Brüderpaar sucht über Betreuer Appartement in Wildeshausen / Fadenscheinige Ausreden gehört

Keine Wohnung für Behinderte

Werner Winter (l.) betreut Jürgen und Falko Leiminer (r.) und hilft ihnen bei der Wohnungssuche.

Wildeshausen (dr) · 18 Menschen mit Assistenzbedarf ziehen ab kommenden Herbst in das „Hotel am Rathaus“ in die Wildeshauser Innenstadt. Berufsbetreuer Werner Winter findet das toll, denn dabei handelt es sich um die Möglichkeit zu gelungener Integration. Er selbst muss aber während seiner Arbeit feststellen, dass es auch ganz anders laufen kann. Zwei seiner Klienten aus Brettorf suchen seit über einem Jahr nach einer Wohnung in Wildeshausen und werden immer wieder mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt.

Den Ausspruch, dass bei einem Einzug seiner Klienten die Lebensqualität der Nachbarn leiden würde, bekam er sogar von der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Wildeshausen zu hören. Bei Winter kam die Botschaft eindeutig an: „Wir wollen hier keine Behinderten.“

Für ihn ist das ein Unding, denn der Betreuer vertritt keine Menschen, die prädestiniert wären, in der Nachbarschaft Unruhe zu stiften. Er arbeitet im Auftrag eines Geschwisterpaares, das einfach Pech im Leben hatte. Da ist Jürgen Leiminer, 40 Jahre alt, der als Maler tätig war und vor fünf Jahren von einem fünf Meter hohen Gerüst stürzte. Dadurch ist er körperlich eingeschränkt, leidet unter Gleichgewichtsstörungen und kann seitdem nur noch in den Delme-Werkstätten in Ganderkesee arbeiten. Sein Bruder Falko ist 46 Jahre alt und steht ebenfalls unter Betreuung, weil er unter anderem wegen der Pflege seines Bruder psychosomatische Störungen erlitten hat. Er arbeitet als Gartenhelfer in einem Dötlinger Betrieb.

Beide leben zurzeit in einer Dachgeschosswohnung in Brettorf. Das ist problematisch, weil Jürgen nicht gut Treppen steigen kann. Zudem können die Männer in der Ortschaft vieles nicht in fußläufiger Entfernung erreichen. Sie sind vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten.

„Das ist der Grund, warum ich seit einem Jahr nach einer ebenerdigen Wohnung in Wildeshausen suche“, erklärt Winter. Die Brüder könnten für ein etwa 60 Quadratmeter großes Appartement 400 Euro Kaltmiete zahlen. „Ich weiß, dass es wenige Angebote auf dem Markt in dieser Stadt gibt“, sagt Winter. Aber kein Verständnis hat er dafür, dass sich Makler weigern, den Brüdern eine Wohnung anzubieten, weil sie behindert sind. Auch bei Vermietern hört er immer wieder Vorbehalte gegen Menschen mit Assistenzbedarf heraus. Dabei seien die beiden Betreuten angenehme Nachbarn, es seien keine Alkoholexzesse oder Lärmbelästigungen zu erwarten. Der Gipfel ist es aber nach Einschätzung von Winter, dass sogar eine Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft unterstellt, dass es Probleme mit Behinderten geben würde. „Das ist mir völlig unverständlich.“

Wer Lösungen anbieten mag, kann sich bei Werner Winter unter Telefon 04431/92156 melden.

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