Berufsfindung ganz praxisnah: Huder Hauptschüler bauten an BBS Sitzgruppen für eigene Pausenhalle

Klassenarbeit auch zum Ausruhen

Die Klasse 10 Ha präsentierte mit den Lehrern Ine Sommerfeld (stehend), Manfred Feldmann (sitzend daneben) und Andreas Becker-Brüning (2.v.r.) ihre selbst gefertigten Sitzgelegenheiten für die eigene Pausenhalle.

Landkreis - (ck) · Die Materialkosten beschränkten sich auf nur 200 Euro insgesamt, aber „der Wert der Arbeitsstunden ist unbezahlbar“, urteilte Andreas Becker-Brüning. Zusammen mit seinem Kollegen Manfred Feldmann als weiterem Fachpraxislehrer an den Berufsbildenden Schulen (BBS) des Landkreises hatte er den Jungen und Mädchen der Klasse 10Ha von der Haupt- und Realschule Hude zur Seite gestanden, während sie an sieben Montagvormittagen zwei stabile Tisch- und Sitzbank-Kombinationen aus Holz bauten. Gestern nun nahmen sie ihre Werke mit.

Ihre Lehrerin Ine Sommerfeld weiß schon jetzt, dass die Erbauer mit dem Ergebnis ihrer Arbeiten sorgsam umgehen: „Ursprünglich wollten wir die Sitzgruppen auf dem Schulhof platzieren, aber jetzt stellen wir sie im Gebäude auf – weil wir sie viel zu schade für den Außenbereich finden. Und die Schüler haben schon angekündigt, dass sie die Stücke entsprechend vor Vandalismus schützen werden. Sie sind unglaublich stolz.“

Das Projekt kam im Rahmen des Kooperationsvertrags zwischen den BBS Wildeshausen und den allgemein bildenden Schulen zustande. Durch Praxisnähe sollen die Abschlussklässler Einblicke immer sechs Stunden an einem Tag pro Woche in verschiedene Berufe gewinnen. Die Vorteile fürs spätere Leben liegen laut Feldmann auf der Hand: „Es beginnt schon damit, dass nicht wir die Schulen besuchen, um dort unsere Bildungszweige vorzustellen, sondern die Schüler kommen zu uns. Sie müssen sich also früh morgens auf den Weg zum Ausbildungsort machen – denn die Arbeit kommt später ja auch nicht zu ihnen nach Hause.“

Seit Beginn des Schuljahres hatten die Huder verschiedene Berufsfelder kennen gelernt und Praxiserfahrungen gesammelt. Die Unterrichtsinhalte stammen aus den Rahmenrichtlinien der verschiedenen Bau- und Metallberufe – zum Beispiel dem des Zimmerers, Dachdeckers, Maurers, Mechatronikers und Metallbauers. So erfuhren die jungen Leute jeweils montags, welche Branche für sie später in Frage käme. „Aus den vergangenen Praxismodulen mit Haupt- und Förderschulen habe ich einige hier in den Klassen der Berufsfachschule wieder gesehen“, freut sich Feldmann. Und andererseits könnten die Jugendlichen erkennen, dass ein bestimmtes Handwerk nicht das Richtige für sie wäre. „Wer also praktisch nicht so begabt ist, schlägt eine andere Richtung ein“, erläutert Becker-Brüning. „Besser, sie merken es hier während der Orientierungstage, als wenn sie später ihre Lehre abbrechen“, meint Becker-Brüning.

Der 16-jährige Maik Mählmann zum Beispiel wünscht sich eher eine Ausbildung im „grünen Bereich“: „Ich will etwas im Garten- und Landschaftsbau machen“, verriet der Hauptschüler. Trotzdem gefiel ihm das gemeinsame Erstellen der Sitzgruppen – vom Zuschneiden nach Plan über Abschleifen und Zusammensetzen bis hin zur Holzschutzbehandlung: „Es war sehr gut, hier mitarbeiten zu dürfen.“ Und die Grundkenntnisse im Umgang mit verschiedenen Werkzeugen seien ja nicht verloren.

Erstmals hatten somit Hauptschüler in der Berufsschule Inventar für den eigenen Gebrauch gebaut. „Das war gewissermaßen ein Pilotprojekt, weil das sonst unsere Schüler für andere erledigt haben. Aber wir setzen diese Projektarbeit fort.“

Nun stehen in der BBS-Werkstatt an der Deekenstraße noch weitere Bank- und Tischgruppen dieser Art – fertig zur Auslieferung. „In dieser Woche kommen sie zur Everkampschule nach Wardenburg“, berichtete Feldmann gestern. Deren Hauptschüler seien zwar etwas unruhiger gewesen als die Huder, „aber sie brachten uns Lehrern zum Dank ein Geschenk mit“.

Nächste Woche beginnt der Bau von weiteren Bänken und Tischen – ebenfalls aus Tannen- und Fichtenholz: Dann legt sich eine Klasse der Förderschule Oberlethe ins Zeug.

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