Gestern in Colnrade feierliche Einweihung des Paddelreviers zwischen Wildeshausen und Barnstorf

Nun kein „wildes Anlegen“ mehr

Bürgermeister Gert Weidenhöfer, Detlev Tänzer vom Landkreis Diepholz als Verantwortlicher des Projekts „Flusslandschaft Hunte“, Harpstedts Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes, Twistringens Bürgermeister Karl Meyer und Barnstorfs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers (v.r.) freuten sich mit den weiteren Akteuren über die Eröffnung des Paddelreviers.

Oldenburg - COLNRADE/LANDKREIS (ck) · Na, wer sagt's denn? Kaum steht am Rand Colnrades eine Anlegestelle für Kanus zur Verfügung, strömen schon Touristen ins Dorf. Gestern jedenfalls traf Colnrades Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann viele neue Gesichter. Die geladenen Gäste aus vier Hunte-Anrainerkommunen brachten diesmal zwar kein Geld mit in den Ort, hatten aber zuvor schon kräftig bezahlt und mitorganisiert – an der Ausstattung des Paddelreviers zwischen Wildeshausen und Barnstorf. Da war dann auch nach dem Eröffnungsakt die Einladung zu Kaffee und Kuchen im Gasthaus Schliehe-Diecks drin.

70 000 Euro kostete der Neu- oder Umbau der insgesamt sieben Ein- und Ausstiegsstellen entlang der 25 Flusskilometer zwischen Barnstorf und Wildeshausen. 56 000 Euro davon bekommt der Zweckverband „Naturpark Wildeshauser Geest“ als Projektträger vom Land, den Rest steuern die betroffenen Kommunen bei. Allein 12 000 Euro zahlte die Samtgemeinde Harpstedt dazu. „Die Gemeinden Colnrade und Winkelsett müssen nicht mitfinanzieren, aber wir haben vereinbart, dass sie die Instandhaltung und Pflege der Plätze selbst übernehmen“, schilderte Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes. Anne Wilkens-Lindemann und ihr Winkelsetter Amtskollege Gert Weidenhöfer gaben dafür sofort ihr Okay.

„Wir waren schnell begeistert von der Idee“, erinnerte sich die Bürgermeisterin an den einstimmigen Colnrader Ratsbeschluss. Sie dankte nicht nur der Samtgemeinde für deren Co-Finanzierung, sondern „allen Beteiligten, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben“.

Damit meinte sie vor allem das Zusammenspiel innerhalb des Naturpark-Zweckverbands. Dessen Geschäftsführer Ralf Wiechmann gab die „Blumen“ aber sofort weiter: Mit einem Präsent würdigte er das große Engagement von Walter Zurborg aus Goldenstedt, der sich sehr für dieses Projekt eingesetzt hatte: „Wenn viele Kommunen und Verbände an einem Ziel arbeiten, braucht es einen Kopf, der die Sache lenkt, immer am Ball bleibt und auch mal Druck auf uns ausübt“, fasste Wiechmann zusammen, nachdem er die anfänglichen Überlegungen hinsichtlich eines gemeinsamen Wasser-Wanderlehrpfads hatte Revue passieren lassen. „Im Jahr 2008 gab es den Bewilligungsbescheid über Mittel aus dem Förderprogramm ,Natur erleben‘ – aber dann fing es an, sich zu ziehen“, bedauerte er. Immerhin gewährte das Land Laufzeit-Verlängerungen. „Die letzte dieser Art läuft im September aus – aber jetzt ist ja alles rechtzeitig fertig“, freute sich Wiechmann. „Wir haben Anlegestellen neu gebaut, renoviert und saniert – aber nie allein um des Tourismus wegen, sondern vor allem mit Blick auf den Naturschutz“, unterstrich der Geschäftsführer. „Die Kanu-Touristen sollen hier im Einklang mit der Landschaft verweilen. Das wilde Anlegen an schützenswerten Uferbereichen sollte jetzt vorbei sein.“

Auch Landschaftsarchitekt Matthias Kolhoff legte in seinen Planungen Wert auf ökologische Aspekte: „Die sieben Einstiegsstellen in Pestrup, Hölingen, Colnrade, Einen, Goldenstedt, Varen esch und in der Markonah haben wir aus Natursteinen errichtet, wie sie hier vorkommen.“ Zwischen 3 000 und 5 000 Euro kostete jeder Platz, die gesamte Bausumme belief sich auf 30 000 Euro. Mit 40 000 Euro schlugen Werbematerial in Form von Flyern und Karten sowie die Info-Tafeln an den Stationen zu Buche. Deren Inhalte hatte Diplom-Biologe Volker Moritz zusammengetragen, textlich aufbereitet und in entsprechende Form gebracht. „Allerspätestens beim Lesen wird gewahr, um welche Kleinode es sich hier an der Hunte handelt“, umschrieb der Inhaber eines Umweltplanungsbüros aus Oldenburg.

Vom baulichen und gestalterischen Gesamt-Resultat zeigten sich alle Seiten begeistert: „Bisher konnten wir unseren Gästen noch nicht empfehlen, den Bereich zwischen Wildeshausen und Barnstorf zu befahren“, erklärte Jochen Eck von der Bundesvereinigung „Kanutouristik“. Der Oldenburger lobte, wie sehr das Konzept mit dem Abschnitt der bereits seit längerem befahrbaren Hunte von Wildeshausen nach Oldenburg harmoniert.

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