Kreisvorsitzender Ansgar Focke bedauert Astrid Grotelüschens Rücktritt / Mitleid auch aus Opposition

Katerstimmung an der CDU-Basis

Die „Akte Agrarministerin“ schloss Astrid Grotelüschen gestern selbst: Nach acht turbulenten Monaten trat die Ahlhornerin ab.

Landkreis - (ck) · Was sich in den vergangenen Tagen abzeichnete, erfuhren alle CDU-Ortsverbands-Vorsitzenden im Landkreis am Donnerstagabend von Ansgar Focke per Telefon als Vorabmeldung. „Ich habe alle Gemeindeverbands-Verantwortlichen angerufen und ihnen mitgeteilt, dass Astrid Grotelüschen heute als Landwirtschaftsministerin zurücktritt“, berichtete der CDU-Landtagsabgeordnete und Kreis-Boss gestern. Ihm selbst tat das Aus „unheimlich leid“, aber er bewunderte seine Stellvertreterin im Kreisvorstand dafür, „dass sie trotz des Gegenwinds, der ihr von Anfang an entgegen schlug, so lange durchgehalten hat“.

Acht Monate lang hatte es Kritik von Tierschützern und Oppositionspolitikern gegen die Mit-Geschäftsführerin einer Mastputen-Brüterei gehagelt. Jetzt hat sich die 46-Jährige Ruhe verordnet. „Astrid ist mit ihrer Familie verreist und in diesem Jahr für niemanden zu erreichen“, bestätigte Focke. Im Januar sollen die ersten Gespräche folgen, wie sich die Christdemokratin ihre Zukunft vorstellt. Dem Kreistag und dem Großenkneter Gemeinderat gehört sie weiterhin an. Beide Mandate wollte sie auch nach ihrem überraschenden Wahlsieg und dem Einzug in den Bundestag 2009 behalten, um den Draht zu den Menschen in ihrem Wahlkreis nicht zu verlieren.

Dem Berliner Parlament gehörte Grotelüschen allerdings nur zwischen September und April an. Ihre Zeit an der Spree endete mit dem Anruf von Niedersachsens damaligem Ministerpräsidenten Christian Wulff, der ihr das Amt der Agrarministerin anbot. Focke verteidigt diese Personalie bis heute. „Fachlich gesehen war das eine Verbesserung auf dieser Position. Astrid ist Ernährungswissenschaftlerin und kommt aus einem Betrieb der Ernährungswirtschaft – sie brachte die meiste Kompetenz mit.“

Genau diese Verbindung zu einer „Branche, die von vielen nicht gern gesehen ist“ (Focke), brachte aber die Kritiker auf die Zinne: Der Kreisvorsitzende hatte dies geahnt, erkannte gestern immerhin an, „dass sich die SPD noch zurückgehalten und am sachlichsten verhalten hat“.

Aus Reihen eben jener Sozialdemokraten gab es gestern sogar Mitgefühl für Grotelüschen: „Sie tut mir persönlich leid“, gab die Landtagsabgeordnete Renate Geuter aus Friesoythe zu. „Man muss sich fragen, ob Wulff damals gut beraten war, ihr als Vertreterin dieses nicht unumstrittenen Gewerbes ein solches Amt aufzubürden.“

Andere Seiten gingen teils indiskutabel gegen die Ministerin vor. „Menschlich gesehen war das ganz schlimm“, schüttelte Focke nur mit dem Kopf. Die „Hetzjagd“, wie sie Franz-Josef Holzenkamp als Chef des Oldenbuger CDU-Landesverbands bezeichnete, gipfelte in der Brandstiftung auf dem Gelände der Ahlhorner Mastputenbrüterei Grotelüschen.

Jetzt herrscht Katerstimmung. Denn die Union an der Basis verlor durch Grotelüschens Rückzug nicht nur den direkten Draht zur Landesregierung: Nun wird vielen Helfern im Bundestagswahlkampf erst bewusst, dass ihr Einsatz völlig vergebens war. „Solche Stimmen gab es schon kurz nach Astrids Berufung zur Ministerin“, erinnert sich Ansgar Focke: „Viele waren enttäuscht, weil sie sich an Info-Ständen und mit anderen Aktionen für unsere Kandidatin stark gemacht hatten, Astrid aber schon ein paar Monate später den Bundestag verließ. Diese Stimmung legte sich aber schnell.“ Denn ein solches Angebot vom Ministerpräsidenten hätte wohl kaum ein Politiker abgelehnt…

Das jähe Ende dieser Amtszeit führt Renate Geuter auch auf den mangelnden Rückhalt für Grotelüschen aus Reihen der CDU-Fraktion zurück: „Bisher ist jedenfalls noch niemand zurückgetreten, der in seinem Lager die volle Unterstützung hatte.“

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