85 Gäste bei Festmahl mit Henning Scherf / Landeskirche bonifiziert Erlös: 1 500 Euro fließen in den Kapitalstock

Kirchen-Stiftung profitiert doppelt

Im Beisein von Festredner Henning Scherf (links) überreichte das Gastronomen-Ehepaar Gunda und Dieter Winkler mit den Kindern Nele und Julius einen Scheck über 1 000 Euro an den Stiftungskuratoriumsvorsitzenden Dieter Claußen (2.v.l.), der sich mit einem „Christuskirchen-Kerzenhalter“ als kleines Dankeschön-Präsent revanchierte.

Klein Ippener/Harpstedt - 1 000 Euro Reinerlös aus dem Stiftungsmahl im Ippener Gasthaus „Hackfeld‘s Dorfkrug“ mit 85 Gästen überreichte Veranstalter Dieter Winkler am späten Donnerstagabend an die Kirchen-Stiftung der evangelischen Gemeinde Harpstedt. Festredner Henning Scherf hielt ein flammendes Plädoyer für bürgerschaftliches Engagement in der „Zivilgesellschaft“.

Der Stiftungskuratoriumsvorsitzende Dieter Claußen überreichte Christuskirchenwein als Präsent an den ehemaligen Bremer Bürgermeister. Er trinke ja keine geistigen Getränke, entgegnete Scherf nachdenklich, der seinen Gewohnheiten treu blieb und sich gleich zu Beginn des Abends ein Glas heißes Wasser hatte servieren lassen. Schmunzelnd fügte er hinzu: „Aber ich lebe ja in einer WG. Und dort trinken alle anderen Alkohol.“

Er sei nach seinem Rückzug ins Private „in einem neuen Leben angekommen“, sagte Scherf in seiner Festrede. „Ich habe neue Herausforderungen gefunden und spannende Projekte, die mich lebendig und fit halten. Und ich habe den Eindruck, dass ich mehr schaffe als während meiner Regierungsverantwortung als Bürgermeister“, verriet er. „Sozialarbeit“ kann in Scherfs Verständnis jeder leisten, indem er sich mit seinen eigenen Kompetenzen einbringt. Der Festredner nannte viele Beispiele dafür, kam etwa auf die Arbeit der Bahnhofsmission zu sprechen, streifte aber auch den familiären Bereich: Wenn heute 50 Prozent der Jungen und Mädchen über fünf Stunden vor dem Fernseher säßen, so grenze dies an Körperverletzung und gehörte eigentlich bestraft. Man müsse die Kinder beschäftigen, „damit sie merken, dass sie wichtig sind“, und wenn die Eltern dies nicht leisten könnten, „dann vielleicht Rentner“, Menschen, „die mehr Zeit haben“. Alte könnten von Kindern etwas lernen – wie auch umgekehrt. „Das“, so Scherf, „ist für mich Zivilgesellschaft. Das stiftet Sinn.“

Sich nicht hinter Bürokratie und Rechtsansprüchen verstecken, sondern selbst „ein Stück weit mit anpacken“ – dafür warb Scherf in seiner leidenschaftlichen Rede. Zivilgesellschaft impliziere eben nicht, „Schumi“ dafür zu bewundern, wie er seine Millionen ins Ausland schleppe, sondern etwas im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zum Funktionieren des Gemeinwesens beizutragen. Zivilgesellschaft beinhaltet für Scherf auch, andere Menschen mitzunehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mit ihren Fähigkeiten wertvoll sind.

„Diejenigen, die sich engagieren, wissen, warum sie das tun, denn sie bekommen ein großes Stück zurück“, unterstrich der prominente Redner. Diese Erfahrung macht er seit seinem Ausscheiden aus der Politik und öffentlichen Ämtern immer wieder, so etwa bei Lesungen in einer Schule mit einem rund 70-prozentigen Anteil „muttersprachlich nicht deutscher Kinder“: „Für mich ist das der schönste Termin in der Woche. Die Schüler blühen auf, wenn sie merken, dass ich nicht über sie, sondern mit ihnen rede“, schilderte Scherf seine Erfahrungen.

Die Gäste spendeten zum Ende der Rede kräftigen Beifall. Zuvor hatten sie ausgiebig geschlemmt. Mit der Ankündigung eines „spektakulären“ Spargelbuffets hatte der Kirchenvorstandsvorsitzende Gunnar Schulz-Achelis nicht zu viel versprochen.

Der Gospelchor Harpstedt um Daniela Predescu umrahmte den Abend musikalisch. Am Ende vermeldete Gastwirt Dieter Winkler, dass nach Abzug aller Kosten von den Einnahmen in Höhe von 2 682 Euro ein Betrag von 894,10 Euro für die Harpstedter-Kirchen-Stiftung übrig bleibe. Diese Summe habe er auf 1 000 Euro aufgerundet. Da die Landeskirche und – zu einem kleinen Teil – auch die evangelische Gemeinde gestiftete Mittel wieder um einen 50-prozentigen Bonus aufstocken, fließen letztendlich sogar 1 500 Euro in den Kapitalstock der Kirchen-Stiftung, der dauerhaft unangetastet bleibt. Die Zinserträge deckten jetzt schon zehn bis 15 Prozent des Sachmittel-Etats der evangelischen Kirchengemeinde, verriet Pastor Gunnar Schulz-Achelis.

Auch zu Projekten wie dem Jugend-Gruppenraum im „Alten Pfarrhaus“ an der II. Kirchstraße in Harpstedt und dem geplanten „Christusgarten“ trage die Kirchen-Stiftung bei.

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