40 Jahre Schulsportplatz: Hermann Bokelmann erinnert sich an Verhandlungen – und Henry Eiskamps Überzeugungskraft

Kirche willigte letztlich in Flächentausch ein

Etwas steinig war er durchaus – der Weg bis zur Fertigstellung des Schulsportplatzes. ·
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Etwas steinig war er durchaus – der Weg bis zur Fertigstellung des Schulsportplatzes. ·

Harpstedt - Vor 40 Jahren erschien in der Kreiszeitung ein Foto zum Bau des Harpstedter Schulsportplatzes. Flecken-Altbürgermeister Hermann Bokelmann kennt dieses Kapitel kommunalpolitischer Geschichte und ist der Bitte der Lokalredaktion gern gefolgt, es noch einmal Revue passieren zu lassen. Er kramte in seinen Erinnerungen – und wurde auch in seinem Privat-archiv fündig.

Schon 1964 hatte der damalige Planungsausschussvorsitzende Alfred Meyer im Rat des Fleckens für ein Sportzentrum am Tielingskamp mit Freibad und Sportplatz geworben. Die dafür erforderliche Fläche kaufte die Gemeinde vom Forstfiskus. Der Flecken bekam 1966 aus dem neuen Fördertopf der „Gemeinsamen Landesplanung Bremen-Niedersachsen“ aber nur einen Zuschuss für das Rosenfreibad bewilligt. Für einen sofortigen Bau des Sportplatzes, der auch für die Harpstedter Schule bestimmt sein sollte, fehlte indes seinerzeit das Geld. Da das Umkleidegebäude der Badeanstalt auch Räume für einen Sportplatz enthielt, wurden letztere seinerzeit mitgebaut.

1968 begann der neu gegründete „Schulzweckverband Kirchspiel Harpstedt“ mit dem Bau der Mittelpunktschule, der heutigen Haupt- und Realschule Harpstedt. Das wiederum machte zeitnah auch die Schaffung eines nahe gelegenen Schulsportplatzes erforderlich. Aber wohin damit? Das Gelände südlich der Schule, auf der später die große Sporthalle und das Kleinspielfeld Platz fanden, reichte kaum und war obendrein zu abschüssig. Letztlich kam ein Vorhaben des Landkreises Grafschaft Hoya der Gemeinde zur Hilfe: Für den kreisseitig geplanten Bau einer Sonderschule sollte der Flecken das Grundstück zur Verfügung stellen. Die Kommune bemühte sich damals um jene Ackerflächen, auf denen heute die Delmeschule (die frühere Sonderschule) ihren Standort hat. Der Landkreis benötigte aber nur die untere Hälfte davon. Die Eigentümer wollten wiederum keine Teilstücke verkaufen.

Da weder der Schulzweckverband noch der Flecken Geld hatte, schlugen die kommunalen Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde für ihre 2,3 Hektar große Fläche einen Tausch vor. Wenn das obere Stück, die jetzige Sportplatzfläche, Eigentum der Kirche würde, könne diese es an den Schulzweckverband für einen Sportplatz verpachten, so der Plan.

„Das Landeskirchenamt wollte zwar verkaufen, lehnte aber einen Tauschvertrag ab“, entsinnt sich Bokelmann. Ihm, der damals dem Schulzweckverband vorstand, sind die Verhandlungen im Gedächtnis geblieben. Geradezu beschwörend habe er argumentiert: „Die Kirche hat seit Jahrhunderten das Land an Bauern verpachtet. Jetzt kann sie es für das Beste, was eine Gemeinde hat,

„Das Beste, was eine

Gemeinde hat: die Jugend“

nämlich die Jugend, als Sportplatz verpachten.“

Eine große Unterstützungsarbeit mit Überzeugungskraft habe, so der Altbürgermeister, damals Henry Eiskamp geleistet. Dass dieser Ratsherr zugleich dem Kirchenvorstand angehörte, erwies sich als vorteilhaft und sachdienlich, so dass letztendlich das Leitungsgremium der evangelischen Gemeinde dem Tauschvertrag zustimmte. Damit war die entscheidende Hürde genommen.

Mit der dann gebauten Anlage hatten die Schulen einen Sportplatz vor der Tür, den seither auch Aktive des Harpstedter Turnerbundes (HTB), heute insbesondere die Fußballer, nutzen können. Die Abnahmen und das Training für das Sportabzeichen gehen bekanntlich dort ebenfalls über die Bühne. „Ob die Sportler wohl mal daran denken, dass sie ein Gelände mitnutzen dürfen, das der Kirchengemeinde gehört?“, fragt sich Hermann Bokelmann.

Er berichtet auch von der Schlachterei Meyer, die wenige Jahre nach dem Bau des Schulsportplatzes im Gewerbegebiet „Amtsacker“ ihren Betrieb errichtete. Deshalb habe das dort liegende alte Fußballfeld aufgegeben werden müssen. „Die Zahl der HTB-Fußballmannschaften hatte sich inzwischen erhöht, und der Verein kam mit nur einem Platz nicht mehr aus. Somit musste der Flecken Harpstedt dann doch den Sportplatz beim Freibad herrichten lassen“, so der Altbürgermeister. Sein abschließendes Resümee: „Es müsste eigentlich mehr anerkannt werden, dass die Samtgemeinde Hallen und Sportplätze in erster Linie für die Schulen baute und sie den Sportvereinen mit zur Verfügung stellt, ohne dass die Vereine sich finanziell beteiligten.“

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