Rat votiert mehrheitlich gegen Sondergebiet für Biogasanlagen-Erweiterung

Klatsche für Gesellschafter

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenMAHLSTEDT/WINKELSETT · Mit ihrem Vorhaben, den jährlichen Output ihrer Biogasanlage auf dem Hof Brüning von 2,3 auf 4,9 Millionen Normkubikmeter jährlich zu steigern, sind die Gesellschafter der Neue Energien Mahlstedt GmbH & Co. KG am Dienstagabend gescheitert. In geheimer Abstimmung votierten bei drei Fürstimmen vier Mitglieder gegen den Aufstellungsbeschluss für ein Bauleitverfahren zwecks Ausweisung eines Sondergebietes „Biomasse“. Damit fehlt den Investoren die planungsrechtliche Grundlage, die sie benötigen, denn die Erweiterung würde aus der privilegierten eine gewerbliche Anlage machen. Dafür aber bedarf es eines Sonder- oder Gewerbegebietes.

Allerdings nahmen die Gesellschafter das Abstimmungsergebnis geradezu verdächtig gelassen auf. Keinerlei Unmut regte sich in der Einwohnerfragestunde aus ihren Reihen. Das lässt vermuten, dass sie einen „Plan B“ in der Tasche haben. Womöglich eine zweite kleinere – privilegierte – Anlage? Einen Zweitversuch, in absehbarer Zeit aufs Neue ein Sondergebiet zu erwirken, werden sie wohl nicht starten, verlautete auf Nachfrage.

Das Interesse an dem Thema war riesig, das Gasthaus Meyer in Winkelsett rappelvoll. Allerdings bestand das „Publikum“ keineswegs aus Wutbürgern, sondern zu einem großen Teil aus Interessierten, die selbst einen Nutzen aus der Erweiterung der Biogasanlage zu ziehen hofften. Das Wärmekonzept sah nämlich vor, über ein zu bauendes Leitungsnetz Gebäude in Mahlstedt und in der Wildeshauser Wohnsiedlung am „Mahlstedter Feld“ mit Fernwärme zu versorgen, die bei der Biogasverstromung anfällt. Das wäre in finanzieller Hinsicht für die Hauseigentümer attraktiv: Sie bräuchten keine eigenen Heizkessel mehr und müssten somit kein Kapital dafür ansparen. Bezahlte Kilowattstunden (kWh) Wärme stünden zu 100 Prozent auch tatsächlich zur Verfügung (bei der klassischen Gasheizung gehen indes von 15 000 kWh etwa 3 000 wirkungsgradbedingt verloren). Hinzu käme ein im Vergleich zu Gas niedrigerer Preis pro Kilowattstunde. Mindestens ein Drittel der für die Beheizung von Gebäuden anfallenden Gesamtkosten könnten Haus- und Hofeigentümer nach Planer-Darstellung einsparen. Einmalig hätten sie aber etwa 1 000 Euro in den Hausanschluss selbst zu investieren. Wenigstens 30 bis 40 Häuser in Wildeshausen müssten laut Planer mit angeschlossen werden, damit sich das Wärmeleitungsnetz rechnet.

Eine Leistungssteigerung der mit nachwachsenden Rohstoffen gespeisten Biogasanlage hätte bauliche Anlagen-Erweiterungen erforderlich gemacht. Ein zusätzliches Blockheizkraftwerk mit je 600 Kilowatt elektrischer und thermischer Leistung auf dem Hofgrundstück Brüning, ein weiteres Gärrestelager und eine Vergrößerung der Silo-Platte wären nötig gewesen.

Den Antrag auf Ausweisung eines Sondergebietes hatte die Neue Energien Mahlstedt GmbH & Co. KG mit den Gesellschaftern Heinz-Gerd Brüning, Carsten Beneke, Urte Kolweyh und Cord-Georg Weidenhöfer an die Gemeinde gerichtet. Bürgermeister Willi Beneke, der Vater von Carsten Beneke, gab den Ratsvorsitz während der Beratung an Bert Mahlstedt ab. Er beteiligte sich aus Gründen der Befangenheit ebenso wenig an Diskussion und Abstimmung wie Ratsfrau Urte Kolweyh. Michael Müller-Hjortskov (Grüne) machte aus seinen Bauchschmerzen mit dem Vorhaben keinen Hehl. Er hinterfragte, was passiert, wenn es nicht gelänge, 30 bis 40 Eigentümer zum Anschluss ihrer Häuser zu bewegen. Er lobte zwar das Wärmekonzept, gab aber zu bedenken, die Gemeinde habe keinerlei Sicherheit, dass es umgesetzt werde. Und im Übrigen könne sie dies auch nicht kontrollieren. „Wir sind ja keine Polizisten.“ Müller-Hjortskov wies auf weitere bestehende Biogasanlagen im Umkreis von rund drei Kilometern hin, etwa in Bühren und auf Colnrader Gemeindegebiet. Stimme der Rat einer Erweiterung zu, „werden die anderen Betreiber nachziehen“, fürchtete er – und beantragte geheime Abstimmung.

Das Ergebnis überraschte.

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