Heinz Becker erkennt Vater Aloys auf altem Foto sofort / Schlachter-Utensilien lagern noch auf dem Dachboden 

Als Kind bei Schlachtungen geholfen

Kreiszeitung Syke

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (jd) · „Wer kennt diesen Schlachter ? “ Diese Frage hatten wir in unserer Ausgabe vom 18. Februar in einem Artikel über Hausschlachtungen gestellt. Schon am Morgen riefen mehrere Leser an, die sich einig waren: „Das muss Aloys Becker aus Zwischenbrücken sein.“ Gegen Mittag dann die Bestätigung: „Das ist mein Vater Aloys“, teilt Heinz Becker mit, der sich sehr gut an die alten Zeiten erinnert.

Auf die „Schlachtergeschichte“ war Alfred Panschar beim Blättern im Archiv der Wildeshauser Zeitung aufmerksam geworden. „Sofort habe ich an meine Kindheit gedacht“, sagt Becker, der im Garten seines Hauses die Utensilien präsentiert, die sein Vater seinerzeit als Schlachter benötigt hat: „Das habe ich alles aufgehoben.“ Mit diesen Worten zeigt er auf die „Glocken“ zum Entborsten der Schweine, auf Bolzenschussgeräte, zwei Schlachterbeile und viele verschiedene Messer: „Vater hat schon damals großen Wert auf Qualität gelegt, die Gerätschaften sind von der Firma F. Dicke aus Solingen.“ Die habe er stets gepflegt.

Sein Vater habe vor dem Zweiten Weltkrieg in der Schlachterei Werner (später Gebken) den Beruf des Schlachters gelernt: „Sofort nach dem Krieg wurde er von Gebkens wieder eingestellt.“ Einige Jahre später sei er jedoch zur Genossenschaft gegangen: „Nebenbei hat er dann Hausschlachtungen übernommen. Ja, Vater war sehr arbeitssam.“ Noch gut kann sich Becker an den Spruch erinnern, den Aloys für alle die hatte, die nicht gerne arbeiteten: „Im Winter Maurer und im Sommer Schlachter.“ „Im Winter hatten die Maurer oft Schlechtwetter und im Sommer konnte wegen der Temperaturen nicht geschlachtet werden“, liefert Becker die Erklärung für diesen Spruch. Und er fügt an: „Als Kind durfte ich natürlich hin und wieder dabei sein, wenn Hausschlachtungen gemacht wurden. Da gab es immer wieder etwas zum Helfen.“ Selbst Blut habe er rühren dürfen – für Blutwurst oder andere „Leckereien“. „Wir hatten zu Hause eine kleine Landwirtschaft. Da war es selbstverständlich, dass alle Kinder auch beim Schlachten mit anpacken mussten. In der Nachbarschaft waren Hausschlachtungen immer wieder ein tolles Erlebnis.“

Bereits im Jahr 1888 schrieb die Wildeshauser Zeitung: „Wenn im Oktober und November die ersten frostigen Nächte und Tage kommen, bringen sich Hausschlachtungen in Erinnerung.“ In der Stadt waren damals die Brüder Rasche und Fritz Schlömer als Hausschlachter unterwegs. „Das war die Zeit, in der es viel Hackgrütze und Beutelwurst mit Sirup zum Essen gab“, schrieb die WZ. Zu lesen war aber auch, dass die Hausschlachter in den Sommermonaten einer anderen Tätigkeit nachgingen: „Oft als Tagelöhner bei verschiedenen Bauern.“

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