Raus aus dem Kloster: Stadt Oldenburg arbeitet an dezentraler Unterbringung von Flüchtlingen

Kein zweites Blankenburg

Die Flüchtlinge aus dem ehemaligen Kloster Blankenburg protestieren gegen die Pläne der Stadt, die Einrichtung weiterzuführen.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Eines lässt sich wohl ohne Übertreibung sagen: Das Kloster Blankenburg hat in seiner Geschichte nicht besonders viel Glück gehabt. Erst ein Lager für Pestkranke, im 17. Jahrhundert ein Armen- und Waisenhaus, dann eine psychiatrische Anstalt – die Einrichtung im Oldenburger Osten hat schon einige dunkle Kapitel hinter sich. Dass die Flüchtlinge, die auf dem inzwischen zum Asylbewerberheim umfunktionierten Gelände leben, Blankenburg einen „trostlosen Ort“ nennen, ist daher vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.

Mehrere hundert Menschen sind momentan in der vom Land Niedersachsen betriebenen Unterkunft für Flüchtlinge untergebracht; in Zuständen, die selbst Stadtsprecher Andreas van Hoven als „hygienisch untragbar“ bezeichnet. Die Nachricht, dass die Landesregierung Blankenburg im Sommer schließen will, sorgte nur kurz für Erleichterung – die Stadt kündigte an, das ehemalige Kloster in Ermangelung an Wohnraum eventuell in Eigenregie weiterzuführen.

Doch die Bewohner gehen auf die Barrikaden. Zusammen mit Unterstützergruppen demonstrierten die Asylbewerber erst am Sonnabend für eine Schließung Blankenburgs und richteten sich dann in einem offenen Brief mit 1 100 Unterschriften an den Stadtrat. Die Zeilen sind ebenso drastisch wie erschreckend: „Die Flüchtlinge sind in dieser Massenunterkunft inhumaner Isolation, Ausgrenzung und Entrechtung ausgesetzt“, heißt es: „Daher erheben wir unsere Stimme und fordern eine dezentrale Unterbringung für alle Menschen in Blankenburg und anderen Lagern.“

Ob die Botschaft bei den Ratsherren ankam, ist allerdings schwer zu sagen. Bürgermeister Gerd Schwandner berichtete während der Ratssitzung am Montag immerhin, dass die Stadt an einer dezentralen Unterbringung arbeitet und für den Anfang ehemalige Flüchtlingswohnhäuser auf dem Fliegerhorst im Auge hat. Das jedoch weckte bei vielen unangenehme Erinnerungen an den Anfang der 90-er Jahre, als dort kurzzeitig bosnische Flüchtlinge einquartiert wurden. Damals machte der vielsagende Begriff „Bosnier-Baracken“ die Runde.

Van Hoven war gestern deshalb in allen Bereichen um Besänftigung bemüht. „Wir werden Blankenburg in seiner jetzigen Form nicht weiterführen“, meinte der Stadtsprecher: „Sollten wir die Einrichtung übernehmen, dann nur, wenn der Hamburger Eigentümer in allen Belangen nachbessert.“ In Sachen Fliegerhorst bestätigte van Hoven, „dass wir dort am Kauf von Wohnhäusern dran sind“. Deren Zustand sei zwar ordentlich; „aber auch da werden wir noch einiges tun. Wir wollen kein zweites Blankenburg.“ Und erst Recht keine Isolierung der Flüchtlinge. Deren Befürchtung, im Sommer gegen ihren Willen „in noch katastrophalere Unterkünfte“ außerhalb Oldenburgs gezwungen zu werden, konnte die Stadt bislang jedoch noch nicht entkräften. „Wir sind dabei, nach kleineren Wohnungen für die Asylbewerber über Oldenburg verteilt zu suchen“, so van Hoven: „Die Asylbewerber sollen auch am Leben in unserer Stadt teilnehmen.“ Ein Traum, den wohl alle Flüchtlinge in Blankenburg teilen.

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