentan sind dort 15 Pferde beheimatet, darunter fünf in Pensionshaltung. Sieben der Tiere werden für den Reitbetrieb benötigt; zwei bekommen auf dem Hof ihr Gnadenbrot. Die Anlage macht einen ordentlichen Eindruck. Den Tieren geht es dort augenscheinlich gut. Offiziell gehört Iris Katenkamp die Liegenschaft seit Anfang Juni. Allerdings enthält der Kaufvertrag eine Rücktrittsklausel. Scheitert die baurechtliche „Legalisierung“, fällt die Anlage an Thea Kropp aus Bürstel zurück. Das Nachsehen hätte die Stallgemeinschaft, die viel Herzblut in den Pferdehof investiert.

An der Bereitschaft, das Baurecht zu seinem Recht kommen zu lassen, mangelt es der neuen Betreiberin jedenfalls nicht. Sie würde die Planungskosten tragen und hat auch alle behördlichen Auflagen akzeptiert, die mit dem Eigentümerwechsel einher gingen. „Ich bin bereit, eine Düngeplatte für Mist, Toiletten für die Reitschüler und Parkplätze zu schaffen“, sagt sie. Der Stall gehe auf das Jahr 1974 zurück. Er sei zwischenzeitlich einmal abgebrannt und danach erneuert worden. Der Pavillon, eine Mini-„Reiterklause“, sei 1996 entstanden. Nach Kenntnis von Iris Katenkamp hatte die vorherige Eigentümerin 2002 versucht, eine Überdachung für das Dressurviereck genehmigt zu bekommen – ohne Erfolg. Spätestens seit dieser Zeit aber wisse das Bauordnungsamt von der Anlage. Die Behörde intervenierte jedoch nicht.

In einem anderen Fall hat die Samtgemeinde vor noch gar nicht so langer Zeit bauliche Anlagen nachträglich durch Ausweisung einer Sonderbaufläche legalisiert – dies betraf das „Zentrum PrinzHöfte“ in Schulenberg. Die baurechtliche „Absicherung“ lag damals allerdings im öffentlichen Interesse, ging es doch letzten Endes auch um den Erhalt des Freinet-Kindergartens.

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