Integratives Theaterprojekt „Mach‘ mir eine Szene“

Jugendliche beweisen Schauspiel- und Improvisationstalent

„Hände hoch!“ – Ein Überfall mit offenem Hosenstall.

Dötlingen - (ts) · „Hände hoch und Geld her“, brüllt Arne Brosche und richtet seinen Zeigefinger auf Lisa Baumfalke. „Also, erst einmal sollten Sie Ihren Hosenstall zumachen. So können Sie doch niemanden überfallen“, antwortet die Konfirmandin.

Der „Räuber“ wird ungeduldig, brüllt erneut und erhält nach einer weiteren Diskussion um seinen Hosenstall das Geld. Kaum hat er zur Flucht angesetzt, richtet Paul Bürster seinen Zeigefinger auf ihn: „Geld her“, fordert er den Räuber auf. Ein Schuss fällt. Arne Brosche geht zu Boden, und Bürster flüchtet mit Mariel Sels und der Beute. Applaus.

„Das sind heute die ersten frei gespielten Szenen“, informiert Helga Bürster. Gemeinsam mit Andrea Ralle-Wecker bietet sie im Rahmen der Konfirmanden-Projekte unter dem Titel „Mach‘ mir eine Szene!“ Theater für Menschen mit und ohne Behinderung an. Neben den drei Konfirmanden Lisa Baumfalke, Lerke Müller und Arne Brosche wirken auch Mariel Sels, Monique Persch und Paul Bürster mit, die vom familienentlastenden Dienst der „NORLE“ betreut werden.

Am Montagabend kamen sie bereits zum dritten Mal im Jugendhaus Dötlingen zusammen. Nachdem bei den ersten beiden Treffen zunächst Kennenlernspiele, Übungen zur Körpererfahrung und Atmung sowie ein kleines Sprachtraining auf dem Programm standen, mussten die Teilnehmer des Theater-Projekts am Montagabend schon kreativ mitwirken. „Wir haben uns jetzt in Zweier-Gruppen aufgeteilt, um uns kurze Szenen zu überlegen“, so Bürster. Schwer sei das zu zweit nicht: „Da kommen einem schon Ideen“, sagt Konfirmandin Lisa Baumfalke, der das Improvisieren am meisten Spaß macht.

Schauspiel-Talent bewies sie anschließend in einer Szene mit Helga Bürster, die ihre Mutter mimte und gar nicht begeistert war, dass Lisa den „Taugenichts“ Jan heiraten möchte. Das Gespräch schaukelte sich hoch, am Ende schlugen beide wütend mit der Hand auf den Tisch. „Und jetzt spielen wir die gleiche Szene mal in einer anderen Stimmung – betont fröhlich, überschwänglich“, schlägt Bürster vor. Gesagt getan. Am Ende wird „Tochter“ Lisa in einem übertrieben freundlichen Ton vor die Tür befördert.

Fröhlich und motiviert hatten sich zuvor bereits Ralle-Wecker und Arne Brosche nach dem Essen zu einem Verdauungsspaziergang in den Wald begeben. „Nun hätte ich Lust auf eine Tasse Kaffee“, sagt Ralle-Wecker. Die beiden setzen sich gut gelaunt. „Super, und jetzt spielt die ganze Szene noch einmal in müder Stimmung“, fordert Helga Bürster auf. Aus der Lust auf einen Kaffee wird plötzlich eine Notwendigkeit, um munter zu werden. Statt wie zuvor freudig aufzuspringen, um spazieren zu gehen, gähnt und streckt sich der Konfirmand erst einmal. Auch Textänderungen kommen spontan. Das Feedback folgte promt. „Ich fand die erste Szene besser“, meint Mariel Sels, und Bürster gibt den Tipp: „Denkt dran, das Publikum muss euch sehen.“

Traurig sollen hingegen Marielle Sels und Paul Bürster sein. Während er als Gespenst versucht, Mariel zu fangen, wird er selbst von einem „Baum“ alias Helga Bürster geschnappt. Dass es den Jugendlichen Spaß macht, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, ist nicht zu übersehen. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmern funktioniere gut. „Da spielt es keine Rolle, ob jemand behindert ist oder nicht“, so Bürster. Berührungsängste gebe es keine. Welche Theaterszenen sich die Gruppe sonst noch ausdenkt, darauf dürfen die Besucher des Gottesdienstes am 7. Februar gespannt sein. Dann werden alle Konfirmanden-Projekte in der St.-Firminus-Kirche vorgestellt.

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