Landrat Frank Eger überreichte Erich Nolte gestern Abend das Bundesverdienstkreuz am Bande

Auf Klangteppich groß geworden

Landrat Frank Eger (rechts) steckte Erich Nolte das Bundesverdienstkreuz am Bande ans Revers.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenHARPSTEDT/KIRCHSEELTE · Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben! Willst du nicht zu früh ins Grab, lehne jedes Amt gleich ab!“ An diesen von Landrat Frank Eger zitierten Rat des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch hat sich Erich Nolte nie  gehalten. Jahrzehntelang verband er sein Hobby, die Musik, mit ehrenamtlichen Aufgaben. Und das fand gestern Abend im Hotel „Zur Wasserburg“ eine Würdigung – mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Der Landrat überreichte die Auszeichnung sowie die von Bundespräsident Christian Wulff unterzeichnete Urkunde.

Karin Timke als Vorsitzende und Mario Peters als Manager der Abteilung Spielmannszug und „Klosterbachtaler“ im Schützenverein Kirch- und Klosterseelte hatten Erich Nolte für die hohe Auszeichnung vorgeschlagen. Bis zur Verleihung vergingen allerdings drei Jahre. Nolte liege da noch „im guten Mittelfeld“, sagte Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes. Denn das Bundesverdienstkreuz sei nicht nur eine Auszeichnung, die nicht jeder bekomme; man müsse erfahrungsgemäß auch recht lange darauf warten.

„Sie haben Musik im Blut. Vermutlich war Ihnen dieses Talent schon in die Wiege gelegt. Vielleicht sind Sie auch als kleines Kind auf einem Klangteppich groß geworden. Das Ergebnis ist jedenfalls ein Mann, der für die Musik lebt“, sagte Frank Eger in seiner Laudatio. Nolte bestätigte dies. Schon als Junge habe er vorm Radio gestanden und die Lieder mitgesungen.

Der Lehrer im Ruhestand, wohnhaft in Harpstedt, hob 1958 den Spielmannszug des Schützenvereins Kirch- und Klosterseelte mit aus der Taufe, widmete sich dort zunächst der Ausbildung der Trommler und fungierte ab 1965 für drei Jahre als stellvertretender Tambourmajor. 1968 wählten ihn die Schützen in den Vereinsvorstand. Und von nun an schwang er auch selbst den Tambourstab – 32 Jahre lang.

Den Schwerpunkt seiner musikalischen Arbeit legte er auf die Ausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen an Instrumenten. 1970 setzte er im Spielmannszug das Spielen nach Noten durch. Dies habe die Qualität sicherlich deutlich gesteigert, mutmaßte Frank Eger schmunzelnd.

1974 zählte der Geehrte zu den Mitbegründern der „Klosterbachtaler“. „In dieser wundervollen Blaskapelle kümmern Sie sich seither um die Ausbildung der Blechbläser. Noch heute sind Sie dort als stellvertretender Tambourmajor tätig“, unterstrich der Landrat, der viele weitere Ämter und Ehrenämter aufzählte (siehe Einblocker). „Die Liebe zur Musik bestimmte Ihr Handeln, und Sie widmen mit großem Erfolg und Know how seit über 50 Jahren einen Großteil Ihrer Zeit dafür“, lobte Frank Eger. Wilhelm Buschs gedichtete Empfehlung, „nur kein Ehrenamt“ zu übernehmen, teilte der Kreishaus-Chef allerdings nicht. Ohne freiwilliges Engagement „würde unser Gemeinwesen – gerade im ländlichen Raum – nicht funktionieren“. Erich Nolte habe als ausgebildeter Musikpädagoge dazu beigetragen, vielen Menschen den Zugang zur Musik zu öffnen. Werner Richter, Bürgermeister der Gemeinde Harpstedt, stimmte in den Lobgesang ein: „Ich freue mich, dass wir im Flecken einen so ausgezeichneten Mann haben.“

Karin Timke zollte auch Noltes Lebensgefährtin Ursula Westermann Respekt, die ihrem Partner „immer den Rücken freigehalten“ habe. Sie beschrieb, wie es zu dem Vorschlag für das Verdienstkreuz gekommen war: Bei der Vorbereitung des Jubiläums anlässlich des 50-jährigen Spielmannszug-Bestehens „ist uns aufgefallen, dass Erich Nolte auch andere Musikvereine unterstützt und dort ausgebildet hat“.

Der Geehrte selbst glaubte zunächst, jemand habe sich einen Scherz erlaubt, als er kürzlich Post von der Staatskanzlei in Hannover bekam. Eines müsse man Spielmannszug und „Klosterbachtalern“ ja lassen: „Drei Jahre lang hat der Vorstand nichts ausgeplaudert.“

Dass er die Auszeichnung als Ehre empfindet, stand Nolte ins Gesicht geschrieben. Gefreut habe er sich aber vor allem „für die, die das in Gang gebracht haben“. Menschen, die Musik lieben, hat er Zeit seines Lebens als umgängliche Zeitgenossen kennen gelernt. Für sein langjähriges Engagement nannte er zwei Antriebsfedern. Zum einen machte ihm die Ausbildung selbst Spaß (noch immer erteilt er Blechbläsern Einzelunterricht): „Ich habe mich über jeden gefreut, der so weit war, dass er im Orchester mitspielen konnte.“ Der zweite Grund sind die aufmerksamen Zuhörer bei Auftritten – und die Erfahrung, mit Musik anderen Menschen Freude zu bereiten.

Zum Schluss seiner Rede wanderte Noltes Blick in Richtung Gerfried Wagenfeld. Der ist schon seit 1958 ein musikalischer Wegbegleiter des Geehrten.

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