Im Lopshof funktioniert die Zusammenarbeit Behinderter und Nichtbehinderter nach dem Inklusionsgedanken schon gut

„Jeder hat Stärken und Schwächen“

Über die Arbeit von Behinderten und Nichtbehinderten unter einem Dach tauschten sich gestern die Mitarbeiter des Lopshof-Cafés (r.) mit dem Team des Hotels „König von Griechenland“ aus Ovelgönne aus.

Dötlingen - (ts) · „Wo arbeiten denn hier die Menschen mit Behinderungen?“ Dass manche Gäste des Dötlinger Lopshof-Cafés diese Frage stellen, sieht Silke Winkler keineswegs als Affront. Vielmehr sei es eine Bestätigung dafür, dass die Mitarbeiter mit Handicap im normalen Restaurantbetrieb kaum auffallen und genauso gefordert sind wie ihre nicht behinderten Kollegen. Inklusion lautet dabei das Stichwort. Während die Einbeziehung und selbstverständliche Dazugehörigkeit Behinderter im schulischen Bereich stark diskutiert wird, scheint die Umsetzung im Lopshof wenig problematisch.

In dem an die NORLE angegliederten Restaurant arbeiten schon seit ein paar Jahren fünf Festangestellte mit Handicap auf einer Basis von 130 Stunden im Monat – und das Hand in Hand mit ihren nichtbehinderten Kollegin. „Früher haben wir unsere Gäste mit Schildern auf den Tischen auf unsere ‚besonderen‘ Mitarbeiter hingewiesen“, erinnert sich Silke Winkler. Diese wurden inzwischen entfernt. Schließlich gehören Cicek Göktas, Judith Friedrich, Fatmire Peci, Nicole Ritter und Petra von Aschwege genauso wie alle anderen Mitarbeiter zum Team, in dem sie keine Sonderstellung genießen.

Angestellt sind die fünf als Hauswirtschaftshelfer, arbeiten in der Küche und im Service. Ihren Arbeitsplatz haben sie nicht einfach so erhalten, auch sie mussten Voraussetzungen erfüllen und ausgebildet sein. Während Cicek Göktas und Fatmire Peci jeweils eine dreijährige Qualifizierungsmaßnahme bei der gemeinnützigen Gesellschaft der NORLE durchliefen, hat zum Beispiel Nicole Ritter schon in der Kantine des Arbeitsamts und beim Staatstheater Oldenburg gearbeitet, bevor sie in Dötlingen in die Küche des Lopshofs kam. An ihren ersten Tag kann sich Cicek Göktas noch erinnern: „Das war alles sehr neu.“ Sie habe sich aber schnell eingelebt und fühle sich sehr wohl.

Insgesamt hat das Restaurant zehn Festangestellte, ergänzt durch geringfügig Beschäftigte, die bei Bedarf aushelfen. „Und wenn eines dieser Rädchen nicht funktioniert, gerät der Betrieb ins Stocken“, sagt Hauptservicekraft Rebecca Kohls, die für die Aufstellung der Dienstpläne verantwortlich zeichnet. Das klingt zwar streng. Wer aber mal an einem sonnigen Sonntag im Künstlerort Dötlingen war, weiß: Die Ausflügler kommen oft in Scharen und sorgen auch für volle Cafés und Restaurants. Dann müsse es schnell gehen. Nicht jeder halte dem Druck gleich gut stand. „Inklusion bedeutet für mich aber auch, dass wir innerhalb unseres Betriebs den richtigen Platz für sie finden“, sagt Silke Winkler und nennt ein Beispiel: „Cicek und Judith arbeiten in der Woche auch an der Kasse. Wenn am Wochenende der große Ansturm kommt, fühlen sie sich dabei aber nicht wohl.“ Solche kleinen Ausnahmeregelungen seien allerdings der einzige Unterschied. Ansonsten gehe es im Lopshof genauso zu wie in anderen Betrieben.

Berührungsängste oder gar Ablehnung gegenüber den Mitarbeitern mit Handicap gebe es nicht. „Höchstens mal die ganz normalen Reibereien unter Kollegen“, sagt Winkler. „Jeder hat nun mal seine Stärken und Schwächen, egal ob behindert oder nichtbehindert“, fügt Marion Synder hinzu, die als erste überhaupt eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau im Lopshof absolviert. „Und jedem kann beim Service mal etwas runter fallen – Behinderten genauso wie Nichtbehinderten.“

Infos und Kontakt: http://www.lopshof-cafe.de.

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